Dein Abenteuer beginnt hier!

Teaserbild: Mountainbike-Tour über den Erzgebirgskamm

Mountainbike-Tour über den Erzgebirgskamm

Wenn der Frühling mit zahlreichen Feiertagen aufwartet, lässt sich relativ einfach ein Kurzurlaub aus dem Hut zaubern. Um möglichst viel Erholungszeit zu haben, lohnt es sich dann, ein schnell erreichbares Ziel in Wohnortnähe anzusteuern. Eine Anreise mit Zug oder Bus ist außerdem umweltfreundlich! So stand für uns schnell fest: Es soll mit den Mountainbikes ins Erzgebirge gehen! Ohne Ende Frischluft einsaugen, Beinmuskulatur stählen, Kopf durchlüften, lecker-deftig essen, einfach mal den Alltag zu Hause lassen – dieses Gefühl stellt sich beim Radfahren schon nach kürzester Zeit ein, auch wenn man quasi nur mal „um die Ecke“ fährt.

Wir kannten die Gegend bisher im winterlichen Gewand von zurückliegenden Schneeschuh- und Langlaufskitouren und waren neugierig darauf, wie sie im frischen Frühlingsgrün aussehen würde. Geplant waren viereinhalb Tage, um die Strecke von Johanngeorgenstadt nach Altenberg zurückzulegen. Orte auf dem Weg waren Potučky, Boži Dar, Měděnec, Schmalzgrube, Satzung, Kühnheide, Olbernhau, Kurort Seiffen, Deutschgeorgental und Rehefeld.

Schlussendlich waren wir einen Tag früher fertig mit unserer Moutainbike-Tour über den Erzgebirgskamm im deutsch-tschechischen Grenzgebiet und konnten nach den aktiv-erholsamen Tagen auf dem Fahrrad den Kurzurlaub daheim gemütlich ausklingen lassen.

Bikepacking

Moutainbiking heißt für uns: Bikepacking. Wir haben gern unseren gesamten „Hausrat“, also Bekleidung, mobile Schlafstätte samt Schlafsack und Isomatte, Hygieneartikel und sonstiges Equipment dabei, um unabhängig von der Infrastruktur zu sein – alles verpackt in geländetauglichen Packtaschen am Lenker, Rahmen und an der Sattelstütze. Der Vorteil gegenüber Tourentaschen für Radreisen ist, dass man mit Bikepacking-Taschen wirklich ins Gelände kann, da sie stabiler und schwerpunktoptimierter am Rad sitzen. So lässt es sich eben auch über Stock und Stein fahren – mit lässigen 3-Zoll-Reifen ein echter Genuss! Ein eventueller Nachteil oder zumindest wichtiger Planungsaspekt besteht darin, dass man weniger Packvolumen zur Verfügung hat. Bikepacking heißt also: Minimalismus! Leichter Schlafsack, klein verpackbare Isomatte, nur die nötigste Bekleidung, alles in Kompressionssäcken möglichst platzsparend untergebracht. Da man auf dieser Route relativ schnell in kleine oder größere Orte gelangt, entschlossen wir uns, auf beschwerliche Kulinaria zu verzichten und stattdessen am späten Nachmittag oder frühen Abend in Gaststätten einzukehren. Eine Notration Nudeln, Kaffee, Tee, Müsli und Milchpulver sowie Snacks für den Tag und gemütliche Abende hatten wir natürlich dabei, denn mit einem glücklichen Bauch fährt sich’s besser! Zum Übernachten haben wir aufgrund der erfreulichen Wetterprognose diesmal das Tarp gewählt, dazu zwei Aufstellstangen, auf die man aber auch verzichten kann, wenn man stattdessen Äste zum Aufstellen zu finden erwartet. Auf dem Weg liegen auch zahlreiche Schutzhütten, teils sehr neu, manchmal sogar mit Türen, in denen sich Notübernachtungen arrangieren lassen. Logisch: Leave no traces! Wer fast komplett auf Radgepäck verzichten möchte, kann abends auch die Ortschaften am Weg ansteuern. Hier lohnt sich allerdings ein bisschen Vorabplanung: Als wir uns eines Abends in Olbernhau mit pizzaschweren Bäuchen nur schwer vorstellen konnten, noch mal auf die Räder zu steigen, um einen abgeschiedenen Übernachtungsplatz zu finden, schauten wir online nach Pensionen – und wurden enttäuscht, da alles in unserem gewünschten Preisrahmen ausgebucht war!

 

Bergauf, bergab, bergauf, bergab …

Der Name „ErzGEBIRGE“ sagt es ja schon und eine Kollegin hat uns vor Reiseantritt auch noch mal extra darauf hingewiesen: Es geht ständig bergauf und bergab. Das muss man eben in Kauf nehmen, aber die Muskeln werden beim Radfahren glücklicherweise fast nebenbei trainiert. Trieben mir die Anstiege an den ersten Tagen noch Schweißperlen und Zornesfalten auf die Stirn, konnte ich am letzten Tag den Anstieg von Rehefeld nach Altenberg über den Kahleberg … naja, nicht direkt genießen, aber … mit deutlich mehr Entspannung meistern. Vor einer schönen Abfahrt lohnt es sich jedoch, sich zu versichern, dass man WIRKLICH auf dem richtigen Weg ist, sonst stellt man unter Umständen im Tal fest, dass man komplett woanders ist als geplant und ewig lange die gleiche Strecke wieder hochfahren muss. Nicht, dass uns das passiert wäre … 😉

 

… durch das Gelände

Auf unserer Karte war eine Radroute direkt verzeichnet, außerdem der Vermerk: „Einzelne Streckenabschnitte können eventuell nur mit geländegängigen Fahrrädern (MTB) zurückgelegt werden.“ Trotz einiger Asphaltkilometer unterschreibe ich diese Aussage, denn wenngleich ein gut ausgebauter Forstweg auch noch mit einem Trekkingrad befahren werden kann, wird es bei einigen geländigeren Abschnitten schon schwieriger bis unmöglich. Uns haben unsere Semi-Fat-Fahrräder die Möglichkeit gegeben, eine individuelle Route zu wählen, die ein bisschen mehr Abenteuer verhieß. (Hinweis auf unserer Karte: „[D]as Radfahren [ist] auf allen ausgewiesenen Wanderwegen erlaubt, sofern diese nicht ausdrücklich dafür gesperrt sind.“ Das betrifft vor allem die Skiwanderwege und wir haben uns daran gehalten.) Wer kein Mountainbike hat, findet im Erzgebirge zahlreiche Wegalternativen und Straßen, um ruppiges Gelände zu vermeiden. Die Ausschlilderungen waren zuverlässig. Vor allem der Kammweg, der jedoch in unserer (etwas älteren) Karte noch nicht eingezeichnet war, lässt sich stets gut finden.

Auf der Tour begegneten wir nicht übermäßig vielen Menschen – von den Städt(ch)en und deren näherer Umgebung mal abgesehen. Ein paar Wanderer/ Wanderinnen und Biker*innen waren unterwegs, aber wer entspannten Naturgenuss ohne kompletten Verzicht auf Infrastruktur erleben möchte, ist im Erzgebirge sehr gut aufgehoben. Weiterer Vorteil beim Reisen im Grenzgebiet: Wir mussten kein Geld tauschen, konnten auch in tschechischen Gaststätten und Läden mit Euro zahlen.

 

Erholt nach der kurzen Tour

Auch wenn die Tour quasi direkt vor der Haustür stattfand und nur wenige Tage dauerte: Ich war erholt. Kein Fernseher, kein Computer, nur der Lieblingsmensch als Gesellschaft, schlafen, essen, radfahren, all das bei bestem Wetter – mehr braucht es nicht, um Glückseligkeit zu tanken! Kleine Trips zwischendurch empfinde ich als sehr wertvoll und kraftspendend. Daher auch mein Tipp: Nutzt die freien Tage, sucht euch ein Ziel in der Nähe und fahrt oder lauft einfach los!

 

Beste Reisezeit:
Frühjahr bis Herbst für Radtouren. Wir hatten Ende April/ Anfang Mai Glück mit Temperaturen zwischen 15 und 20 °C tagsüber und nachts auch kaum unter 10 °C sowie der völligen Abwesenheit von Niederschlag.

Anreise
Mit dem Zug: Sachsenticket für 2 Personen + 2 Fahrradkarten. Viele größere Orte im Erzgebirge haben Bahnhöfe, sodass sich Touren individuell planen lassen.

Sprache
Auch in Tschechien konnten wir uns mit Deutsch verständigen. Zumindest Begrüßung und Verabschiedung sowie Bitte und Danke kann ich auf Tschechisch und finde, dass dieses Minimum an Sprachkenntnis drin sein sollte.

Geld
Im Grenzgebiet ist Zahlung mit Euro in Gaststätten und Geschäften nach unserer Erfahrung kein Problem.

 

  • fahrradtaugliche Kleidung: gern aus Merinowolle, dann genügt ein Kleidungsstück für 4 Tage! Ich trage weiterhin eine gepolsterte Radhose, eine winddichte Weste, ein winddichtes Stirnband und/oder Buff, Fahrradhandschuhe und Schuhe mit einer festen Sohle. Für die Abende habe ich außerdem einen zusätzlichen Merinopullover sowie eine leichte Isolationsjacke dabei.
  • Regenbekleidung: Jacke, Hose und Überzieher (Bike Gaiter) für die Schuhe
  • obligatorisch: Fahrradhelm
  • Anti-Insekten-Spray! Ist bei Übernachtungen unter freiem Himmel unbedingt empfehlenswert (Zecken!, später im Jahr auch Mücken)
  • Sonnenschutz und Sonnenbrille

 

  • „Kammtour Erzgebirge-Vogtland“, 1:35000, Verlag Dr. Andreas Barthel (2. Auflage). Inzwischen in der 3. Auflage (2018) mit dem Titel „Kammweg Erzgebirge-Vogtland“ im gleichen Verlag und Maßstab erhältlich

Kommentar schreiben

Lesen: Mountainbike-Tour über den Erzgebirgskamm

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weiterschmökern

Deutschland: Mit Kind und Lastenrad in der Lausitz

Teena 30. Mai 2018

Auf zwei Rädern, per pedes oder kletternd - Kurztrips ins Bielatal

Simone 18. Mai 2018

Veilchen, Mittelalter und Macarons – Ein Kurztrip nach Toulouse

Peggy 12. September 2018

Wasserwandern mit Familie auf der Unstrut

Clemens 14. Dezember 2018

Auf dem Alpe-Adria-Radweg von Salzburg nach Grado

Anne  2. August 2019