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Teaserbild: tapir Aufsteiger der Woche: C.A.S. Technologie von Tecnica

tapir Aufsteiger der Woche: C.A.S. Technologie von Tecnica

Nicht nur für Menschen mit Fußproblemen können individuell anpassbare Schuhe eine echte Offenbarung darstellen. Wir kennen es bereits aus dem Skischuhbereich und nun hat Tecnica, der italienische Schuhspezialist, Outdoorschuhe auf den Markt gebracht, die schnell und unkompliziert an den eigenen Fuß angepasst werden können. Nichts drückt mehr, der Schuh passt nach nicht mal 20 min wie angegossen. Das Konzept hat uns bereits im vergangenen Jahr auf der Messe begeistert – so sehr, dass seit letzter Woche die Tecnica-Schuhmodelle sowie die dazugehörige Ausrüstung bei uns in der tapir-Schuhwand ihren Platz gefunden haben. Am vergangenen Freitagmorgen gab es dann die entsprechende Schulung für alle tapire: Funktioniert überzeugend und tut gar nicht weh! So können wir euch heute unseren aktuellen Aufsteiger der Woche im tapir präsentieren – Schuhe von Tecnica basierend auf der Custom Adaptive Shape-Technologie:

So geht es sicherlich einigen unter uns, die in ihrer Freizeit nicht im Bereich Ski Alpin unterwegs sind. Lange haben auch wir um den italienischen Schuhspezialisten einen kleinen Bogen gemacht. Seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts werden in der Nähe von Treviso Schuhe designt und hergestellt. Lag der Fokus zunächst auf Arbeits- und Bergschuhen, kam 1973 der erste doppelt geschäumte Skischuh auf den Markt. Mit dem Erfolg des Tecnicus begann die Erfolgsserie Tecnicas mit alpinen Skischuhen. In den 80ern wurde die Produktpalette um eine Outdoorkollektion erweitert.

Doch die Italiener wollten mehr, aus der Marke Tecnica wurde eine Holding, unter deren Dach bis heute viele namhafte Outdoormarken gemanagt werden. Dazu gehören neben Tecnica selbst auch Lowa und Dolomite, zwei weiteren Schuhspezialisten, ebenso die Firma Nordica sowie die österreichische Skimarke Blizzard, außerdem Rollerblade und Nitro Snowboards. Nicht zu vergessen (und zumindest die etwas Älteren unter uns können  sich bestimmt noch daran erinnern): die Moon Boots. Das Label gehört seit den 70ern zu Tecnica. Deren Winterstiefel erinnern im Design an die Astronautenschuhe der 60er Jahre. Sie waren damals ein klassisches Must-have und avancierten sehr schnell zu dem Schuh für den Apres-Ski und Winterwanderungen. Wo auch immer Wintersportfreunde neben den Pisten, Eisbahnen oder Rodelstrecken ausharrten, um ihre Stars anzufeuern, trugen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Moon Boots von Tecnica.

Bis heute arbeitet man bei den Italienern eng mit Spitzensportlern zusammen, um gemeinsam Schuhe zu entwickeln, die keine Kompromisse kennen. Davon profitieren am Ende auch wir.

Mein Standardsatz in der Beratung ist zumeist: Schuhe und Rucksack müssen passen, gibt es da Druckstellen, dann kann die Tour schnell zur Tortur werden. Und wer will das schon, im Urlaub?! Heißt: Bergschuhe, die nicht passen oder die man im Vorfeld kilometerlang erst einlaufen muss, machen auf Dauer keinen Spaß. Von der Passform hängt ab, dass man sich keine Blasen an Zehen oder Ferse läuft. Zu eng ist schlecht, aber zu weit ist auch nicht gut.

Damit das in Zukunft nicht mehr ein Thema ist, hat Tecnica im Outdoorschuhbereich Neuland betreten. Sie haben 2018 den ersten thermisch anpassbaren Wanderschuh auf den Markt gebracht und nach dem Erfolg mit dem preisgekrönten Forge GTX wurde für diesen Sommer der erste anpassbare Low-cut-Wanderschuh vorgestellt. Auf der letzten Messe in Friedrichshafen gab es für den Plasma S den begehrten OutDoor Industry Award. Oudoorobegeisterte und Wanderfreunde können sich nun entweder einen festeren, hohen Bergschuh oder einen leichten Halbschuh an ihre Füße anpassen lassen. Dafür braucht es lediglich etwas Zeit (ca. 20 Minuten) und den zum Patent angemeldeten C.A.S.-Apparat von Tecnica. Nachdem Wikki sich auf der OutDoor in Friedrichshafen die Zeit genommen hat, um sich ein paar Wanderschuhe anpassen zu lassen und schwer beeindruckt war, haben wir uns entschieden, im tapir sowohl den Plasma S GTX als auch den Forge GTX für Männlein und Weiblein ins Schuhprogramm zu nehmen.

Damit das mit der Schuhanpassung auch reibungslos funktioniert, war am vergangenen Freitag Uwe von Tecnica bei uns im tapir, hat uns nicht nur gezeigt, wie das mit dem Anpassen funktioniert, sondern uns auch noch ganz viele Fragen beantwortet. Wer sich ein wenig im alpinen Skisport auskennt, weiß, dass dort das Individualisieren von Skistiefeln durch Verformen unter Hitzeeinwirkung ein großes Thema ist. Und da greift dann das Wissen aus dem eigenen Haus: Tecnica ist, wie schon erwähnt, ein renommierter Skischuh-Anbieter. Die Skischuh-Experten des Hauses waren an der Entwicklung der Wanderschuhe beteiligt. Das Neue beim Individualisieren der Bergstiefel ist, dass diese nicht als Ganzes, sondern nur an ausgewählten, definierten Stellen modelliert werden: Ferse, Knöchel und Innenseite des Fußes im Bereich des Fußgewölbes. Wer sich die Schuhe genauer ansieht, erkennt die Bereiche mit verformbaren Kunststoff inneliegend an den helleren Punkten. Neben dem Schuh lässt sich auch die herausnehmbare Einlegesohle thermisch verformen.

Werfen wir doch einen Blick hinter die Kulissen: Was passiert beim Individualisieren? Die Kurzfassung: Wir erhitzen zuerst das Fußbett, im Anschluss den Schuh. Danach wird beides mittels Kompression direkt um den Fuß geformt. Danach kühlt der Schuh ab und hält seine Form. Fertig ist die Anpassung!

Wem das jetzt zu schnell ging, hier noch die etwas ausführlichere Beschreibung: In einem ersten Arbeitsschritt werden die Einlegesohlen in einer Tasche auf Temperatur gebracht – nach acht Minuten werden die sich weicher anfühlenden Sohlen in zwei Slipper gesteckt. Letztere erinnern mich ein wenig an die Turnschlappen aus meiner Schul- und Studienzeit. Der Kunde zieht die Schlappen an und stellt seine Füße in die beiden Luftsäcke, die ein wenig an die Moon Boots erinnern. Ein Kompressor baut einen Druck von 0,15 bar auf und innerhalb der folgenden 3 Minuten nehmen die Sohlen die Fußform an. Danach werden die Slipper wieder ausgezogen und die Sohlen herausgenommen.

In der Zwischenzeit wurde der Schuh in eine Heizmanschette gehüllt und auf 80 °C erwärmt. Die vorgeformten Einlagen werden wieder in die warmen Schuhe eingesetzt, der Kunde zieht die Schuhe an und schnürt diese richtig fest zu. Jetzt geht es ein zweites Mal in die aufblasbaren Druckluftsäcke in Moon-Boot-Optik und nach 3 Minuten Geduld ist dann wieder alles vorbei. Die Druckluft wird abgelassen, der Kunde zieht den Schuh noch einmal kurz raus, wartet 30 Sekunden und zieht die Schuhe wieder an. Fertig – loslaufen und genießen!

Manuel war unser Versuchskaninchen und ließ sich von Uwe, also vom Fachmann, einen Forge GTX anpassen. Und war begeistert, erst recht, nachdem er einen unangepassten Forge im Vergleich getragen hat. Vor allem im Fersenbereich spürte er die Veränderung. Doch es ging ja nicht nur darum, uns schulen zu lassen, denn nur Übung macht den Meister. Sandra, Pia und ich bekamen von Kollegen die Schuhe angepasst und gerade bei den etwas breiteren Füßen von Pia und mir machten sich die Veränderungen im Ballenbereich deutlich bemerkbar. Ich konnte zum ersten Mal wieder nach einem Schuh greifen, der von der Länge her passend ist (Ich kaufe gerade Lauf- und Bergschuhe fast immer mindestens eine halbe Nummer größer als notwendig, damit mir bei länger andauernder Belastung die Ballen nicht einschlafen).

In den kommenden Tagen werden wir das Handling weiter vervollkommnen, außerdem sollte jeder von uns auch mal an den eigenen tapir-Hufen spüren, was beim Individualisieren mit dem Schuh passiert und wie sich das Laufen hinterher anfühlt. Bei mir war einmal genug: Ich war verblüfft ob der Passform und des druckfreien Sitzes. Der Schuh wird ja bei dem Procedere nicht einfach nur geweitet, sondern durch Kompression an die Fußform angepasst. Der Plasma S GTX Women saß bei mir eng, machte damit einen kompakten Eindruck – da wackelte und rutsche nichts mehr. So angepasst könnte ich mir sogar vorstellen, diesen Schuh nicht nur in der Freizeit, sondern auch in der Sächsischen Schweiz oder als Zustiegsschuh einzusetzen.

Wir werden in den kommenden Wochen noch einmal auf das Thema zurückkommen, wenn die Tecnica-Schuhe im Rahmen des tapir-Testteams auch auf Tour zum Einsatz gekommen sind. Nicht nur ich bin gespannt, was beim Praxistest herauskommen wird!

Der Plasma S ist wie sein großer Bruder Forge komplett vorgeformt und basiert auf einem neuen, anatomischen Leisten. Der soll gewährleisten, dass die Schuhe auf Anhieb wie eine zweite Haut passen. Der Out-of-the-box-Fit bietet optimalen Support und Fußhalt – und das bereits vor dem Anpassungsprozess. Denn, machen wir uns nichts vor, wenn ihr in einen Schuh reinfahrt und sofort viele Druckstellen spürt, euch der Leisten nicht zusagt, dann brauchen wir uns auch über eine individualisierte Anpassung nicht mehr weiter zu unterhalten.

Neben dem speziellen Leisten (der natürlich für Mädels und Jungs anders vorgeformt ist) und der anpassbaren Einlegesohle sowie den thermoverformbaren Einsätzen zählt ein Schaft (Overlapp Cuff) ohne eigene Zunge unter den Schnürbändern zu den Besonderheiten bei beiden Modellen. Die Italiener haben sich für eine Konstruktion mit einer einseitigen Überlappung entschieden. Dabei kommt nicht nur weniger Material zum Einsatz, sondern auch ein Verrutschen der Zunge wird verhindert, was wiederum zu einer Reduzierung von Druckstellen an Knöcheln und Schienbeinen führt.

Auf dem ersten Blick fallen die dünnen Schnürsenkel ins Auge. Ein erster Griff zeigt, dass die aus Kevlar mit einer Baumwoll-Nylon-Ummantelung bestehenden Bänder angeraut sind, in die Senkel wurden winzige Knötchen eingeflochten. Im unteren Abschnitt laufen sie statt durch Ösen aus Metall durch kleine Schlaufen aus Kevlar, was einen „selbstsichernden“ Effekt hat. Heißt: Die Schuhe lassen sich präzise binden, ein immer wieder notwendiges Nachschnüren auf Tour entfällt. Dafür muss man in Kauf nehmen, dass sich die Schnürung beim Ausziehen etwas schwerer wieder öffnen lässt.

Neben der individuellen Anpassung sorgt die vierschichtige, anpassbare Sohle für einen hohen Tragekomfort genauso wie für eine erstklassige Dämpfung. Damit der Fuß maximalen Grip und guten Halt auch auf schwierigeren Untergründen vorfindet, bekam der Forge GTX die Vibram-Laufsohle Megagrip Compound verpasst, während unter dem Plasma S GTX eine Vibram-Megagrip-Sohle verbaut worden ist, die, so Tecnica, eine perfekte Mischung aus dem Grip eines Trailrunning-Schuhs und der Unterstützung eines stabilen Trekkingschuhs gewährleisten soll.

Ob Blasen beim Wandern tatsächlich bald der Vergangenheit angehören, wird die Zukunft zeigen. Mit den neuen Outdoorschuhen – die Kollektion wird zum Herbst 2019 noch um weitere Modelle erweitert – bietet Tecnica mit der Entwicklung eines thermisch anpassbaren Wanderschuhs einen faszinierenden Lösungsansatz und geht damit einen Schritt in Richtung „perfekter Schuh“. Die C.A.S.-Technologie beantwortet damit euren klaren Wunsch nach einem gut sitzenden und individuell angepassten Schuh und ist deshalb unser erster tapir Aufsteiger der Woche im neuen Jahr.

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