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Karakorum-Highway: Auf dem Fahrrad durch den rauen Norden Pakistans

Von China aus per Bus einreisend, radeln wir von Sost gen Süden bis zur Raikot-Brücke, allerdings mit einigen Abstechern und Umwegen: auf einer spektakulär steilen Straße in das Skardu-Tal und in die Nähe des Masherbrum (7.821 m); von dort über die Deosai-Ebene (immerhin die höchste außerhalb Tibets) ins Astore-Tal und zurück zum Highway; im Jeep und wandernd zum Basislager des Naga Parbats; entlang eines malerischen Flusses ins Ghizer-Tal. Da wir ohnehin zurück nach China müssen und uns die Landschaft derart gut gefällt, radeln wir kurzerhand den ganzen Weg zurück nach Sost. Insgesamt legen wir in 43 Fahrtagen etwa 1.500 km und 19.000 Höhenmeter zurück. Man kann den gesamten Highway bis Islamabad auch in 7-10 Tagen radeln, aber gerade die Abstecher lohnen sich – der Highway an sich ist schon spektakulär, den Atem rauben jedoch die Seitentäler.

Der Karakorum-Highway beginnt bereits im chinesischen Kashgar und führt durch eines der höchsten Gebirge der Welt, vorbei an Sieben- und Achttausendern und durch kilometertiefe Schluchten. Gänsehaut ist ein ständiger Begleiter in Anbetracht der gewaltigen Gletscher, die sich bis an den Rand der Straße ergießen. Hinter jeder Biegung warten neue, immer bessere Ausblicke über geschwungene Täler, in denen das Gold der Pappeln mit dem Türkis der Flüsse um die Wette eifert. So eindrucksvoll die Bergwelt ist, so vielfältig und überraschend sind die Pakistani selbst. Auf den Rädern spüren wir die Unterschiede zwischen den islamischen Gruppen von Tal zu Tal und lernen, wie wenig wir doch über muslimische Gesellschaften wissen. Die Menschen scheuen keine politische Diskussion, erdulden Fragen über Frauenrechte und Taliban, sodass der Austausch zu einem der horizonterweiternsten unserer Reise gehört.

Einreise aus China
Der wahnwitzigste Grenzübergang unserer Reise liegt zwischen China und Pakistan. Feuerzeuge, Taschenmesser und scharfe Werkzeuge müssen wir noch in China abgeben. Eine Logik, die wir wohl nie durchschauen, schließlich reisen wir aus (!) und nicht ein. Daniel wickelte zuvor das teure Taschenmesser in Papier und Plastikbeutel und versteckte es im Rahmen – die Beamten schüttelten zwar die Räder, hörten aber das Messer nicht. Fein säuberlich aufgereiht und von schwer bewaffneten chinesischen Beamten flankiert, besteigen wir den obligatorischen Eskortbus nach Pakistan. Einmal mehr nimmt es den gesamten Tag in Anspruch, die chinesische Grenze zu passieren. Selbst die Pakistani spotten über so ein närrisches Prozedere. Als wir endlich ihr Land erreichen, rufen sie: „Welcome to Pakistan, welcome to freedom!“ Willkommen im freien Pakistan? Guter Witz. Erst müssen wir lachen – bis wir realisieren, wie recht sie doch haben.

Sicherheit
Wir besuchen ausschließlich die ganz im Norden gelegene Provinz Gilgit-Baltistan, die als sicher gilt. 2013 wurden nahe eines Basislagers am Nanga Parbat ein knappes Dutzend Bergsteiger von Terroristen ermordet – der einzige Anschlag in der Region überhaupt. Seitdem gibt sich die Regierung alle Mühe, Sicherheit zu vermitteln: Im grenznahen Städtchen Sost wacht ein Polizist mit Kalaschnikow vor unserem Hostelzimmer. Passkontrollen sind an der Tagesordnung. Manchmal brauchen wir uns gar nicht vorzustellen, denn die Beamten kennen bereits unsere Namen. Als wir ein Dörfchen erreichen, tuschelt ein Passant „Germany…“ in sein Telefon, nur wenige Minuten später sitzt ein Polizist im Restaurant. Auch auf dem Weg zum Basislager des Nanga Parbat werden wir von einem Polizisten eskortiert. In anderen Provinzen und auch der Hauptstadt Islamabad ist die Lage für Individualtouristen etwas prekärer. Südlicht der Raikot-Brücke bis Islamabad führt der Weg entweder entlang des Highways bei Chilas oder über den Babusar-Pass. Letzterer ist von Mai bis November geöffnet und landschaftlich reizvoller. Beide Varianten sind aufgrund anhaltender Spannungen innerhalb der muslimischen Strömungen mitunter heikel, mit Polizeieskorten ist daher zu rechnen. Wir persönlich fühlen uns stets ausgesprochen willkommen und sicher und machen keinerlei schlechte Erfahrungen, auch die Polizisten sind stets freundlich. Es ist jedoch ratsam, vorab die Lage auf der Seite des Auswärtigen Amtes zu checken.

Räder und Ausrüstung
Da der Karakorum-Highway selbst nagelneu und zu allermeist in perfektem Zustand ist, könnte man ihn theoretisch mit einem Rennrad befahren. Abseits der Hauptstrecke ist allerdings robustes Material sinnvoll. Wir fahren – wie immer – gut mit dem Terra von Patria und Marathon Mondial-Reifen, extradicken Speichen sowie stabilen Felgen. Wenn der Verkehr in den kommenden Jahren erwartungsgemäß zunimmt, wird in dem kurvigen Terrain ein kleiner Rückspiegel sehr hilfreich sein. Sehr wichtig ist auch eine effiziente Radbeleuchtung, da es in der Nähe des Attabad-Sees so manchen Tunnel zu durchqueren gibt. Der Straßenbelag ist auch hier tadellos, die Tunnel aber nicht belüftet und stockdunkel, Seitenstreifen fehlen. Mit guter Beleuchtung (wir hängen zusätzlich unsere Stirnlampen im Blinkmodus an das Hinterende des Fahrrads) ist die Befahrung aber recht sicher. Die Hauptgefahr stellt Steinschlag dar und zwar immer besonders dann, wo Ziegen an den Steilhängen weiden und Geröll locker treten. Häufig sieht man die kleinen Staubwolken hoch oben schon von weitem, dann heißt es Deckung suchen – ein Helm ist dann doppelt sinnvoll.
Wasser sollte vor dem Verzehr immer behandelt werden –außer, es stammt aus vertrauenswürdigen Brunnen oder Gletschern. Selbst klare Gebirgsbäche sind durch das allseits gegenwärtige Weidevieh kontaminiert. Die hygienischen Bedingungen in Dörfern und Städten sind oft auf sehr niedrigem Niveau. Besonders im Frühjahr und Herbst wird es in höheren Lagen – man überschreitet flugs die 4.000er-Marke – knackig kalt. Während einer Nacht auf den Deosai-Ebenen (ca. 4.100 m) fiel das Thermometer auf -10 °C und auch in den tieferen Schluchten bleibt die Luft morgens lange frostig. Im Oktober schwitzen wir auf 1.500 m mittags bei 35 °C, freuen uns aber schon am nächsten Morgen über Handschuhe und Mütze. Kurzum: Kleidung für jede Jahreszeit ist angebracht, wenn Touren ins Hochgebirge oder sehr spät im Jahr geplant sind.

Straßenbedingungen
Bis vor Kurzem noch ein einspuriges Schotter-Abenteuer, baute China den Karakorum-Highway zu einer modernen Schnellstraße aus und ergänzte sie gar um einen eigenen Hafen in Karachi, um sich so einen effizienten Zugang zum Indischen Ozean zu verschaffen. Noch ist das 400-Millionen-Dollar-Projekt nicht fertig, ein Glück für uns, denn nur wenige rußende Trucks stottern vorbei. Flüsterasphalt, geringe Steigungen, kaum Verkehr – ein Radlertraum! Die Straßen der Seitentäler sind allerdings oft rissig und von Schlaglöchern übersät. Die zahlreichen Erdrutsche und Lawinen im Winter fordern viele Reparaturarbeiten, die sich in den unzugänglichen Schluchten ewig hinziehen. Daher sind manche Abschnitte noch bis in den Spätherbst hinein in schlechtem Zustand. Der Verkehr in den Städten ist chaotisch.

Verpflegung und Übernachtung
In nahezu jedem Dörfchen gibt es Garküchen, deren Köche zwar eine Putzmittel-Allergie zu haben scheinen (die hygienischen Standards sind unterirdisch), aber das pakistanische Essen ist sehr preiswert und ein echter Hochgenuss, selbst für Vegetarier: Currys aus Linsen und Kichererbsen, Hähnchen oder Lamm, dazu frisches, ofenwarmes Fladenbrot. Wie auch in Indien vergeht keine Pause ohne den berühmten Chai: starker Schwarztee mit sahniger Milch und viel Zucker. Bei der Urlaubsplanung sollte man jedoch den Ramadan beachten, dann sind die meisten Läden geschlossen. Der Tourismus befindet sich seit 9/11 in einer anhaltenden Flaute. Seit neuestem schießen jedoch vielerorts Hotels, vor allem für einheimische Reisende, aus dem Boden. Wir bevorzugen es allerdings, das Zelt in den meist gut gepflegten Hotelgärten aufzustellen, oft sogar kostenlos. In Anbetracht der Standards sind die Zimmer meist überteuert – wie hat es ein anderer Tourist ausgedrückt: „Ich schlafe lieber in meinem eigenen Dreck…“ Ab und zu klopfen wir an die Türen der Einheimischen und erfragen nach einem Platz im Garten. Die ausgesprochene Gastfreundschaft der Leute schreibt ständige Fürsorge vor, mit allen Vor- und Nachteilen: die Privatsphäre ist dann hin. Das steile Terrain und Steinschlag erschweren das wilde Zelten. Es ist außerdem sehr ungewöhnlich und von der Polizei nicht gern gesehen.

Leben & Gesellschaft
Eigentlich hatten wir nicht vor, ein Rad über die pakistanische Grenze zu setzen. Hier fassten die Amerikaner Osama bin Laden und die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes beruhigen auch nicht gerade. Bombenexplosionen und Terroranschläge, drei Radreisende wurden zuletzt entführt, ein Dutzend Bergsteiger erschossen und alleine im vergangenen Jahr 700 Mal der Ehre wegen gemordet. In der Islamischen Republik richten Militär und Scharia-Gerichte und verhängen Todesurteile gegen Minderjährige. Dementsprechend klebten die Vorurteile anfangs wie Blei an uns und den Rädern. Als wir das erste Städtchen erreichen, wähne ich mich in Kabul, sind wir hier wirklich richtig? Uns erwarten ausnahmslos Männer in traditioneller Kleidung, weiten Pluderhosen, mit brustlangen Bärten, mancher mit dunkel geschminkten Augen. Einer kommt auf mich zu, ein finsterer Blick, dann ein Lächeln. „Es ist so toll, dass ihr hier seid. Lasst uns Tee trinken!“ Er umarmt mich, und fragt auch Claudia: „Darf ich dich mal drücken?“ Imran lädt uns schließlich in sein Haus ein. „Ihr müsst einen Tag pausieren“, warnen er und seine Schwester. Weiter unten würden die Schiiten eine Prozession abhalten, die Straßen seien deshalb gesperrt. Einen Tag verbringen wir daher in Imrans abgelegenen Bergdorf, das mich völlig überraschend in mein Leipziger Studentenleben zurückbeamt. Wir treffen uns mit Freunden, allesamt Philosophie-Studenten, auf dem Tisch stapeln sich Kant, Rousseau, Foucault. Im fließenden Englisch lästern sie über das Militär und reagieren wie jeder Nicht-Ossi, dem wir vom Nacktbaden am Cospudener See erzählen: „Da müssen wir hin!“ Das Dorf ist blitzblank geputzt, die Frauen tragen ihr Kopftuch lässig oder gar nicht. Wir sind bei den Ismaeliten im nördlichen Hunza-Tal. Eine muslimische Gruppe, deren Führer Aga Khan vor allem in Schulen und Universitäten investiert. „Bleibt bei uns in Hunza,“ raten sie zum Abschied und wir fragen uns, weshalb? Nur einige Dörfchen weiter verändert sich die Atmosphäre, wir erreichen konservative, schiitische und sunnitische Gebiete. Die Menschen sind weiter freundlich, ohne Frage, wir erhalten Hilfe wann immer notwendig. Doch deutlich weniger winken uns zu, sie starren statt zu grüßen und uns anzusprechen. Es fällt uns schwer, höflich zu bleiben bei all den staubigen Männern, die Milchtee trinken, Haschisch rauchen, lethargisch die Straßen säumen, umgeben von Unrat. Ganze Dörfer erinnern an langjährige Männer-WGs. “Wo sind all eure Frauen? Ich fühle mich einsam“, frage ich in Englisch sprechenden Runden. Einer verweist auf deren separate Straßen, als sei es das Normalste der Welt. „Wir machen Business, die Frauen sind Zuhause.“ Geschäftstüchtigkeit ist hier ein dehnbarer Begriff. Ein anderer bringt es auf den Punkt: „Unsere Frauen erledigen die Drecksarbeit.“ Die wenigen Muslima, die wir hier von Nahem sehen dürfen, haben Hände wie Steinbrucharbeiter. Von Kopf bis Fuß verschleiert ackern sie auf den Feldern und ersetzen mit ihren Rücken Esel und Pferde um die Erträge fortzuschaffen. Im Global Gender Gap Report belegt Pakistan den vorletzten Platz, nur im Jemen ist die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern größer. Weniger als die Hälfte der Frauen können lesen und schreiben, bei den Männern sind es immerhin 70%. Es gibt noch Stammesgebiete, in denen Mädchen ihre Vergewaltiger heiraten müssen, um den Frieden zwischen den Clans zu wahren. Anderswo kontrolliert die Schwiegermutter das Bettlaken nach der Hochzeitsnacht auf Blut hin, um sicherzugehen, dass die Braut unbefleckt war. Ein Hauptstädter zeigt sich unglücklich mit seiner jungen Frau, krank sei sie geworden nach der Geburt des vierten Kindes. Nun werde er sich eine zweite Gattin suchen, die den Haushalt führt. Doch fassungslos und tieftraurig macht uns vor allem eine Sache: erstmals verhüllen junge Mädchen ihr Gesicht, sobald sie uns entdecken, Frauen schnappen ihre Kinder und rennen fort. „Schüchtern“ seien die Damen, grinsen die Männer. Ein schöner Euphemismus für indoktrinierte Scheu und Unterwürfigkeit. Von einer Lehrerin erfahren wir: „Mein Mann erlaubt es nicht, dass ihr mich fotografiert. Eigentlich dürft ihr mich gar nicht sehen. Es geht um meine Ehre.“ Eine unerträgliche Doppelmoral – ich werde nämlich meist ungefragt von deren Ehemännern geknipst. Manchmal staut sich soviel Frust darüber an, dass ich verlange, die Bilder zu löschen.

In Skardu begegnen wir einem Professor der örtlichen Uni und genießen aufklärende Gespräche. Kopfschüttelnd erläutert er den zentralen Grund für die patriarchalischen Strukturen und Lethargie auf den Straßen: die unterirdische Bildung. Nur 1 Prozent des BIP fließt in die Ausbildung (in Deutschland 5) – doch sind mehr als die Hälfte der 200 Millionen Pakistani unter 25 Jahre jung. Häufig stellt die Regierung nur Schulen für Jungen zur Verfügung. Die Armen besuchen Madrassas, Religionsschulen, die neben dem Unterricht auch kostenfreies Mittagessen ausgeben und die Gehirne mit Stumpfsinn füttern. „Manche Lehrkräfte müssen 2 bis 3 Stunden laufen, ehe sie ihre Schule erreichen. Im Winter fällt der Unterricht oft aus“, erklärt der Professor. Ich muss an die deutsche Phrase denken: „Die Schlauen sollen in ihrem Land bleiben und es aufbauen.“ Wie platt und leer sie mir vorkommt, wenn ich ihm zuhöre. Mit seinem wachen und kritischen Verstand wirkt er mitunter völlig deplatziert.

Fazit
Pakistans Widersprüche fordern uns wie die Gipfel des Karakorums einen Bergsteiger. Die Landschaft raubt uns den Atem aufgrund ihrer Schönheit, die Städte wegen der unerträglichen Luft. Manchmal fährt unsere Stimmung innerhalb eines einzigen Dorfes Achterbahn. Etwa wenn wir inmitten der Lethargie und Rückständigkeit ganz unerwartet in ein spannendes Gespräch verwickelt werden, uns selbstbewusste Mädchen Äpfel schenken oder einheimische Studenten wie Berliner Hipster daherkommen. Wahnsinnig spannend, wie sich im langsamen Radreisetempo gravierende Unterschiede spüren lassen, von Dorf zu Dorf und Tal zu Tal. Insofern haben wir von den bildungsaffinen Ismaeliten des Hunzatals zu den konservativeren Örtchen mit ihren verkrusteten Strukturen ganze Universen durchradelt. Einmal mehr wird uns besonders anschaulich bewusst, dass nur eine Bildung, die auf wache und kritische Geister abzielt, die Basis einer gesunden und offenen Gesellschaft ist. Nichtsdestotrotz: Wann immer wir bei Familien nächtigen, werden wir umsorgt und gemästet als sei es Heilig Abend, und sicher fühlen wir uns überall. Letztlich ähnelt Pakistan einer Droge: Eine aufputschende, faszinierende Welt, von der wir kaum genug bekommen, die aber auch plötzliche Tiefschläge und Magenschmerzen versetzt. Süchtig sind wir allemal und verbringen statt geplanter 2 mehr als 6 Wochen im Land.

Reisezeit
Aufgrund der extremen Höhenunterschiede erwarten den Reisenden entlang des Highways ebenso extreme Temperaturdifferenzen: brüllende, schattenlose Hitze im Spätsommer in tieferen Lagen und frostige Kälte auf dem Khunjerab-Pass (4.733 m). Um sowohl die sommerliche Hitze als auch schneeblockierte Straßen im Winter zu umgehen, eignen sich für den Norden Pakistans vor allem die Monate Ende März bis Anfang Juni bzw. Ende August bis Anfang November. Der Khunjerab-Pass selbst ist jedoch nur von April bis Dezember geöffnet – dies sind jedoch keine fixen Daten, die Öffnungszeiten variieren jährlich.Wir empfanden den Oktober als nahezu perfekte Jahreszeit: Die Flüsse führen wenig Wasser und sind türkisblau, während die Bergspitzen ganzjährig schneebedeckt sind. Ein wunderbarer Kontrast zu den goldgelben Pappeln, die jedes Tal säumen. Das Wetter ist tagsüber angenehm warm, nachts kühl, und meist trocken mit viel Sonnenschein und grandiosen Weitsichten.

Anreise
Liebhaber komplizierter, nervenaufreibender Grenzübergänge reisen über Land aus dem chinesischen Xinjiang ein. Wer mit dem Flieger in Pakistans Hauptstadt Islamabad landet, ist auf Busse gen Norden angewiesen oder radelt den Karakorum-Highway von Süd nach Nord. Es ist außerdem möglich, das Land von Iran aus zu erreichen, allerdings über weite Strecken eskortiert von Polizisten. Auch der Weg über Indien ist möglich, die Einreisebestimmungen ändern sich allerdings regelmäßig.

Einreise
Nur mit Visum möglich. Kein leichtes Unterfangen, vor allem für Radreisende, die auf der Seidenstraße unterwegs sind, denn die pakistanische Botschaft lädt in Deutschland mittlerweile jeden zum Interview. Wir haben vor Reisebeginn einen Zweitpass beantragt, diesen bei einer Visaagentur mit allen notwendigen Dokumenten hinterlegt und mussten dank des Verhandlungsgeschicks der Agenturmitarbeiter nicht persönlich zum Verhör – dies ist mittlerweile wohl nicht mehr möglich. Wer über Land von China einreist, muss vom chinesischen Taschkurgan bis ins pakistanische Sost einen Bus nehmen. Mit Glück darf man auf pakistanischer Seite am Khunjerab-Pass aussteigen und selbst nach Sost hinab rollen. Die Einreise selbst dauert aufgrund der paranoiden chinesischen Grenzkontrolle einen ganzen Tag.

Geld
Im Norden Pakistans gibt es nur wenige zuverlässige Geldautomaten, wir tauschen Dollar bzw. Euro recht problemlos in Geschäften in Sost bzw. Banken größerer Ortschaften. Das Land ist äußerst günstig zu bereisen: Ein Chai kostet ca. 50 Ct., eine Portion Essen ca. 1-1,5 €, ein einfaches Zimmer 5-10 €. Unsere Tagesausgaben betrugen knapp 17 € für uns beide zusammen, inklusive zweier Jeeptouren – das Kostspieligste des gesamten Aufenthaltes.

Sprache
In der ehemaligen britischen Kolonie Pakistan ist Englisch weiterhin Amtssprache und fast überall verbreitet, was in Kombination mit der aufgeschlossenen Art der Pakistani wahnsinnig kontroverse und erkenntnisreiche Gespräche ermöglicht! Neben Urdu, das dem indischen Hindi ähnelt, werden landesweit noch über 70 weitere Lokalsprachen gesprochen.

elefand.diplo
Das Auswärtige Amt rät, sich in dessen Krisenvorsorgeliste online einzutragen, sodass die Behörde im Notfall schneller Unterstützung bietet und Angehörige informiert.

freedomhouse
Wissenschaftlich fundierter Bericht zur aktuellen gesellschaftspolitischen Situation im Land.

ein-fuerstlicher-sozialhelfer
Informativer Beitrag zu den Islameliten in Nordpakistan, deren Anführer vor allem in Krankenhäuser und Schulbildung investiert.

  • ein stabiles Zelt (siehe Übernachtung)
  • Vaseline für aufgesprungene Lippen und Hände
  • Sonnencreme (Hochgebirge!) gegen Sonnenbrand
  • Wasserfilter, um immer sauberes Trinkwasser zu haben
  • je nach Route Kleidung für alle Jahreszeiten und wandertaugliche Schuhe
  • lange und luftige Bekleidung für Frauen, evtl. Kopftuch (wenn auch nicht Pflicht).

Pakistan, Landkarte (1:1.300.000), 2008, Reise Know-How. Ausreichend für eine grobe Orientierung, über aktuelle Straßenverhältnisse jedoch immer Einheimische fragen.

Malala Yousafzai Patricia McCormick: Malala. Meine Geschichte, 2014, Fischer KJB Verlag. Geschichte einer jungen Pakistani, die von den Taliban angeschossen wurde, weil sie verbotenerweise zur Schule ging. Für ihr Engagement im Bildungsbereich erhielt sie den Friedensnobelpreis.

Ralf-Peter Märtin: Nanga Parbat: Wahrheit und Wahn des Alpinismus, 2014, Piper Verlag Der „deutsche Schicksalberg“ liegt direkt am Karakorum-Highway.

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