Dein Abenteuer beginnt hier!

Teaserbild: Trekkingtour auf dem Forststeig im Elbsandsteingebirge

Trekkingtour auf dem Forststeig im Elbsandsteingebirge

Nachdem es unsere Reisegruppe im Spätsommer 2016 nach Schottland verschlagen, aber unser Vorhaben, den kompletten West Highland Way zu laufen jedoch schon am dritten Tag ein unerwartetes Ende gefunden hatte, starteten wir Angang Oktober dieses Jahres einen neuen Versuch für eine mehrtägige Wandertour. Unser Ziel war die Sächsische Schweiz. Genauer: der im Mai 2018 neu erschlossene Forststeig, der 100 km durch die Wälder des Elbsandsteingebirges führt, sowohl auf deutscher als auch auf tschechischer Seite. Unsere Reisegruppe von 2016, bestehend aus Alfred aus Dresden und Danja, Nico, Luise und Philip aus Leipzig, wurde dieses Jahr ergänzt durch Christian aus Leipzig und Jan alias Jonusch aus Jena.

Wer das Elbsandsteingebirge kennt, weiß diese tolle Gegend sicher zu schätzen. Nicht nur zum Klettern sind die bizarren Sandsteinformationen ein Hit, sie lassen sich auch schön anschauen und (was besonders für die Jungs unserer Gruppe sehr interessant war) auch spektakulär fotografieren. Primärer Grund, weshalb wir uns in diesem Jahr für das Elbsandsteingebirge entschieden, war neben der großartigen Natur und Landschaft, dass wir eine Location für eine Mehrtagestour suchten, die von Leipzig bzw. Dresden aus gut und schnell und vor allem recht kostengünstig zu erreichen war. Einige von uns hatten im Sommer schon größere Urlaube im Ausland verbracht und deshalb war der Anspruch, die ganze Aktion in einem angenehmen preislichen Rahmen zu halten, doch recht hoch.

Unsere Tour begann für Danja, Nico, Christian und mich (Philip) mit der Fahrt von Leipzig nach Bad Schandau. Dort stiegen wir in den Zug nach Hrensko ein, in dem wir den zweiten Teil unserer Gruppe trafen. In Hřensko angekommen blieben wir auf der linken Seite der Elbe, wo der Forststeig offiziell startet. Der Weg ist durch einen breiten gelben Strich an Bäumen und Grenzpfeilern gekennzeichnet.
Unsere erste Etappe führte uns immer an der deutsch-tschechischen Grenze entlang über den Großen Zschirnstein, einem lohnenswerten Aussichtspunkt, bis zur ersten Trekkinghütte, der Grenzbaude. Wir hatten bis dahin noch keine genaue Vorstellung von der Ausstattung und Größe der Hütten und waren begeistert, als wir die Grenzbaude betraten (und da wussten wir noch nicht, dass die anderen beiden Hütten noch schöner werden würden!). Mit Einbruch der Dunkelheit mussten wir dann auf Kerzenlicht umsteigen, was in Verbindung mit dem Flackern des Feuers im Kamin für eine sehr gemütliche Atmosphäre sorgte. So konnten wir den Abend bei einem Kartenspiel ausklingen lassen.
Am nächsten Tag führte uns die Route dann auf tschechischer Seite weiter in Richtung des Hohen Schneebergs. Kurz bevor wir diesen erreichten, kamen wir an einer der schönsten Aussichten des ganzen Forststeigs vorbei, an der wir eine ausgiebige Fotopause einlegten. Auf dem Hohen Schneeberg befinden sich ein Aussichtsturm und ein kleines Restaurant, das wir aber links liegen ließen. Auf dem Plateau durchquerten wir einen wunderschönen Birkenwald und das hiesige Bouldergebiet, welches sicher auch mal einen Besuch wert ist. Am Nachmittag erreichten wir dann den Campingplatz in Ostrov. Jetzt im Herbst war dieser fast wie ausgestorben. Neben unserer Wandergruppe waren bloß noch wenige andere Wanderer sowie eine Motorradgruppe aus Sachsen dort zu Gast. Im Sommer wird dieser Campingplatz vermutlich oft sehr voll sein, denn man befindet sich nicht nur in einem tollen Klettergebiet, sondern auch im Highline-Mekka für Slackliner. Eigentlich hatte das Restaurant am Platz an diesem Abend geschlossen. Die Betreiberin des Campingplatzes meinte aber, dass sie uns schon irgendwas Warmes zu essen zurechtzaubern würde, wenn wir denn Interesse hätten und so verbrachten wir den Abend in der gemütlichen Gaststube bei dem ein oder anderen Bier und Gulasch mit Reis.
Am Morgen des dritten Tages fiel uns das erste Mal so richtig auf, wie abwechslungsreich die Wege des Forststeigs sind. Im Nachhinein betrachtet ist dies wohl auch einer der Top-Gründe, warum uns dieser Weg so viel Spaß gemacht hat, denn man konnte eigentlich ständig etwas Neues entdecken. Wir blieben zunächst auf der tschechischen Seite der Grenze, bis wir nach ca. 1/3 der Tagesstrecke wieder auf den Grenzweg trafen. Zum Mittag machten wir Rast am Zeisigstein, der als Aussichtspunkt selbst nicht unbedingt zu den sehenswertesten gehört, aber dennoch ein wunderbarer Platz zum Pausieren war. Kurz vor dem Ziel unserer Etappe, der Kamphütte, erreichten wir den Aussichtsfels Johanniswacht, den man über steile Stahlleitern, welche zum Teil in Rissen durch den Fels hinaufführten, „erklettern“ kann. Die Aussicht von dort oben war schon um einiges interessanter und falls das Wetter es hergeben sollte, wollten wir am nächsten Morgen von dort oben den Sonnenaufgang beobachten. Vom Aussichtsfelsen waren es dann nur noch wenige Minuten bis zur Kamphütte, die an einer Lichtung mit lauter Apfelbäumen steht, die sogar noch Obst trugen. Also gab es abends zum Nachtisch Bratäpfel – richtig premium!
Der vierte Tag startete für die Jungs mit dem geplanten Abstecher zum Aussichtsturm. Der Sonnenaufgang gehörte zwar zu den weniger spektakulären, im Endeffekt war es die Aktion aber trotzdem wert. Nach dem Frühstück folgte ein steiler Abstieg in den Ort Schweizermühle. Ab dort ließ leider die Beschilderung des Weges etwas zu wünschen übrig, weshalb wir einige Male umkehren mussten. Hier war es sehr hilfreich, dass Alfred sich im Voraus sehr gut informiert hatte und mit mappy.cz einen kleinen, praktischen Helfer auf dem Smartphone dabei hatte. Auch von der Distanz war es der erste Tag, an dem wir ein paar Kilometer mehr machen mussten, was wir besonders auf dem zweiten Teilstück nach einer Mittagsause auf der Grenzplatte in den Füßen spürten. Und so waren wir froh, als wir am späten Nachmittag endlich die Rotsteinhütte erreichten. Diese Hütte sollte unsere letzte Trekkinghütte auf dem Forststeig sein, war dafür aber auch die gemütlichste.
Am fünften Tag war unser Etappenziel schon Königstein, da wir die letzten drei offiziellen Etappen auf zwei Tage verteilen mussten. So hieß es erneut: Strecke machen! Relativ früh kamen wir an Aussichtspunkten vorbei, die uns schon in der Ferne mit der berühmten Festung Königstein unseren Zielort und die zahlreihen Tafelberge der Sächsischen Schweiz aufzeigten. Von der Luftlinie ausgegangen, wäre es quasi nur noch ein Katzensprung gewesen. Der Forststeig macht aber noch einen gehörigen Bogen, weshalb unserer Kilometerzähler am Ende 23 anzeigte. Studien sollen wohl bewiesen haben, dass Schokolade glücklich macht; da unsere Vorräte noch recht groß waren, nutzten wir diese großartige Eigenschaft gegen Ende der Etappe immer häufiger aus. Irgendwann kamen wir in Königstein an und erfreuten uns einer ausgiebigen Dusche in unserem Hostel „4lions“, das übrigens sehr zu empfehlen ist, nicht nur, wenn man auf dem Forststeig wandert. Am Abend gönnten wir uns in Königstein Pizza und ein paar Kaltgetränke am Feuer bei einem netten Plausch mit dem Hostelbetreiber, der wirklich ein witziger Typ war, mit dem man sich gut unterhalten konnte.
Am letzten Tag konnten wir es noch mal ruhiger angehen lassen und gönnten uns zum Frühstück frische Brötchen vom Bäcker. Die Etappe zurück nach Bad Schandau war dann deutlich touristischer als der Rest des Forststeiges. Dazu kam auch noch, dass Wochenende war und das schöne Wetter unzählige Besucher auf die beiden Gipfel Gohrisch und Papststein zog. Landschaftlich war diese Etappe aber nochmals sehr lohnend! Nach 6 Tagen und 100 Kilometern Strecke erreichten wir am Nachmittag Bad Schandau und mit dem Zug ging es für uns zurück nach Dresden bzw. Leipzig.
Zusammenfassend können wir den Forstseig durchweg jedem empfehlen, der die sächsische Schweiz einmal fernab von den bekannten Touri-Routen erkunden möchte und sich nicht zu schade ist, das ein oder andere Kilo mehr durch die Gegend zu tragen.

Reisezeit

Da man 3 Nächte in eigens für den Forststeig errichteten Trekkinghütten übernachtet, die von Mai bis Oktober geöffnet sind, kann man die beste Reisezeit wohl auch so definieren. Mit guter (warmer) Ausrüstung und einem Zelt, das man dann zwangsläufig benötigt, lässt sich dieser Zeitraum aber sicher auch bei entsprechendem Wetter nach vorn und hinten verlängern. Allerdings geben die Forstverwaltungen eine Winterpause aus (aktuell vom 1.11.18 bis 5.4.19); weitere Informationen dazu findet man auf der Forststeig-Website.

Anreise

Man nimmt entweder das Auto nach Bad Schandau und parkt dort auf dem Park-and-Ride-Platz direkt am Bahnhof oder fährt von Dresden aus mit dem Zug. Von Bad Schandau muss man noch mal 2 Stationen mit dem Zug weiter bis nach Hrensko (Schöna) fahren, wo der Forststeig startet.

Sprache

Deutsch reicht völlig aus, um sich zu verständigen. Wer Tschechisch spricht, kann dies selbstverständlich auch anwenden, meistens können die Tschechen aber besser Deutsch, als wir Deutschen Tschechisch …

Geld

Es bietet sich an, im Vorfeld Kronen zu tauschen, da man eine Nacht auf einem tschechischen Campingplatz verbringt. Euros werden aber auch akzeptiert (da macht man aber vermutlich miese).

Übernachtungen
Drei Nächte verbrachten wir in den Trekkinghütten. Diese bieten Schlafplätze für 10 bis 12 Personen, wobei man im Notfall auch in den Aufenthaltsräumen hätte schlafen können. Ansonsten verfügen alle Hütten über einen Regenwasserbehälter (kein Trinkwasser), einen Kamin zum Feuermachen (dann wird es in den Hütten auch kuschlig warm) und einen Verschlag mit einer Komposttoilette sowie Holz für den Kamin. Die zweite Nacht verbrachten wir auf dem Campingplatz in Ostrov (einzige Nacht in Tschechien). Auch hier kann man in Bungalows (für je 4 Personen) übernachten, die man am besten im Vorfeld der Tour reserviert. Da wir bloß 6 (anstatt der vorgesehenen 7) Tage für die Tour Zeit hatten, war unser letzter Übernachtungsort nicht der Campingplatz in Leupoldshain, sondern das „4Lionshostel“ in Königstein. Eine Übernachtung in den Trekkinghütten kostet 10 €/Person. Man bezahlt in den Hütten über die „Ticketbox des Vertrauens“ in Form von Trekkingticktes, die man sich im Vorfeld der Tour besorgen muss. Verkaufsstellen findet man auf der offiziellen Seite des Forststeigs. Der Campingplatz in Ostrov akzeptiert auch die Trekkingtickets, jedoch kommt man günstiger, wenn man einfach vor Ort und in Kronen bezahlt. Die Nacht im Hostel kostete uns im 7er-Zimmer pro Nase 15 €.

Verpflegung und Wasserversorgung

Für die Verpflegung muss man auf dieser Tour komplett selbst sorgen. Die erste richtige Einkaufsmöglichkeit gibt es erst in Königstein wieder, wenn man den Weg nicht unnötigerweise verlassen möchte. Wer also ein warmes Essen genießen möchte, sollte an Gaskocher und Geschirr denken.
Da die Hütten nur über einen Regenwasserbehälter verfügen, muss man auch genügend Trinkwasser mitnehmen. Auf der Strecke gibt es einige Quellen, an denen man das Wasser auffüllen kann. In der Onlinekarte de.mapy.cz sind diese auch (mehr oder weniger genau) eingezeichnet, sodass man diese über das GPS des Handys theoretisch finden kann. Die erste Quelle, die wir benutzt haben, befindet sich direkt an der Route kurz vor der Grenzbaude. Den zweiten Tag haben wir so gut ausgereicht und konnten unsere Vorräte am Campingplatz in Ostrov wieder auffüllen. Am Dritten Tag gingen wir am Abend noch auf die Suche nach einer Quelle, die laut GPS mitten im Wald hätte liegen müssen. Gefunden haben wir sie zwar nicht, dafür aber einen Bach mit kristallklarem Wasser. Wer am dritten Tag mit dem Wasser noch ausreicht, kann auch bis zum nächsten Morgen warten, denn dann kommt man nach dem Abstieg in das kleine Örtchen Schweizermühle an einer Quelle direkt an der Route vorbei. Dort sollte man die Vorräte so weit auffüllen, dass man den restlichen 4. Tag und den 5. Tag bis nach Königstein übersteht.

  • „Nationalparkregion Sächsisch-Böhmische Schweiz“, 1 : 33.000. Hrsg. von Sächsische Kartographie GmbH Dresden, 12. Auflage (2018)
    … da man auch immer eine Karte in Papierform dabeihaben sollte 😉 Gebraucht haben wir sie aber nur 2 mal.
  • http://www.forststeig.sachsen.de/
    Hier findet man im Prinzip fast alles, was man über den Forststeig im Voraus wissen muss.
  • https://www.outdooractive.com/de/wanderung/saechsische-schweiz/forststeig-elbsandstein/110171247/
    Die Outdooractive-Route ist nicht zu 100 % die, die als Forststeig ausgeschildert ist.
  • https://de.mapy.cz
    Allerlei nützliche Hinweise auf Quellen, Aussichten oder Rastmöglichkeiten. Mit der zugehörigen App kann man die Karten auch herunterladen und offline nutzen (Regionen: Ústí nad Labem und Sachsen)
  • Ich nutze die Z-Lite von Therm-a-Rest als leichte und unglaublich praktische Isomatte. Der Kompromiss aus Gewicht und Schlafkomfort ist hier meiner Meinung nach hervorragend.
  • Wassertransport: Das Source Wide Pac hat die perfekte Gewichtsverteilung und ausreichend Kapazität für Wasser für 1-2 Tage.
  • Den Asymmetric 42 + 8 von Vaude habe ich mir im Sommer für eine 1-wöchige Hüttentour in den Alpen gekauft und auch auf der Tour durch das Elbsandstein war dieser Rucksack der perfekte Begleiter. Besonders hervorzuheben ist die Möglichkeit, ihn über die Front zu packen, was einfach unglaublich praktisch ist.

Kommentar schreiben

Lesen: Trekkingtour auf dem Forststeig im Elbsandsteingebirge

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weiterschmökern

Auf zwei Rädern, per pedes oder kletternd - Kurztrips ins Bielatal

Simone 18. Mai 2018

Trekkingtour zu den landschaftlichen Perlen von Schottland

Benjamin 13. Dezember 2017

Mallorca: Auf dem "Trockensteinmauerweg" GR 221 durch die Serra de Tramuntana

Bettina  5. Dezember 2018

Trampen und Wandern auf dem Balkan

Clemens  5. Oktober 2018

Trekking im Aït-Bougoumez-Tal in Marokko

Kathrin 22. November 2018