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Testbericht: Der Ogre 33+ von ME ist ein echter Verwandlungskünstler

Testbericht: Der Ogre 33+ von ME ist ein echter Verwandlungskünstler

Die Bezeichnung des Kletter- und Tourenrucksacks aus dem Hause Mountain Equipment lässt ungesehen des eigentlichen Produkts auf einen massiven, spröden und wenig ansehnlichen Rucksack schließen. Ogre bedeutet „Menschenfresser“ und so kennt man Oger meist aus mystischen Erzählungen, weniger aus Reise- und Testberichten. Damit muss Schluss sein, denn ich beschreibe euch ausgiebig, wie sich der Ogre 33+ im Gepäck auf meiner Reise quer durch Frankreichs Wander- und Bouldergebiete geschlagen hat!

Der Ogre 33+ verfügt über mindestens 33 Liter Fassungsvermögen und ist damit optimal für Tagestouren auf Wanderstrecken oder Tagesbesteigungen geeignet. Der Rucksack ist zudem hervorragend auf kleinere Packvolumina anzupassen, denn der bequeme Toploader lässt sich dank des großzügig bemessenen Zugbands auch bei Minimalbeladung gut justieren. Bei Seiltransport kann das Kletterseil über den Topload gelegt werden und via Zugband und Deckelklappe fixiert werden. Achtung! Die Schnalle muss dabei stets unter Zug sein, sonst lockert sie sich womöglich und das Seil kann sich lösen. Der Kordelzug, der das Hauptfach verschließen kann, ist bequem auch einhändig bedienbar und das übrige Ende der Kordel ist schnell im Inneren des Ogre 33+ versteckt. Insgesamt vier Kompressionsriemen, die allesamt abgenommen und unterschiedlichen Positionen angebracht werden können, ermöglichen es der Trägerin weiterhin, den Rucksack auf das jeweilige Volumen optimal anzupassen. Das Zugband, das sich sowohl am umgeschlagenen Deckelfach des Ogre 33+ befestigen lässt als auch am Ansatz des Deckelfachs, ist nicht nur großzügig in Länge bemessen, sondern verfügt außerdem über eine sogenannte „Grappler-Schnalle“ aus Aluminium.
Verschlüsse gelten an Rucksäcken als das häufigste Verschleißteil; diese Tatsache umgeht ME, indem eine leichte und robuste Schnalle gewählt wurde, die mit nur einer Hand und sogar mit dünnen Handschuhen ein- und ausgehakt werden kann. Auf und im Deckelfach befinden sich zwei kleine Reißverschlusstaschen für die Wertgegenstände oder Dinge, die schnell erreicht werden sollen (z. B. Müsliriegel). Die Tasche im Inneren verfügt über einen kleinen Karabiner, an dem der Schlüsselbund eingehakt werden kann. Neben unzähligen Materialschlaufen (Daisy Chains) befindet sich am unteren Teil der Rucksackfront eine weitere, etwa 12 cm breite Schlaufe als Pickelhaube. Sowohl Pickel als auch Wanderstöcke können somit bequem befestigt werden.

Der Ogre 33+ eignet sich dank seiner schmalen Bauweise hervorragend für Klettersteige und Klettertouren. Das robuste und leichte Ripstop-Material ist verlässlich sowie schmutz- und wasserabweisend, sodass der Fels gern mit dem Ogre in Kontakt kommen darf. Die minimalistische Ausstattung und das durchdachte Design machen den Rucksack zu einem wahren Menschenfreund und ich habe das Gefühl, Material und Ausstattung vertrauen zu können.

Der ME Ogre 33+ bringt in der minimalistischsten Variation gerade einmal 660 g (im Ottonormalverbraucher-Modus 920 g) auf die Waage und spart doch nicht am Tragekomfort. Abgespeckt, einfach und trotzdem bequem und ausreichend einstellbar, verfügt der Rucksack über zwei abnehmbare Hüftschlaufen mit verstellbarem Hüftpolster. Der Hüftgurt wird dabei mittels einer robusten Kunststoffsteckschließe verschlossen. Beide Hüftpolster sind variabel auf dem Gurtband des Beckengurtes zu verschieben und so auch mit einem Klettergurt sehr angenehm zu tragen. Auf sonstigen Komfort hat ME nahezu verzichtet. Die Rückenplatte ist verstärkt, sodass etwa eine Trinkflasche nicht direkt im Rücken zu spüren wäre, nichtsdestotrotz muss beim Packen des Rucksacks darauf geachtet werden, dass etwaige harte Gegenstände nicht auf die Rückenplatte und damit ins Kreuz drücken. Auch hier kann theoretisch an Gewicht gespart werden, denn auch die Rückenplatte ist herausnehmbar. An den Schulteransatzpunkten bringen zwei Lageverstellriemen das Gewicht des Rucksacks in Rückennähe.

Der Ogre 33+ kann auch ohne Hüftgurte getragen werden und verfügt weder über Belüftungssystem noch Verstellmöglichkeiten der Rückenlänge. Er passt – oder passt nicht. Meiner Erfahrung nach passt der Rucksack Menschen um 175 cm Körperlänge optimal. Für lange Rücken müsste wohl der große Bruder des Ogre 33+ herhalten, der Ogre 42+.

Auf meiner ersten Tour durch das Boulderparadies Fontainebleau wanderte ich acht Stunden lang quer durch Wälder, Felsformationen und Farnteppiche. Den Ogre 33+ auf meinem Rücken mit etwa 8 kg Gepäck empfand ich dabei als sehr angenehm. Die Schultergurte haben eine angenehme Breite, ebenso wie die Hüftpolster. Im Handumdrehen war Rucksack eingestellt und aufgesetzt. Leider verfügt der Ogre 33+ über keine explizite Halterung für ein Trinksystem, weshalb ich auf zwei Wasserflaschen ausweichen musste. Hier kann sicher mit etwas Kreativität ein Weg gefunden werden das Trinksystem trotzdem zu befestigen, auf dieser Tour waren die Wasserflaschen in meinem Rucksack kein Problem. Bei satten 28 Grad Celsius stellte sich schnell die Schweißproduktion ein. Aber auch hier empfand ich den Ogre 33+ als angenehm zu tragen und anschmiegsam. Ein Rucksack ist kein Kühlschrank; deshalb ist es wichtig, dass die Polster trotz Nässe nicht reiben und die Position halten – das taten sie. Meine zweite Tour sollte mich zehn Stunden lang auf die gegenüberliegende Seite des Montblanc führen. Von Les Houches starteten wir bei feinstem Wanderwetter. In meinem Rucksack befanden sich 10 kg Gepäck gespickt mit Klettersteigstet, Klettergurt und Helm. Ein kleiner Regenschauer sollte uns erwarten und so eilten wir die ersten 1000 Höhenmeter bereits begleitet von einigen Regentropfen bis zum Einstieg in den Klettersteig. Plötzlich: Regen. In Bindfäden. So ließ sich kein Klettersteig gehen und wir waren gezwungen, die Tour abzubrechen. Da der Ogre 33+ von ME ohne Regenschutz daherkommt, waren meine Habseligkeiten nach etwa einer Stunde Dauerregen komplett durchnässt. Für Wertsachen ist hier also eine zusätzliche wasserdichte Verpackung notwendig oder man entscheidet sich dazu, ein Raincover für den Rucksack mitzunehmen. Da auch meine Bekleidung komplett durchnässt war, fällt mein Fazit dieser Tour trotzdem positiv für den Ogre 33+ aus. Alles Klettersteigequipment fand entspannt Platz in dem geräumigen Hauptfach. Die Ordnung bestimmt die Trägerin selbst. Die kleine Tasche auf dem Deckel des Ogre 33+ genügt für eine kleine Portion Proviant und das Mobiltelefon. Mir wurde wieder einmal gezeigt, dass am Montblanc-Massiv die Natur den Menschen bestimmt und nicht umgekehrt.

Der Ogre 33+ von Mountain Equipment ist für mich ein optimaler Begleiter und wird meinen Ansprüchen an einen Wander-, Touren- und Kletterrucksack mehr als gerecht. Das Fassungsvermögen von 33 Litern ist optimal für Ein- oder Zweitagestouren. Durch die Kompressionsriemen und die Art des Deckelverschlusses ist der Ogre 33+ perfekt und flexibel anpassbar. Je nach Füllstand kann ich variieren und bei Maximalbeladung die Materialschlaufen in Form der Daisy Chains für zusätzliche Befestigung der Gegenstände nutzen. Die Polsterung hat einen äußerst angenehmen Härtegrad. Nicht zu weich, sodass ich nicht ständig nachjustieren muss, und nicht zu hart, sodass ich keine Druckstellen bekomme. Oftmals empfinde ich die Schultergurte bei Unisex-Rucksäcken als zu breit für meinen Rücken – nicht hier! Da ich mir ein Ordnungssystem mit Packbeuteln und kleinen Packsäckchen (Pack in Pack) für meine Touren angewöhnt habe, empfinde ich das geräumige Hauptfach als vorteilhaft. Ich kann meine Täschlein und Beutelchen dort verstauen, wo ich will, und jederzeit gut darauf zugreifen, denn der Eingriff in das Hauptfach ist äußerst großzügig bemessen. Einzig und allein die fehlende Halterung für ein Trinksystem schmälert mein durchweg positives Fazit. Hier will ich allerdings meine Bastelkünste unter Beweis stellen und eigenständig nachrüsten. Den Ogre 33+ kann man im tapir in zwei verschiedenen Farben finden: gelb (acid) und anthrazit (blue graphite). Für mich fiel die Wahl eindeutig auf das leuchtende und etwas giftige Gelb. Sowohl aus Sichtbarkeitsgründen als auch aus dem Grunde, dass das Innere des Rucksacks so deutlich heller erscheint, ist dies für mich die bessere Farbe. Nach beiden Touren sind kaum Gebrauchsspuren am Rucksack zu erkennen. Das Material macht einen sehr robusten Eindruck und hat kleinere Fels- und Bodenkontakte sehr gut überstanden.
Der Ogre 33+ ist zusammenfassend ein flexibler Begleiter auf nahezu allen Trekking- und Kletter(steig)touren. Der unkomplizierte Aufbau macht es einfach, sich zu organisieren. Auch die Haptik des Außenmaterials lässt auf ein solides und verlässliches Produkt schließen. Wer also einen menschenfreundlichen Begleiter auf den nächsten Touren sucht, ist mit dem Ogre 33 von ME sehr gut beraten.

+ großes Hauptfach
+ flexibel im Gewicht (660g – 920g)
+ optimal auf Packvolumina anpassbar
+ angenehme Polsterung
+ optimal für Personen bis ca. 175 cm Körperlänge
+ abriebfestes und zugleich leichtes Material

– keine explizite Vorrichtung für ein Trinksystem
– kein Regencape

Ogre 33+

Ogre 33+

139.95€

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