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Unkaputtbar: Der Fjällräven Kajka 75 im Test

Fjällräven steht für den kleinen Kanken-Rucksack, das G 1000®-Material, die robusten Hosen und Jacken. Heute geht es aber um einen ziemlich großen Polarfuchs: den Fjällräven Kajka 75l Tourenrucksack. Und auch wenn es sich dabei um einen altbewährten Klassiker handelt, so stellt sich nach wie vor die Frage, ob der Kajka hält, was er verspricht.

Die erste Reise des Kajka mit mir ging in die schottischen Highlands, in denen er bei Dauerregen, Sturm, Wind und über 20kg Gewicht Erfahrungen sammelte. Umherstreifen, so lautet die sinngemäße Übersetzung für seinen Namen Kajka. Eine treffende Beschreibung nicht nur für den Rucksack, sondern auch für die Teststrecke, die mit täglichen zwischen 20 und 36 km auch einige Abstecher abseits der Route beinhaltete.

Als ich den Rucksack gekauft habe, konnte ich zunächst nur ein paar wenige Dinge darüber sagen: Er verfügt über etliche Halterungen, eine mitgelieferte Regenhülle und einen Birkenholzrahmen, was ökologisch gut ist, da es Fjällräven geschafft hat, durch die Verwendung des FSC zertifizierten Birkenholzes die CO2-Emissionen der Kajka-Produktion um 10% zu senken. Ich ließ mich aber nicht beirren und von dem alten Grundsatz leiten: „Wenn dir ein Rucksack auf Anhieb super passt, dann ist das dein Rucksack!“. Und so verließ ich guter Dinge mit dem Fjällräven Kajka den tapir und lief direkt in den ersten Regenschauer hinein. Das Vinylon-F-Außenmaterial war davon wenig beeindruckt und hielt die Feuchtigkeit ohne Probleme draußen. Meine große Sympathie für den Kajka begann bereits in diesen 10 Minuten auf dem Weg nach Haus

Vor jeder Reise steht das Packen an, was beim Kajka dank des mit massiven, stabilen Reißverschlüssen ausgestatteten Frontzugangs einfach und unkompliziert vonstatten geht. Die großzügige Öffnung ermöglicht es tatsächlich, die ganze Front zu öffnen – was eine Seltenheit darstellt – und das Gewicht lässt sich somit optimal verstauen und verteilen. Die separate Trinkblasenaufnahme reicht auch für große 3 Liter-Trinksysteme. Meine Regenkleidung, einige Karten und das obligatorische Schachspiel verschwinden in den Balgtaschen an den beiden Seiten links und rechts vom Rucksack, der Schlafsack liegt sicher im dafür vorgesehenen, abtrennbaren Fach und die Isomatte wird gerollt auf den Deckel unter Riemen gespannt. Wanderstöcke und Zehenschuhe für eventuelle Flussdurchquerungen werden außen befestigt. Das Deckelfach nimmt Kamera, Portemonnaie, Streichhölzer und weitere Kleinteile auf und würde noch Platz für weiteren Kleinkram bieten. An dieser Beschreibung merkt man bereits, wie alles seinen genauen Platz hat, was einem jegliches Suchen erspart. Das Hauptfach ist sogar etwas leer, so dass ich auf der Tour manchmal das Gefühl hatte, etwas vergessen zu haben. In Wahrheit ist jedoch einfach noch eine Menge Platz im Rucksack. Und hier offenbart sich schon ein schönes Detail, denn der geschlossene Kajka ist nicht etwa unförmig, sondern wird durch die eingesetzen Metallstäbe an den Frontzugangreißverschlüssen in Kombination mit den seitlichen Kompressionsriemen perfekt in Form gehalten. Das macht ihn auch mit weniger Gepäck einsetzbar.

Nun geht es fast drei Wochen mit dem Kajka von Glasgow und Fort William bis nach Inverness. 300 km Strecke über holprige schottische Militärstraßen, Waldwege und -böden, Berge hoch und runter. Und trotz des stolzen Eigengewichts von 3,3 kg fällt er dabei nie als Schwergewicht auf. Die Rückenpolsterung macht sich insbesondere auf unwegsamem Gelände bezahlt und bleibt nassgeregnet ebenfalls bequem. Der von Fjällräven seit 2013 wieder verbaute Birkenholzrahmen spielt in diesem Zusammenhang auch eine Rolle: Das Holz fühlt sich flexibler an als ein Alumuniumgestell und federt beim Laufen angenehm mit. Alles in allem eine sehr komfortable Angelegenheit, gutes Gewissen inklusive. Angenehmer wird es wohl nur, wenn man ganz ohne Rucksack läuft. Was mich zu einem weiteren überraschenden Feature führt: Der Rucksack steht lieber selbstständig, als im Matsch zu liegen.

Weiterhin ist mir besonders positiv aufgefallen, dass die Anpassung des Abstands zwischen den Schultergurten über das Perfect-Fit System eine sichtliche Entlastung für meine Schultern war. Mein bisheriger Rucksack hat mir da über längere Strecken gern mal vermittelt, dass er in dem Bereich nicht perfekt sitzt und hat unangenehm gerieben. Als nützlich haben sich auch die Aussparungen am Hüftgurt für die Bewegung der Gesäßmuskeln gezeigt. Ich hatte trotz des festen, stabilen Sitzes des Rucksacks nie das Gefühl, eingeengt zu sein.

Das am Birkenholzrahmen befestigte Tragesystem lässt sich leicht und sehr individuell einstellen, was es auch ermöglicht, den Rucksack an unterschiedlich groß gebaute Menschen anzupassen. Auch meine Körpergröße von 190cm stellte keinerlei Herausforderung dar. Dieser Tragekomfort im Zusammenspiel mit den Kompressionsriemen hat mir immer den Eindruck vermittelt, dass alles sicher und fest an seinem Platz verstaut ist, ohne den perfekten Sitzt am Rücken zu gefährden.

Der Kajka wäre nicht der Kajka, wenn ich nicht eine ausgiebige Erkundung des Rucksacks und seiner Funktionen dringend empfehlen müsste. Es gibt unzählige Befestigungsmöglichkeiten, die obendrein durch durchdachte Kompressionsriemen ergänzt werden, die leicht festzuziehen und stets gut wieder zu lösen sind. Die Hüftgurttaschen, seitlichen Netztaschen und Balgtaschen können erreicht werden, ohne dass man dafür den Rucksack abnehmen muss, wenngleich dafür etwas Handkoordinationsvermögen gefragt ist. Am Schultergurt hält ein Clipper den Trinkschlauch und der Brustgurt hat eine integrierte SOS-Pfeife. Das Bodenfach beherbergt eine großzügige Netztasche, um Kleidung zu trocknen. Und für mich das wichtigste Detail: das zweite Deckelfach. Während das obere mit einem getapeten Reißverschluss aufwartet, befindet sich der Clou im Inneren des zweiten Fachs: Hier ist die Befestigung für das Raincover eingebaut. Die Regenhülle lässt sich entspannt und simpel über den Rucksack ziehen, hat dadurch einen festen Platz und kann auch nicht im Wind davonflattern. Ein unglaublich nützliches Detail, sollte man sich (wie ich) besonders gern in windigen Gegenden herumtreiben. Der Verbleib der Schlaufe an der Halterung im zweiten Deckelfach beeinträchtigt die Regenschutzfunktion nicht maßgeblich. Vielmehr ergibt sich hier gleich eine weitere, inzwischen sehr geschätzte Detaillösung, denn der Deckel ist an vier Punkten befestigt, so dass er auch mit übergezogener Regenhülle den Zugang zum Hauptfach ermöglicht. Der Rucksackdeckel hält übrigens noch eine Funktion parat: Für eine kleine Tagestour lässt er sich beispielsweise schultern – hinter der Deckelfachinnentasche verbirgt sich ein weiterer Gurt. Eine Regenjacke, eine Kamera und eine 2 Liter-Wasserflasche, die sich unter den Riemen auf dem Deckel befestigen lässt, können so ohne Probleme transportiert werden. Ob man daraus lieber eine Hüft-, Umhänge- oder Brusttasche machen möchte, kann jeder für sich entscheiden – der Gurt ist lang genug.

Vermisst habe ich an dem Rucksack nur eine aufblasbares Bootfunktion, es ist also noch Luft nach oben 😉 . Aber vielleicht entdecke ich sie noch in einem mir bisher verborgenen Geheimfach. Zusammengefasst: Der Kajka verfügt über eine große Zahl an Seitentaschen, Riemen, Zusatzfunktionen und durchdachten Details. Dadurch erklärt sich auch das hohe Eigengewicht des Rucksacks, doch wie sich bei meiner Schottland-Tour gezeigt hat, ist mehr halt manchmal auch einfach mehr.

Der Kajka ist für sein Volumen ein vergleichsweise teurer Rucksack, der zunächst durch sein recht hohes Eigengewicht auffällt. Allerdings sind das keine Gründe, ihm kein „Sehr gut“ zu erteilen, denn ich habe keinen Euro vom Kaufpreis in Frage gestellt. Der Rucksack hat etliche Funktionen, die Puristen vielleicht abschrecken, mich jedoch begeistert haben. Aber vor allem eine robuste Qualität und wirklich nützliche Details, die einen für viele erdenkliche Eventualitäten wappnen, zeichnen diesen Rucksack für mich aus. Sein Tragekomfort und Sitz geben eine solide Sicherheit, die ihn zu einem unverzichtbaren Begleiter für lange Reisen und die dort manchmal auftretenden Unvorhergesehenheiten machen.

Der Fjällräven Kajka 75 ist ein verlässlicher, komfortabler Rucksack, der genug Platz für wirklich alle Ausrüstungsteile und viele schöne Erinnerungen bietet. Er ist über die Maßen robust und auch für härteste Bedingungen geschaffen – perfekt für zielloses Umherstreifen und all diejenigen, die auch gern für mehrere Wochen unter freiem Himmel unterwegs sind und sich 100%ig auf ihren Rucksack verlassen müssen.

Ich werde meinen Kajka begleiten, wenn er mich mitnimmt.

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