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Thüringer Wald: Mit dem Gravelbike auf dem Rennsteig

Thüringer Wald: Mit dem Gravelbike auf dem Rennsteig

Mai – der Monat mit überdurchschnittlich vielen langen Wochenenden. Da liegt es natürlich auf der Hand, diese Zeit in der Natur zu verbringen und so kam die Idee auf, den Rennsteig im Thüringer Wald mit den Gravelbikes zu fahren. Von Leipzig sind die beiden Start- bzw. Zielorte Blankenstein und Hörschel gut mit dem Zug erreichbar, aber weil uns 200 Kilometer Rennsteig noch nicht genug sind, starten wir unsere Tour in meiner Heimatstadt Zwickau. Nun denn: Sachen packen, Taschen ans Rad und los geht’s.

Tag 1: Anreise nach Blankenstein

Donnerstag kurz nach 8:00 Uhr am langen Himmelfahrtswochenende. Manuel und ich treffen uns am Leipziger Hauptbahnhof, um von dort mit dem Zug nach Zwickau zu fahren. Den Gedanken, mit dem Rad über das lange Wochenende eine Tour zu fahren, hatten nicht nur wir und so ist das Fahrradabteil entsprechend übervoll, aber die Schaffnerin sieht das recht gelassen. In Zwickau sammeln wir noch Silvio, unseren Dritten im Bunde, ein und nach einem kleinen Käffchen geht es dann endlich los. Das Wetter ist mit 20 °C und Sonnenschein wie gemacht zum Radfahren und so ziehen die Kilometer nur so dahin. Ab und zu halten wir an, genießen den grandiosen Blick über die Wiesen, Felder und Hügel des Vogtlands. Auf dieser ersten Etappe bekommen wir auch schon einen guten Vorgeschmack auf die Höhenmeter, welche uns auf dem Rennsteig erwarten werden. Auf jede Abfahrt folgt auch direkt eine (manchmal echt garstige) Steigung. Es geht also eher selten nur durch die Ebene, aber das war uns bewusst und die umgebende Landschaft macht jede schwere Kurbelumdrehung am Berg wieder wett. Rund fünfzehn Kilometer vor der bayerischen Landesgrenze fahren wir durch den kleinen Ort Schwand. Dort begrüßen uns zwei freundliche ältere Herren mit Grill am Straßenrand. Da wir bereits einige Kilometer und auch Höhenmeter in den Beinen haben, entschließen wir uns zu einer Pause und kommen dort in den Genuss von original vogtländischen Bambes. Für alle, die noch nie etwas davon gehört haben (inklusive mir): Bambes ist gebratene Kloßmasse und schmeckt so frisch zubereitet vorzüglich! Mit frisch aufgefüllten Wasserflaschen fahren wir weiter. Die Route führt uns durch Mödlareuth an der bayerisch-sächsischen Landesgrenze. Zu DDR-Zeiten verlief genau mitten durch diesen verschlafenen Ort die innerdeutsche Grenze. Heute kann man dort noch viel von der damaligen Grenzbefestigungsanlagen sehen. Gleichzeitig machen solche Mahnmale bewusst, wie schön es heute ist, sich frei und ohne Grenzen bewegen und reisen zu können.

Gegen 17:30 Uhr erreichen wir Blankenstein. Dort füllen wir im Wanderstützpunkt unsere hungrigen Bäuche mit feinstem Rostbrätel, hausgemachtem Kartoffelsalat sowie unglaublich leckerem Heidelbeer-Quarkkuchen. Mit vollen Wassertanks radeln wir noch fünf Kilometer weiter aus dem Ort heraus, natürlich den Berg hoch, bis zur ersten Schutzhütte des Rennsteigs. An der Schutzhütte „Wegespinne“ schlagen wir unser Nachtlager auf, genießen bei einem Feierabendbier die letzten Sonnenstrahlen des Tages und verkriechen uns anschließend mit genügend Bettschwere in die Schlafsäcke.

Tag 2: Planung bis zum nächsten Kuchen

Der Tag beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück, damit wir auch genügend Körner für die kommenden Anstiege haben. Noch schnell alle Sachen in den Packtaschen verstauen und ab geht’s auf die Strecke! Die Wanderroute des Rennsteigs ist mit einem großen, weißen „R“ gekennzeichnet, die dazugehörige Fahrradroute mit einem grünen „R“ und einem symbolisierten Radfahrer. Die Route verläuft anfangs eher langweilig an der Straße entlang, bis es nach rund zehn Kilometern endlich auf Schotterwegen durch die Wälder geht.

Wir passieren den alten Schieferbruch in Lehesten, wo auch noch einige Relikte aus der Zeit des Bergbaus zu sehen sind und erreichen nach etwa 50 Kilometern Neuhaus am Rennweg. Dort angekommen suchen wir uns einen Bäcker und genießen bei Bordsteinkantenromantik Kaffee und Kuchen.Wir fahren weiter, müssen aber immer wieder wegen der atemberaubenden Aussichten anhalten, die uns der Rennsteig eröffnet. Eine traumhafte Gegend. In Neustadt am Rennsteig stoppen wir fünf Minuten vor Ladenschluss an einer Tankstelle für ein Feierabendbier und mit nun prall gefüllten Trikottaschen (weil es natürlich auch noch die eine oder andere Süßigkeit geworden ist) beenden wir den Tag ein paar Kilometer hinter Neustadt wieder an einer der vielen Schutzhütten. Wir lassen den Tag gemütlich bei Tütenmahlzeit, Bierchen und Schokolade ausklingen, bevor wir wieder in einen tiefen frische-Luft-Schlaf fallen.

Tag 3: Durch den Wald bummeln

Der dritte Tag unseres Microadventures beginnt mit tiefen Wolken, kalter Luft und feuchten Wegen. In der Nacht hat es geregnet und auch die Wettervorhersage für den anstehenden Tag sieht nicht besonders gut aus. Trotz des Wetters sind alle in guter Stimmung, obwohl immer mal wieder ein paar Tropfen vom Himmel fallen. Die Route führt uns am Bahnhof Rennsteig vorbei, wo neben Mitropa-Wagen und Löwenzahn zwischen den Gehwegplatten die Zeit regelrecht stehengeblieben ist. Ein Stück weiter passieren wir den „Mordfleck“, eine große Wiese kurz vor dem höchsten Punkt des Rennsteigs. Das Wetter passt perfekt zur Umgebung – tiefe Wolken, die diesen Platz in Nebel hüllen, erzeugen eine leicht beklemmende, aber sehr reizvolle Stimmung. Das Wetter wird nun zunehmend schlechter und als wir Oberhof erreichen, regnet es in Strömen. Optimale Voraussetzungen also, um sich in Katis Café durch die Speißekarte zu arbeiten und die nasse Kleidung ein wenig zu trocknen. Zwei Stück Kuchen, einen Hawaii-Toast und einen Milchkaffee später meint es der Wettergott gut mit uns und so fahren wir weiter durch neblige Wälder, über nasse Wiesen und matschige Wege. Unsere Tour führt uns unterhalb des Großen Inselsberg vorbei und nachdem wir ein wenig suchen müssen, finden wir auf dem Dreiherrenstein eine geräumige Schutzhütte für das Nachtlager. Kleiner Tipp für alle, die von dort noch eine SMS an ihre Liebsten absetzen wollen: Macht es besser vorher, dort oben hat man mit Glück für fünf Sekunden einen Balken Empfang, danach ist wieder Schluss.

Tag 4: Ausrollen (meistens zumindest)

6:09 Uhr. Das ist sonst gar nicht meine Zeit zum Aufwachen, aber durch den Wetterumschwung und den Wind war die Nacht kalt. Richtig kalt. Zu kalt für meinen Schlafsack … Ich schaue auf meinen Wahoo und er verrät mir eine Temperatur von 5 °C. Heute wird es also ein eher frisches Frühstück, bevor es auf die letzte Etappe nach Hörschel ans Ende des Rennsteigs geht. Mit jedem Meter, den wir weiter ins Tal kommen, wird es schöner und wärmer. Aber es geht nicht permanent nur nach unten, tatsächlich erwarten und auch auf diesen letzten Metern immer wieder kleine, giftige Anstiege. Die Landschaft um uns herum wandelt sich. Wo sich der Weg vorher durch dichte Kiefern- und Fichtenwälder zog, fahren wir jetzt inmitten saftig-grüner Buchen und weiter Felder. In Hörschel angekommen, knipsen wir das obligatorische Bild vor dem Wanderschild an der Werra und steigen anschließend in den Zug nach Eisenach und weiter zurück nach Leipzig.

 

Am Ende dieser dreieinhalb Tage stehen 270 Kilometer sowie 4400 Höhenmeter zu Buche. Anstrengend, aber super schön war’s! Bei durchweg gutem Wetter kann man das Ganze bestimmt auch noch etwas schneller fahren, aber so hat man mehr Zeit die Natur und alles drumherum zu genießen.

Und die Moral von der Geschicht? Ein Stück Kuchen pro Pause ist einfach nicht ausreichend, Anstiege in den Mittelgebirgen sind teilweise garstiger als in den Alpen und ein langes Wochenende kann wie eine ganze Woche Urlaub sein. Den Rennsteig mit dem Fahrrad zu erleben, ist zwar anstrengend, aber wirklich schön und macht direkt Lust auf mehr.

Beste Reisezeit

Frühjahr bis Herbst, weil dann angenehme „Draußenschlaf-Temperaturen“ herrschen.

An- und Abreise

Nach Blankenstein und Hörschel fahren täglich mehrere Regionalbahnen. Auch die Fahrradmitnahme ist kein Problem. Selbes Spiel auf dem Rückweg: Von Hörschel geht es nach Eisenach und von dort direkt bis Leipzig mit dem Regionalexpress.

Tourverlauf

Der Radroute Rennsteig verläuft zu ca. 90 % auf dem normalen Rennsteig-Wanderweg, also auf Waldwegen und Forststraßen. Das ist für die Gravelbikes natürlich wie gemacht, aber es empfiehlt sich trotzdem, Reifen mit mehr als 40 mm Breite zu fahren.

Radtaschen

Sämtliches Gepäck wurde in den Bikepacking-Taschen transportiert. In meiner Lenkerrolle befand sich das Schlafzimmer (also Isomatte und Schlafsack), in die Rahmentasche kamen sämtliche Kleinteile wie Riegel, Werkzeug, Kocher und eine kleine Kartusche. In der Satteltasche wurde die Klamotte für den Abend verstaut. An meiner Lenkerrolle hatte ich noch eine kleinere Zusatztasche befestigt, in der die ganze Elektronik zu finden war.

Schlafplätze

Die Dichte an Schutzhütten im Wald ist extrem hoch, sodass kein Bedarf besteht, ein Zelt mitzuschleppen. So haben wir uns am Ende des Tages einfach eine Hütte direkt am Streckenverlauf gesucht und dort geschlafen. Wem das Schlafen neben Hase und Igel nicht ganz so gefällt, der kann natürlich auch immer in Pensionen und Gasthöfen entlang der Strecke übernachten. Weiterhin gibt es in größeren Abständen auf dem Rennsteig die Wanderstützpunkte, in denen man auch mal duschen kann.

Verpflegung

Zwar fährt man immer wieder durch Ortschaften, allerdings sind Einkaufsmöglichkeiten doch eher rar gesät auf dem Rennsteig. In den kleinen Städten wie Neuhaus, Neustadt und Oberhof gibt es aber mindestens eine Tankstelle oder einen Supermarkt. Wichtiger als Essen ist allerdings, die Wasservorräte bei jeder Möglichkeit aufzufüllen. Im Wald ist das manchmal etwas schwierig

Geld

Mit Geldautomaten verhält ist es sich ähnlich wie mit den Verpflegungsstationen. In den „größeren“ Ortschaften existieren Geldautomaten. Aber meine Empfehlung ist, gleich etwas mehr einzupacken, um dann nicht in Schwierigkeiten zu kommen, falls man irgendwo nicht mit Karte zahlen kann (ist mir nämlich schon passiert: kein Geld dabei, aber Kartenzahlung auch nicht möglich …).

Im Wald der Mittelgebirge kann es abends echt kalt werden, daher die Empfehlung meinerseits: Daunenjacke und dicke Socken nicht vergessen! 🙂

  • Die Streckenplanung habe ich über das Planungstool komoot gemacht. Das funktioniert hervorragend, weil auch Tipps und Empfehlungen von anderen Menschen dort zu lesen sind und man so einen guten Eindruck von der Umgebung bekommt.
  • Ansonsten findet man viele Infos auf der Website des Tourismusverband Thüringer Wald und auch auf vielen anderen Seiten im Internet. Falls jemand Interesse an meinem genauen Streckenverlauf hat: Ich lasse euch meine Tour gern zukommen.

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