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Testbericht: Wie geländegängig ist der Mojito Hike GTX von Scarpa?

Mit dem Mojito Hike GTX Women steht ein optisch auffallender Bergschuh in unserer Schuhwand, stark angelehnt an das klassische Design der Mojito-Familie bei Scarpa. Konzipiert haben die Italiener den neuen Wanderschuh für den Einsatz im moderaten Gelände. Mit Bekanntgabe des Ziels für unsere Testtour stand für mich fest, dass ich unbedingt einen Zustiegsschuh oder einen leichten Hikingschuh testen wollte. Auf jeden Fall kein schweres Schuhwerk! Das Geländeprofil, wie auch der ausgewiesene Schwierigkeitsgrad der Klettersteige, waren perfekt für den Scarpa-Schuh. Und um das Fazit des Testberichtes schon mal vorwegzunehmen: Der Mojito Hike GTX von Scarpa hat die an ihn gestellten Anforderungen vollkommen erfüllt!

 

Der Scarpa Mojito Hike GTX ist ein halbhoher Wander- und Hikingschuh, der durch ein GORE-TEX®-Futter wasserdicht und atmungsaktiv ist. Das Obermaterial ist ein 1,8 Millimeter dickes Wildleder (Suede/ Water-Resistant). Er hat eine weit nach vorn reichende Schnürung und eine Vibram®-Sohle (XS Trek), die im vorderen Bereich etwas weicher ist.

Nasse Wiesen, steinige Wege, Fels und ein bisschen Restschnee – und das alles Anfang Juni im Allgäu, in der Nähe von Oberstdorf. Hierhin hat es tapir zur Testtour 2018 verschlagen und neben Wandern und Klettern gehörte auch das Gehen zweier Klettersteige mit reichlich Fels- und Eisenkontakt zum Testumfang des Mojito Hike GTX. Der Schuh hat mich von morgens (ca. 9 °C) über den gesamten Tag bei 25 °C bis zum Abend begleitet. Die Großwetterlage war sonnig und warm, behielt aber tägliche, heftige Gewitterschauer bereit. Die Wiese war morgens pitschnass, auch Fels und Wege waren partiell nass und Restschnee ist es ja per se. Dazwischen gab es natürlich viele trockene Abschnitte, quasi als Idealbedingung.

Ich hatte mir für diese Tour explizit einen leichten Halbschuh gewünscht, da ich zum einen keine Lust auf meine schweren Bergschuhe hatte – alles schon 100 mal gemacht – und zum anderen, weil immer mehr Kunden in den Laden kommen und gerne mit einem Halbschuh gehen wollen. In diesen Beratungen bin ich aber immer hin- und hergerissen, ob das denn echt hinhaut. Wenn die Kunden in solchem Gelände noch nicht so viele Erfahrungen sammeln konnten, tendiere ich eher dazu, einen festeren und höheren Schuh zu empfehlen.

Nun war also meine Stunde gekommen und ich habe den Scarpa Mojito Hike GTX Women zum Testen bekommen. Bei der Größenauswahl im Laden habe ich dann schon etwas geschluckt, weil die optisch schmale Silhouette sich am Fuß auch praktisch schmal angefühlt hat. Bei meiner normalen Schuhgröße EU 37 habe ich mich für eine EU 37,5 entschieden. Meine Füße sind schon ein wenig breiter und das Platzangebot war recht unkomfortabel. Aber okay: Nur die Harten kommen in den Garten – für zwei Tage würde es schon gehen. Natürlich habe ich mir kurz vor der Abfahrt noch Blasenpflaster gekauft.

Also Schuhe an und losgelaufen … und gelaufen … und gelaufen … und gelaufen … und meine Befürchtungen haben sich absolut nicht bewahrheitet. Die langgezogene Schnürung hat sich bereits nach 20 Minuten an meine Fußform angepasst und für Raum gesorgt, wo vorher keiner war. Ich habe mich direkt wohl gefühlt und keine Sekunde mehr an meine Schuhe gedacht. Die waren einfach da und haben alles gemacht, was ich mir von ihnen erwartet habe. Die relativ feste Sohle mit dem etwas weicheren Vorfußbereich war im Fels, auf Stahlleitern und im Schnee standhaft und flexibel genug, um die Füße sauber platzieren zu können. Geröll und Wege ließen sich problemlos gehen und immer empfand ich den Fuß als gut geschützt und vor allem gut gestützt. Obwohl der Schaft nur halbhoch ist, hatte ich nie ein unsicheres Gefühl – wobei ich ergänzen muss, dass ich im Gelände recht trittsicher und erfahren bin, was beim Stabilitätsempfinden natürlich von Vorteil ist.

Und dann kam noch etwas Unerwartetes. Am ersten Abend in der nassen Wiese fühlten sich meine Füße kalt und nass an. Die sofortige Sockenkontrolle ergab, dass die Füße trocken waren. Das kalte Gefühl aber blieb. Der gesamte Vorfuß war schlicht kalt. Okay, es war spät, der Tag lang und hart und ich sehr müde. Doch nein: auch am nächsten Morgen wollte sich nach dem Aufstehen kein wohliges Wärmegefühl einstellen. Und so war es auch am nächsten Abend, am nächsten Morgen, am nächsten Abend … Tagsüber bei Wärme und straffem Gehen waren die Füße wohltemperiert. Ich habe eine Woolpower 200 Socke getragen und nie geschwitzt. Das heißt also, dass der Mojito Hike GTX ein wirklich guter Sommerschuh ist, bei fallenden Temperaturen und wenig Aktivität aber an seine Isolationsgrenzen kommt und ein wenig Schützenhilfe durch dickere Socken benötigt.

Wenn mich wieder Kunden nach einem leichten Halbschuh für Tagestouren in den Alpen oder lange Wanderungen mit mittelschwerem Gepäck fragen, kann ich den Scarpa Mojito Hike GTX bedenkenlos und mit Freude empfehlen. Das erste beengende Gefühl im Schuh verfliegt, was die Kunden gerne auch zu Hause beim Probetragen in der Wohnung für sich selbst erfahren dürfen. Der Hinweis, dass es ein Sommerschuh ist, gehört für mich auch zum Beratungsinhalt, ebenso wie der Hinweis, dass bergunerfahrene Kunden zum Vergleich ruhig noch mal einen Schuh mit höherem Schaft testen sollten, um sich auf unserer kleinen Schuhteststrecke mit dem Thema „Stabilität in unebenem Gelände“ persönlich auseinanderzusetzen.

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