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Reisebericht: Trekkingtour auf dem „Weg der Helden“ in der Slowakei

Reisebericht: Trekkingtour auf dem „Weg der Helden“ in der Slowakei

Meine Freundin und ich sind vergangenen Sommer zu Fuß sechs Tage durch die Slowakei gewandert. Wir sind von Bratislava Richtung Osten gestartet und haben ein kurzes Stück mit dem Bus überbrückt, da hier landschaftlich wenig Spannendes zu erwarten war und es zudem relativ stark bevölkert war. Den tiefen Osten der Slowakei haben wir aus Zeitgründen aussparen müssen – leider! Hier soll es besonders wild und naturnah zugehen (inklusive Bären).

Unsere Wahl fiel auf dieses Land, da wir bis jetzt wenig in Osteuropa unterwegs waren und wir einen gut ausgeschilderten Wanderweg in einem Land suchten, das kein direktes Nachbarland ist. Letzten Endes entdeckten wir das gelbe Outdoor-Handbuch „Slowakei: Weg der Helden“. Die Beschreibung klang spannend und das Land wild und naturbelassen. Besonders reizvoll war zudem die Tatsache, dass bis jetzt wenig Reiseberichte über diesen Weg zu finden waren. Der Weg wurde 1984 in Gedenken an den Slowakischen Nationalaufstand eröffnet. Vierzig Jahre zuvor, 1944, hatten sich sich Teile der slowakischen Armee gegen die mit den Deutschen kollaborierende Regierung erhoben. Dieser Aufstand wurde durch die deutsche Armee blutig niedergeschlagen.

Der Wanderweg zieht sich von der West- bis zur Ostgrenze quer durch die Slowakei und verläuft hauptsächlich durch Mittelgebirge, die Teile der Karpaten sind. Kurzzeitig schwenkt der Weg auch mal nach Tschechien, durchquert immer wieder größere Städte und kleinere Dörfer und ist Teil des E8.

Schon beim Wandern und auch im Nachhinein waren wir begeistert von der Slowakei. Sowohl von Bratislava als aufstrebender Großstadt mit vielen jungen Menschen, die in ihrem Land etwas bewegen möchten und an den politischen Zuständen (mit großen Korruptionsproblemen) etwas ändern möchten, als auch vom Land selbst. Wir haben mehrere sehr, sehr nette Begegnungen gehabt mit Einheimischen. Beispiel: Nach einer Nachfrage nach Wasser in einer kleinen Siedlung verließen wir das Haus eines Slowaken mit einem leichten Wodka-Rausch und mehreren Zwiebeln in der Hand. Das Land ist sehr europäisch, die Menschen naturverbunden. Das Essen war wie erwartet deftig, jedoch außerhalb der Touristenzentren immer hervorragend. Vegetarier könnten es auf dem Land etwas schwer haben. Preislich ist das Land etwas günstiger als Deutschland, unschlagbar günstig ist das stets köstliche Bier! Der Kaffee war häufig auch überraschend gut. Wir waren also durchweg begeistert!

Phänomenal war der Großteil der Wege: Durch die geringere Forstwirtschaft waren es oft schmale Pfade durch einsame Wälder. Kein Vergleich zu Deutschland! Generell war die Wegführung ganz wunderbar, führte uns an Ruinen von einst mächtigen Grenzfestungen vorbei und leitete uns immer wieder über Gipfel mit tollen Ausblicken. Die Wege sind im Durchschnitt sehr gut begehbar, sodass man gut Strecke machen kann. Jedoch sind sie immer wieder von steilen oder auch schwierig zu gehenden, steinigen Passagen durchsetzt. Generell muss man sich darauf einstellen, dass man sich viel im Wald bewegt. Wir haben eine gemütliche Tour draus gemacht und sind 20-23 km am Tag gelaufen, wobei wir vielleicht immer so 600-800 Höhenmeter bewältigt haben. Falls jemand auch nach dem Buch laufen möchte, würde ich auf jeden Fall empfehlen, bei Etappe 3 einzusteigen. Der Ballungsbereich um Bratislava, die mit Abstand größte Stadt der Slowakei, kann gern umgangen werden. Gerade am ersten Tag ab Bratislava ging es viel über Fahrradwege (kurzzeitig auch gepflastert), zudem war relativ viel los und Übernachtungsplätze waren rar gesät. Uns gefielen die einsamen Etappen ohne größere Städte besser. Da wir uns nicht an die empfohlenen Etappen des Buches gehalten haben und generell nicht so viele Kilometer am Tag gelaufen sind, haben wir ein paar Mal an Picknick- oder Feuerstellen gezeltet – wovon es in der Slowakei außerordentlich viele gibt.
Wir hatten auf dieser Reise das erste Mal ein Tarp dabei, was sich wirklich bewährt hat – dank des guten Bodens und vieler guter Stellen zum Biwakieren. Jedoch sollte der Aufbau hier vorher geübt werden, denn teilweise war es sehr böig auf den wirklich schönen Plätzen. Wenn man mehr Strecke macht, findet man regelmäßig Biwakhütten oder in Orten Übernachtungsmöglichkeiten. Zeltplätze waren auf unserer Tour nicht zu finden.

Beste Reisezeit
Im Reiseführer wird Juni bis September als optimale Reisezeit angegeben. Der Weg ist mit adäquater Ausrüstung prinzipiell zu jeder Jahreszeit zu laufen. Wir sind Mitte September gestartet und die Nächte wurden schon relativ kalt. Dünne Daunenjacken und unsere warmen Schlafsäcke haben wir defintiv gebraucht. Ansonsten hatten wir tagsüber häufig nahezu perfektes Wanderwetter mit 15-20 Grad.

Anreise
Reizvoll an der Slowakei war die unkomplizierte Anreise von Leipzig aus: mit dem Zug über Prag direkt nach Bratislava. Das alles dauert pro Fahrt acht Stunden, wir zahlten jeder pro Ticket 40 Euro.

Verkehrsmittel in der Slowakei
Generell sind die öffentlichen Verkehrsmittel in der Slowakei ausgezeichnet. Die Züge sind vielleicht nicht die neuesten, aber sie fahren häufig. Busse fahren in jedes noch so kleine Dorf, sodass selbst unsere Abreise von einem sehr abgelegenen Ort problemlos verlief und wir abends wieder in Deutschland waren.

Sprache
Die jungen Slowaken sprechen häufig relativ gutes Englisch. Mit älteren Menschen auf dem Land fand die Kommunikation nicht selten mit Händen und Füßen statt. Die Gastfreundschaft und die offene Einstellung der Slowaken machten diese Kommunikationsprobleme jedoch zu keinem Zeitpunkt unangenehm! In größeren Städten wie Bratislava oder Trenčín kommt man ohne Probleme mit Englisch durch – selbst, wenn wenig deutsche/westeuropäische Touristen unterwegs sind.

Geld
Es gibt hier den Euro! Ein wirklich angenehmer Luxus, wie uns bei Zwischenstopps und kleineren Aufenthalten in Tschechien mal wieder bewusst wurde …

Übernachtung

Wir haben häufig an Picknickplätzen wildgezeltet. Hierbei muss gesagt werden, dass das in der Slowakei nicht erlaubt ist. Es wird jedoch generell problemlos akzeptiert – sofern man sich an die üblichen Gepflogenheiten hält und sein Zelt nicht gerade in einem Landschaftsschutzgebiet oder einem Nationalpark aufstellt (wobei es in diesen wohl ausgewiesene Biwakplätze gibt).

Was ich auf der Tour nicht hätte missen wollen, war unser Wasserfilter. Es gibt viel fließendes Wasser und kleinere Gewässer, jedoch nicht jeden Tag einen Supermarkt auf der Etappe (je nach Strecke, zur Orientierung: Wir sind ca. 20 km pro Tag gelaufen). Da hat sich unser kleiner CarePlus-Wasserfilter sehr bewährt.

Da die Nächte sehr kalt werden können und es im Verlauf des Weges (wenn man ihn denn weiterläuft) auch in die Tatra geht, habe ich meine leichte Daunenjacke mehr als einmal angehabt.

Etwas festere Trekkingschuhe sind auf diesem Weg aus meiner Sicht zu empfehlen – trotz des häufigen Charakters einer Fernwanderung. Es geht häufig über Gipfel, teilweise leicht ausgesetzte Stellen und steile, steinige Wegstücke. Im Durchschnitt kein Problem, bei Nässe mit einem schweren Rucksack unter Umständen jedoch durchaus nicht ungefährlich. Aber die gute alte Schuhdiskussion möchte ich hier nicht aufmachen 😉

Generell haben wir quasi keine Erfahrungsberichte oder deutschsprachige Internetseiten zum Weg der Helden gefunden. Eine große Hilfe war auf jeden Fall https://mapy.hiking.sk/ Da ich zu geizig war, mir mehrere Karten für den Weg zu kaufen, habe ich mir auf der ausgezeichneten Seite einen Überblick verschafft und mir für die jeweiligen Etappen immer wieder Kartenausschnitte ausgedruckt. Das hat sehr gut funktioniert!

Unverzichtbar war die Seite cp.sk, auf der man sich über die öffentlichen Verkehrsmittel vorweg (und auch unterwegs) informieren konnte.

Das gelbe Outdoor-Handbuch „Slowakei: Weg der Helden (E8)“ war sehr informativ und sehr gut geschrieben. Es ist im Conrad-Stein-Verlag 2016 erschienen. Autoren sind Jörn Kaufhold und Petra Kaufholdová.

Die Ausschilderung war auf unserem Wegstück ausgezeichnet! Auf ein GPS-Gerät habe ich dieses Mal verzichtet und es keine Sekunde vermisst. Laut Informationen sind die Markierungen aufgrund von Sturmschäden und dem allgegenwärtigen Borkenkäfer jedoch nicht überall so gut. Ein Backup in Form von Karten sollte also vorhanden sein!

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