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Rettet den Holzberg – ein Update: Wenn Träume wahr werden

Rettet den Holzberg – ein Update: Wenn Träume wahr werden

Ich gebe zu: Im Laufe des Frühjahrs/Sommers hatte ich trotz eines Hoffungsschimmers am Horizont in meinem tiefen Inneren nicht mehr wirklich daran glauben wollen, dass wir noch vor dem Winter an den Holzberg zurück können. Dann ging es, dank wochenlangen beharrlichen Nachfragens, doch irgendwie schnell: Am Donnerstag konnten Rainer Beck, Leistungssport-Referent vom DAV Leipzig, und Gerald Krug, DAV-Verantwortlicher für alle Kletter- und Naturschutzbelange im Landesverband Sachsen, für die sächsischen Nichtsandstein-Klettergebiete den mächtig-wichtigen Zettel in Empfang nehmen: die Zulassung für den Holzberg als Klettergebiet. Da war er also, der Bescheid, für den sich viele in den vergangenen Monaten stark gemacht haben. Und KAFRIL war dann nach Rückruf am Donnerstag bereit, den fetten Container, der die Zufahrt und somit den Zugang zum Klettergebiet versperrte, wieder zu entfernen, sodass es sich in den späten Nachmittagsstunden ein paar Kletterer bei schönem Wetter nicht nehmen ließen, die ersten Wege am Holzberg zu klettern.

Gefühlt war es ruhig geworden in der Causa Holzberg. Nach der Verhandlung vor Gericht Ende Juni hielten sich beide Seiten, die DAV-Sektion Leipzig und die Firma KAFRIL, an den geschlossenen Vergleich. Ziel war es, zu einem konstruktiven Dialog zurückzukehren und die Tore am Holzberg zum Klettern wieder zu öffnen. Die außerordentliche Kündigung war vom Tisch, die ordentliche Kündigung zum April 2022 wurde aufrechterhalten. Gänzlich unerwartet tauchte während der Verhandlung ein weiteres Problem auf: Eigentlich ist keiner der Steinbrüche in den Hohburger Bergen als Klettergebiet amtlich anerkannt. What? Die Agreements in der Vergangenheit sowie eine lange Tradition des Kletterns in den Hohburger Bergen hatten nie nach einer solchen amtlichen Genehmigung fragen lassen. So wurden im Frühjahr die Anträge gestellt; der Gaudlitzberg bekam die naturschutzrechtliche Genehmigung relativ schnell. Für den Holzberg, genauso wie für den Zinkenberg, wurde die Bewilligung mit Hinweis auf eine ablehnende Stellungnahme des Sächsischen Oberbergamtes abgelehnt. Großes Augenrollen!

Einmal mehr ging es zwischen dem Oberbergamt und der unteren Naturschutzbehörde hin und her, wir fühlten uns teilweise wie bei einem Pingpong-Spiel. Neben Beharrlichkeit, ja auch teilweise Penetranz, war Geduld angesagt, um auf den letzten Metern nicht doch noch die Klettergenehmigung zu verzögern oder gar aufs Spiel zu setzen. Der Grat, auf dem sich alle Beteiligten bewegten, war schmal. Und vieles, das im Hintergrund angestoßen wurde, versuchte man in der Öffentlichkeit nicht breit zu diskutieren, um Ergebnisse nicht zu gefährden. Die Amtsmühlen mahlen bekanntlich langsam.

Nach dem Vergleich war die naturschutzrechtliche Genehmigung für das Klettern im Holzberg der letzte Baustein. Seit Donnerstag 16:30 Uhr ist der Holzberg für Kletterer wieder geöffnet. Entsprechend des Nutzungsvertrages dürfen DAV- Mitglieder und Mitglieder der IG Klettern Mitteldeutschland das Areal wieder betreten. Yeah! Eine kleine Einschränkung bleibt: Ein allgemeines Betretungsrecht für Jedermann besteht nicht.

In den späten Nachmittagsstunden haben wir dann auch am Holzberg mit gebotenem Abstand ein Stück weit in kleinem Kreis diesen Meilenstein beim Anklettern gefeiert und die Stille und Ruhe am Berg genossen. Wir haben seit einem Jahr in der Sache nicht nur gemeinsam an einem Strang gezogen, es war auch einfach ein kurzes, schönes Vergnügen, gemeinsam nach Feierabend zu klettern.

Für mich war es fast wie Heimkommen! Man soll ja nicht geil sagen aber es war ein echt geiles Gefühl, in die Routen einzusteigen, das Ambiente aufzunehmen und einen ersten Blick auf die Veränderungen am Holzberg mitzunehmen. Ein halbes Jahr ohne Kletterbetrieb hat seine Spuren hinterlassen. Es scheint etwas loses Gestein den Weg nach unten gefunden zu haben, ein umgestürzter Baum versperrt den Zustiegsweg. In den kommenden Tagen wird es sicherlich Aktionen geben, den Zugangsweg und die Ketten an den Umlenkpunkten auf Schäden zu überprüfen. Einem schönen Herbsttag am Holzberg steht dann nichts mehr im Weg.

Da die Tage im Herbst etwas kürzer sind und es eine Feierabendrunde war, haben wir dann auch die Stirnlampen auf der letzten Tour herausgeholt. Das hat das besondere Ambiente noch verstärkt. Und richtig schön war auch: Nicht nur beim Verlassen des Berges in den Abendstunden haben sich allerlei Vier-, Sechs- und Achtbeiner sowie verschiedene Flugwesen gezeigt oder sich zu Gehör gemeldet. Wahrscheinlich waren sie neugierig, wen es da nach so langer Zeit wieder an den Holzberg verschlagen hat.

Gunter Winkler von der BI Böhlitz hat es am Donnerstag treffend formuliert: :
Endlich können die Kletterer in den Holzberg zurückkehren. Seit vielen Jahrzehnten wird im Holzberg geklettert und jedes Jahr haben sich hier tausende Kletterer und ihre Familien in dieser wunderbaren Natur erholt. Dabei haben die Besucher den Artenreichtum im Holzberg hautnah erlebt. All diese Menschen wissen um den unschätzbaren Wert dieses magischen Ortes und sind deshalb für seine vollständige Erhaltung auf der Basis der konsequenten Durchsetzung des Bundesnaturschutzgesetzes eingetreten. Die daraufhin erfolgte Aussperrung der Menschen aus dem Holzberg findet jetzt endlich ein Ende.
Bleibt zu hoffen, dass sich auch der Eigentümer jetzt aktiv an der Suche nach einem Alternativstandort beteiligt und die Zeit der Konfrontation am Holzberg endlich zu Ende geht.

Dem ist nichts hinzuzufügen!

Der Donnerstag war der lang erwartete Meilenstein, der sich beim erwähnten Pingpong-Spiel zu einem echter Brocken entwickelt hatte. Nun ist er erst einmal aus dem Weg gerollt ein guter Moment, sich bei allen zu bedanken, die sich bisher für die Sache eingesetzt haben und ohne deren Engagement, Zeit und Nerven wir nie so weit gekommen wären. Die Reihenfolge ist frei gewählt und wir hoffen, niemanden vergessen zu haben:

Gunter Winkler und Christian Krönert sowie die Bürgerinitiative Böhlitz und der BUND Sachsen
die  Holzbergfreunde, die neben der Bürgerinitiative als erste auf die Problematik in der Öffentlichkeit aufmerksam gemacht haben
Matthias Ladusch und Lutz Zybell vom Landesverband des DAV
Gerald Krug, nicht nur in seiner Funktion als Ansprechpartner für alle Nicht-Sandsteinklettergebiete in Sachsen
Toni Werner, Sektion Leipzig des DAV und Andreas Wrappler, Volker Beer, Mario Patzer und viele mehr vom Arbeitskreis Holzberg des DAV Leipzig
Patrick Kliszak und Mario Frosch von der IG Klettern Mittelsachsen
der Bundesverband des Deutschen Alpenvereins und die Bundeskommission Klettern & Naturschutz des Deutschen Alpenvereins
Kletterschule Felsenfest, der tapir-Store Leipzig, die Blocschmiede Magdeburg, die Boulderhalle Kosmos Leipzig, der Blog kletterblock.de
ein großer Dank geht auch an die übergeordneten Behörden in Dresden

Nicht aufzuzählen sind all jene, die mit ihrer Spende den langen Weg bisher unterstützt haben und immer wieder auch Mut gemacht haben, wenn die handelnden Protagonisten schon mal den Kopf in den Sand stecken wollten. Es war die richtige Entscheidung aller, nach anfänglichen, persönlichen Unstimmigkeiten seit Beginn des Jahres an einem Strick zu ziehen, gemeinsam aufzutreten und somit die Kräfte zu bündeln.

Es ist ein erster Schritt, doch noch immer steht die (Teil-)Verfüllung des Holzberges im Raum. Auch wenn vielleicht mit der Rückkehr der Kletterer gefühlt noch mehr Ruhe in der Causa Holzberg einziehen wird  es braucht langfristig eine Lösung, wahrscheinlich einen neuen Standort für KAFRIL, damit uns allen auch über den Mai 2022 hinaus der Holzberg komplett erhalten bleibt. Es geht um eine Zukunft mit einem sanften, nachhaltigen und naturverträglichen Klettersport in den Hohburger Bergen. Und darüber hinaus auch weiterhin um die Null-LKW-Lösung  am Holzberg!

Wir sehen uns an der Wand und halten euch auch weiterhin auf dem Laufenden.

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