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Testbericht: Exped Ergo Combi

Der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu; zumindest bei uns in Sachsen sind die Ferien zu Ende. Die ersten tapir-Testteam-Mitglieder kommen zurück, unter ihnen war auch Thomas Schehr, der mit einer Hängemattenkombination von Exped unterwegs war. Hier ist nun sein Testbericht zur Hammock Ergo Combi.

Nachdem ich bereits vor einiger Zeit vom Bodenschläfer zum Hängemattenliebhaber mutiert bin, wollte ich nach Hängematten der konventionellen  Bauart (auch Gathered End genannt) und Brückenhängematten endlich auch mal eine Hängematte der Firma Exped probeliegen. Das Besondere an der Exped Ergo Combi ist, dass die Liegefläche im Vergleich zu den anderen Hängematten um ca. 90° gedreht ist. Der Begriff „Combi“ steht übrigens dafür, dass außer der Hängematte auch gleich ein passendes Tarp mitgeliefert wird. Diese Tatsache ist nicht unwesentlich, da die gewöhnlichen Tarps für die Ergo i. d. R. nicht optimal passen. Geliefert wird alles in einem passenden Packsack. Das Gesamtgewicht beträgt 1.434 g und verteilt sich wie folgt: Hängematte (kmpl. mit Mückennetz) – 727 g, Tarp (incl. Abspannleinen) – 542 g, Exped-Schlitzseile (Paar, incl. Baumgurte) – 140 g und Packsack – 15 g. Damit wiegt die Hängematte samt Zubehör ungefähr so viel, wie ein hochwertiges Einmannzelt. Ob es auch als gleichwertiger Ersatz verwendet werden kann, soll mein Test zeigen. War doch genau das der Grund, vor einigen Jahren vom Zelt zur Hängematte zu wechseln. Ich war es einfach leid, dass in den meisten Zelten die Liegefläche für meine 1,91 m  einfach nicht lang genug war. Wie sieht das bei der Exped Ergo aus? Dazu später mehr.


Bereits beim Auspacken fielen mir gleich die Materialien auf, aus denen die einzelnen Komponenten hergestellt wurden. Sie machen einen hochwertigen Eindruck und deren Haptik ist ausgezeichnet. Die beigefügte Anleitung könnte etwas ausführlicher ausfallen, vor allem fällt auf, dass es keine entsprechenden Bebilderungen gibt. Ich empfehle daher als sinnvolle Ergänzung die Youtube-Videos von Exped.

In der beiliegenden Anleitung wird ein Baumabstand von 1,8 m bis 3,5 m sowie ein Abstand von 20 cm zwischen Boden und Hängematte genannt. Da heißt es für mich umdenken. Normalerweise benötige ich Baumabstände von 5 bis 7 m und hänge in der Regel ca. 50 cm über dem Boden. Deshalb hieß es für das Testen auch erstmal, eine geeignete Stelle zu finden – der übliche Hängemattenplatz im Garten fällt leider aus.

Als vollwertiger Zeltersatz muss die Kombination natürlich auch bei schlechtem Wetter funktionieren. Daher ist es für mich ein absolutes Muss, dass ich das Tarp vor der Hängematte aufbauen kann. Dies ist mit dem Tarp von Exped problemlos möglich. Zunächst sucht man die Firstenden des Tarps, gekennzeichnet durch einen kleinen Karabiner. Die Abspannleinen sind in kleinen Netztäschchen verstaut. Hier zeigt sich, wie so oft, die Liebe zum Detail. An den Abspannleinen befinden sich kleine, graue Kunststoffhaken, die in die Abspannleinen eingehängt werden können. Durch die Verwendung von Klemmverschlüssen können die Abspannleinen dann gespannt werden, ohne einen Knoten machen zu müssen. Hierdurch ist es auch möglich, die Position des Tarps zwischen den Bäumen und über der Hängematte nachträglich noch etwas anzupassen. Durch Schlaufen entlang des Firsts ist es außerdem möglich, die Breite des Tarps falls notwendig etwas zu verkleinern. Sobald das Tarp hängt, fällt auf, dass es nicht ganz symmetrisch ist. Grund dafür ist, dass auch die Hängematte nicht ganz in einem 90°-Winkel aufgehängt wird. Somit passen Tarp und Hängematte perfekt zusammen. Das Tarp bietet außerdem die Möglichkeit, die Seitenteile senkrecht nach unten zu spannen. Hierdurch wird eine besserer Wetterschutz erreicht, wobei man beachten muss, dass die Exped Ergo Combi durch ihren Aufbau höher ist als andere Hängematten, d. h. bei starkem Seitenwind kann es mitunter doch passieren, dass der Regen die Hängematte erreicht. Die großen Flächen des Tarps machen es auch erforderlich, bei Regen die Abspannungen sorgfältig auszuführen – zu gern würde sich das Regenwasser sammeln und sogenannte Wassersäcke bilden.

Um die Hängematte aufzuhängen, müssen zunächst die beiden Aufhängeseile in passender Höhe um zwei Bäume mit dem richtigen Abstand gelegt werden. Mittlerweile ist man auch bei Exped auf die Idee gekommen, statt einfacher Schnüre ein Gurtband von ca. 25 mm Breite zur Schonung der Baumrinde zu verwenden. Leider findet sich in der Anleitung von Exped kein Hinweis auf die Mindestbaumdicke. Allgemein liegt die Empfehlung bei mind. 15 cm. An diesen Baumgurten befinden sich dann die bekannten Exped-Schlitzseile.

Während andere Hängematten ein Kopf- bzw. Fußende haben, gibt es bei der Exped Ergo ein Links und Rechts. In einem Video wird erwähnt, dies würde durch unterschiedliche Farben bei den Karabinern gekennzeichnet, was auch durchaus Sinn ergeben würde. Bei meiner Testhängematte haben sie jedoch beide die gleiche Farbe. Insofern ist es also zuerst immer ein kleines Ratespiel, ob man beim Aufhängen jetzt das Kopf- oder Fußende vor sich hat. Das zu wissen ist dann wichtig, wenn es einem nicht egal ist, wohin man schaut, sobald man in der Hängematte sitzt oder liegt. Dieser Makel lässt sich jedoch ganz einfach mit etwas Klebeband oder Schrumpfschlauch am Karabiner beseitigen. Die Hängematte wird dann mittels der Karabiner in die Schlitzseile eingehängt. Hierbei sollte man tunlichst darauf achten, dass die Karabiner in gleicher Höhe hängen. Das ist gerade am Anfang nicht immer ganz einfach. Es ist aber wichtig, dass das Firstseil waagerecht hängt. Das Firstseil ist übrigens auch aus Exped-Schlitzseil gefertigt, somit kann der Abstand zwischen den beiden Karabinern bei Bedarf verändert werden. Was mir bei den Schlitzseilen negativ aufgefallen ist: Sie sind für meine Begriffe sehr elastisch und ich muss zugeben, dass ich damit nicht wirklich gut zurechtgekommen bin. Ich musste mitunter mehrfach die Aufhängung nachjustieren und korrigieren, nur um zu verhindern, dass ich nach dem Hineinlegen in die Hängematte nicht auf dem Boden liege. Ferner lassen die Schlitzseile keine stufenlose Verstellung zu, sondern alles bewegt sich in einem Raster von ca. 9 cm (Lochabstand der Schlitze). Das stelle ich mir unter Verwendung von Aufhängungen aus Dyneema besser vor.


Trotz des verhältnismäßig geringen Abstands zum Boden lässt es sich in der Ergo erstaunlich gut sitzen. Wichtig ist hierbei, dass man seinen Schwerpunkt (ihr wisst, was ich damit meine) genau in das Zentrum der Hängematte platziert. Zur Vereinfachung hat Exped die entsprechende Stelle mit einer Markierung versehen. Will man sich dann in die Hängematte legen, muss man einfach den Oberkörper nach hinten fallen lassen und dann die Beine mit in die Hängematte nehmen. Meine ersten Versuche hatte ich noch ohne Isomatte unternommen, musste aber feststellen, dass die Isomatte eine stabilisierende Wirkung hat. Idealerweise hat die Isomatte eine Breite von 52 cm und sollte mind. Körperlänge haben. Nur so wird verhindert, dass die Hängematte am Kopf- bzw. Fußteil am Körper anliegt und drückt. Außerdem ist so das integrierte Mückennetz auch weit genug vom Körper entfernt und liegt nicht an. Zum Mückennetz ist zu sagen, dass es leider nicht gänzlich entfernt werden kann. Man kann es zwar in einer angenähten Netztasche verstauen, aber der Reisverschluss kann nicht getrennt werden, d. h. man hat das Mückennetz immer dabei, auch wenn man es aus Gewichtsgründen gern zu Hause gelassen hätte. Leider musste ich für mich feststellen, dass die Liegelänge der Hängematte (angeblich 2,25 m) für mich nicht ausreicht. Ich verspürte sowohl am Kopf- wie auch am Fußende einen leichten Druck. Nicht wirklich unangenehm, aber in Verbindung mit einem Schlafsack oder einer Decke (Topquilt) würden diese komprimiert und Kältebrücken entstehen. Gerade bei kühleren Temperaturen kann das recht unangenehm werden. Das Mückennetz im Kopfbereich ist mir ebenfalls zu dicht am Gesicht. Zum einen stört es beim Schlafen und ich befürchte, dass mir die Mücken evtl. doch in die Nase stechen könnten. Der Liegekomfort in der Hängematte ist gut. OK, man liegt nicht wirklich gerade wie ein Brett, aber ich finde die leicht gebogene Form angenehm und ich kann sowohl auf dem Rücken, auf der Seite wie auch auf dem Bauch drin liegen. Was mich etwas stört, ist die geringe Aussicht aus der Hängematte. Gerade das etwas erhöhte Hängen über dem Boden ermöglicht eigentlich, dass man seine Umgebung hervorragend im Blick hat. Bei der Ergo ist jedoch der Rand ringsherum so hoch, dass man leider nur den Himmel sieht.

Ich habe vorhin schon mal geschrieben, dass man in der Ergo eine Isomatte zur Stabilisierung verwenden sollte. Die Isomatte ist m. E. auch die einzig wahre Möglichkeit, die Hängematte von unten zu isolieren. Diese Isolation ist bei einer Hängematte, egal welcher Bauart, essentiell. Man könnte sogar sagen, sie ist wichtiger als die Isolierung von oben. Bei anderen Hängematten wird auch gern mal ein sogenannter Underquilt (Unterdecke) verwendet. Hierzu fehlen der Ergo jedoch geeignete Befestigungsmöglichkeiten. Ähnlich verhält es sich auch mit einer Gepäckhängematte. Diese wird normalerweise unter die eigentliche Hängematte gehängt und beherbergt das nicht benötigte Gepäck. Durch den geringen Abstand zum Boden (nur 20 cm) ist leider nicht genug Platz vorhanden.

Fazit

Wie man vielleicht schon bemerkt hat, sind die Exped Ergo Hammock und ich nicht wirklich gute Freunde geworden. Das heißt aber nicht, dass die Hängematte nix taugt. Es ist vielmehr so wie so oft im Leben: Der Deckel muss zum Topf passen. Ich habe für mich über einige Jahre diverse Vorgehensweisen erarbeitet und Anforderungen definiert, für die die Ergo leider einfach nicht passt. Die Exped Ergo ist und bleibt eine hochwertige Hängematte mit einigen wirklich pfiffigen Details. Man merkt, dass sich die Entwickler viele Gedanken gemacht haben, um aus der Hängematte etwas Besonderes zu machen. Das ist ihnen m. E. auch gelungen. Ich kenne einige Hängemattenfreunde mit diesem Modell – und die sind damit sehr zufrieden!

 

 

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