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Testbericht: Zelt Telos TR2 von Sea to Summit – Platz ist in der kleinsten Hütte

Testbericht: Zelt Telos TR2 von Sea to Summit – Platz ist in der kleinsten Hütte

Wir kennen Sea To Summit als eine Marke aus Down Under, die uns immer wieder damit verblüfft, wie klein und trotzdem funktional man Outdoor-Equipment entwickeln kann. Es war abzusehen, dass sie irgendwann den Einstieg in die Produktion von leichten Trekkingzelte suchen würden. Und irgendwann ist 2022. Es hat drei Jahre intensiver Entwicklungszeit gebraucht und wir konnten im Herbst 2021 eins der beiden Modelle, das Telos TR2, auf unserer Testtour genau unter die Lupe nehmen. Wir, das sind Sandra und ich, zwei etwas kürzer geratene tapire, die schon in diversen Zeltmodellen nächtigen durften. Auf unserer Testtour haben der Wettergott und die Altmühl gut mitgespielt: Nebel inklusive Kondensfeuchte am ersten Morgen, trockener Sternenhimmel in der zweiten Nacht bis hin zu strömendem Morgenregen am dritten Tag hatten wir alles dabei. Also perfekte Bedingungen für einen Zelttest.

Im Zeltkosmos ist Jake Lah eine Legende. Zusammen mit ihm, dem Gründer und Chefdesigner von DAC, wurden die beiden neuen Zeltmodelle von Sea to Summit mit der revolutionären Tension-Ridge-Stangenkonstruktion ausgestattet, um mehr Wohnraum und eine bessere Belüftung im Zeltinneren zu erreichen. Dieses Gestängekonstrukt wirkt aufgebaut ziemlich spacig: Die Tension-Ridge-Architektur ermöglicht ein umgekehrtes Stangendesign, das sich nach oben neigt, um eine konkurrenzlose Innenhöhe, Deckenbelüftung, hohe vertikale Wände für komfortable dickere Schlafmatten sowie Kissen und einen leichter zugänglichen, trockenen Ein- und Ausstieg zu erreichen. Und das, ohne beim Gewicht Kompromisse einzugehen. Jake Lah wird dabei so zitiert: „Obwohl die Lösung einfach war, stellte die Konstruktion des Tension Ridge erhebliche Herausforderungen dar. Indem wir den Winkel der Firststange umkehren, erreichen wir den besten Innenraum und die beste Belüftung ihrer Klasse, ohne das Zelt schwerer oder voluminöser zu machen.“

Klingt gut und verspricht trotz schmaler Grundfläche ungestörten Schlafkomfort.

Kein Wunder also, dass sich Rando, unser Zeltplatzwart, im Vorfeld von der Idee des Telos TR2 ziemlich begeistert zeigte. Er hat uns das leichte, freistehende Zelt für die Testtour im Altmühltal wärmstens ans Herz gelegt. Das 2-Personen-Zelt mit innenliegendem Gestänge wurde von den Australiern mit einem Innenzelt ausgestattet, welches über der wasserdichten Bodenwanne komplett aus einem sehr luftigen, feinmaschigen Polyester-Meshgewebe besteht, das perfekt mit den in die Außenzelt-Eingänge integrierten Boden- und den im Zeltfirst liegenden Dachlüftern harmoniert. Da sollten eine gute Belüftung und wenig Kondensfeuchtigkeit in allen Wetterlagen möglich sein.

Der Boden ist mehrfach beschichtet und hat eine Wassersäule von 2.500 mm. Der Raum wirkt auf dem Papier zunächst knapp bemessen, doch durch die Tension-Ridge-Geometrie des Gestänges soll man gefühlt mehr Platz im Inneren haben. Die zu den Eingängen hin ansteigende Firststange sorgt für viel Bewegungs- und Kopffreiheit im Innenzelt und für außerordentlich großzügige Eingänge. So sollte das Rucksackpacken im Zeltinneren keine Probleme bereiten. Das Außenzelt mit seiner hochwertigen Sil-PeU-Beschichtung (hydrolyseunempfindliches Polyether-Urethan auf der Innenseite mit UV-resistentem Silikon auf der Außenseite) verspricht langanhaltende Wetterfestigkeit und UV-Beständigkeit.

  • Gesamtgewicht: 1.660 g / zusätzlicher Lightfoot-Zeltboden: 240 g (wobei wir mit der größeren Bigfoot-Zeltunterlage auf Tour waren)
  • Außenzelt: 15 D Nylon, außen Silikon-, innen Polyether-Urethan-beschichtet, 1.200 mm Wassersäule
  • Innenzelt: 15 D Polyester-Mesh
  • Boden: 20 D Nylon, außen silikon-, innen Polyether-Urethan-beschichtet, 2.500 mm Wassersäule
  • Gestänge: DAC Aluminium NSL Ø 8,7 / 9,0 mm
  • Zeltunterlage: 68 D Polyester, polyurethanbeschichtet, 1.200 mm Wassersäule
  • zwei gegenüberliegende Eingänge mit Apsiden (Stauraum)
  • Lieferung im dreigeteilten FairShare-Packsack
  • unterschiedliche Aufbaumöglichkeiten

Das Paket, welches Carsten uns bei der Verteilung der Testsachen in die Hand gedrückt hat, ist ziemlich klein dafür, dass wir zu zweit bequem Platz in diesem Zelt finden wollen. Aber wir sind ja nicht so lange unterwegs, das wird für drei Nächte schon funktionieren. Zu dem kleinen Packmaß kommt, dass alle Zeltbestandteile in drei seperate Packsäcke aufgeteilt werden. Bei Sea to Summit läuft das unter der Rubrik: Fairshare Storage System – die Zeltlast wird auf zwei Rücken verteilt. Außerdem haben sich die Australier trotz Gewichtsreduzierung viele kleine Detaillösungen einfallen lassen, die uns (fast) alle überzeugt haben.

Die Packsäcke sind multifunktional einsetzbar: Die Tasche für die Zeltstange lässt sich ganz einfach an der Decke des Zeltes befestigen und dient zusammen mit einer Stirnlampe als Deckenlicht-Diffusor, die beiden Packsäcke für Innen- und Außenzelt dienen als Ecktaschen (mit Druckknöpfen zu befestigen) und bieten somit zusätzlichen Stauraum für persönliche Gegenstände im Zeltinneren. Beim Telos TR2 reden wir über ein Zelt mit innenliegendem Gestänge, das heißt, wir können den Sternenhimmel bewundern, indem wir nur das Innenzelt aufbauen. Bei schlechtem Wetter wird das Überzelt übergeworfen und befestigt. Und das Zelt lässt sich auch einfach nur als Shelter aufbauen (Hangout Mode): Das Außenzelt wird in einen halboffenen Unterstand verwandelt. Perfekt zum Kochen, für geselliges Beisammensein oder um sich vor Wind und Wetter zu schützen. Dazu braucht es die Trekkingstöcke oder das separat erhältliche Hangout Mode Pole Set. Coole Idee! Fast schon erwartungsgemäß hat Sea to Summit bei den Heringen gespart. Es sind scharfkantige Winkelheringe, das Handling würde spannend werden.

Das Zelt wiegt mit all seinen durchdachten Features 1.660 g. Es mag noch leichter gehen, doch dann heißt es im Hinblick auf Komfort, etwas kompromissbereit zu sein. Zu dem Grundgewicht kommt noch die 385 g schwere Bigfoot-Zeltunterlage, über die wir angesichts des Regens am dritten Tag ziemlich froh war. Die Zeltunterlage passt nicht nur unter das Innenzelt, unsere Rucksäcke im Vorzelt lagen auch vom Boden her einigermaßen trocken.

Wie in unserem kleinen Video zu sehen, lässt sich das Zelt einfach und auch schnell aufstellen, wobei Letzteres vor allem bei schlechtem Wetter wichtig ist, damit das Innenzelt nicht zu nass wird. Die farbigen Markierungen sind für den Aufbau selbsterklärend. Ein zusätzliches Abspannen war selbst bei der extremem Feuchtigkeit am ersten und dem Nieselregen am letzten Abend nicht notwendig, der Schnitt des Überzeltes ist passgenau. Das Telos TR 2 verfügt über zwei Belüftungsmöglichkeiten: Es gibt einen regensicheren Lüfter im Dach und die zusätzliche Lüftung über den Apsiden (nicht regensicher) ermöglicht bei trockenem Wetter eine sehr gute Belüftung. Die Heringe … okay, da streiten sich die Geister. Ja, ich finde auf Tour meist einen Stein, um die Heringe im Boden zu versenken. Trotzdem: Unser Ding sind diese leichten Heringe nicht. Sandra hat es gut auf den Punkt gebracht: „Die Heringe sind leicht, aber durch ihre „Schärfe“ super mistig in der Handhabung; mit den Händen kann man sie gar nicht in die Erde bringen (nicht mal in eine durchweichte Wiese), das tut nur sauweh und Schuhe mit dünnen Sohlen macht man sich definitiv kaputt.“

Sandra und ich gehören bekanntermaßen nicht zu den Längsten unter den tapiren. Der Platz im Innenraum ist für kleinere Menschen ausreichend, bei uns passt ans Fußende auch noch ein Rucksack. Größere unter uns nutzen dafür den Stauraum in den Apsiden. Die, wie im Video zu sehen, sehr großzügigen Eingänge ermöglichen den vollen Zugriff auf die jeweilige Apsis, in denen unsere Tourenrucksäcke (bis 40 Liter) gut Platz gefunden haben. Radtaschen wären auch kein Problem.
Die Designer bei Sea To Summit haben so viel kreativen Gehirnschmalz entwickelt, dass wirklich alles einsetzbar ist, wenn das Zelt steht. Eine sehr großzügiges Flap, das im Himmel eingehakt werden kann, bietet Platz für schnellzugängliche Kleinteile. Wir waren begeistert. In die perfekt platzierten Seitentaschen passen nicht nur Smartphone und Schoki rein. Und wer noch mehr Stauraum benötigt, kann die kleinen Packtaschen als zusätzlich einknöpfbare Zelttaschen nutzen. Auch der Gestängesack liegt nicht einfach leer im Vorzelt rum: Mit LED-Lichtleisten oder der Stirnlampe kann er auch als Zelt-Deckenbeleuchtung genutzt werden.

Flo hat sich auf der Tour als ziemlich langer tapir ins Zelt gesetzt, wir waren neugierig: Ja, er kann sitzen und wenn man leicht unterwegs sein möchte und dementsprechend kompromissbereit ist, dann passt das Zelt auch für lange Menschen. Wer ein klein wenig mehr Komfort für sich beansprucht und über 1,85 m lang ist, für den wird es etwas knapper mit dem Platz im Zelt (Liegelänge und Sitzhöhe).

Über die Zeltbehausung haben wir jetzt ausführlich gesprochen. Kommen wir am Ende noch zu den weiteren Aufbaumöglichkeiten, mit denen ihr gewichtssparend und puristisch unterwegs sein könnt.

Eine Hängematte kann man aus dem Telos nicht bauen, doch ihr könnt das Außenzelt auch einfach nur als Shelter nutzen, wofür separate Aufstellstangen, Wanderstöcke oder Äste benötigt werden. Bei den Australiern läuft diese Aufbauweise unter der Bezeichnung „Hangout Mode“. Funktioniert sicher auch am Strand – dann als „Sunshade-Mode“. Ihr könnt das Außenzelt auch einfach als Tarp nutzen; mit dem unterlegten Boden habt ihr zusätzlichen Wetterschutz von unten. Oder unterm Sternenhimmel lasst ihr einfach das Überzelt weg – frische Luft gibt es dann zum Sternenbild obenauf.

In Vorbereitung der Testtour hatten Sandra und ich uns entschieden, das Telos TR2 in der klassischen Zeltvariante zu nutzen. Für alle, denen der Aufbau im Video zu schnell ging – Sandra stand schließlich im Wettbewerb mit Rando sowie Flo und Hugo – für die kommt hier nochmal der Aufbau in Einzelbildern:

Das Telos TR 2 ist für alle, die mit kleinem Packmaß und leicht unterwegs sein wollen, ein tolles kleines Zelt mit perfektem Schnitt und sehr vielen durchdachten Details. Nutzt man das Sea to Summit-Zelt nicht als Shelter, können die zusätzlichen Abspannleinen daheim bleiben, wieder ein paar Gramm eingespart. Für uns ein riesengroßes Plus sind die separaten Packtaschen – super, um das Zelt beim Transport gut aufzuteilen oder wenn es nass eingepackt werden muss (Innenzelt bleibt trocken). Einziges kleines Manko: Die mitgelieferten Heringe haben wir auf der Testour genutzt, privat würden wir sie sofort austauschen und dann die paar Gramm mehr wiederum in Kauf nehmen. Das Zelt hat mit seinen 579,95 Euro sicherlich seinen Preis, doch die Summe ist gut angelegt.

Wenn euch das Innenzelt zu viel Mesh hat, entscheidet ihr euch vielleicht für das mit 1.710 g etwas schwere Telos TR2 Plus (619,95 €), ausgestattet mit einem winddichten, atmungsaktiven Nylon-Innenzelt, das in kalten Nächten mehr Wärme zurückhält. Die Bigfoot-Zeltunterlage für die Plus-Variante wiegt 385 g und ist aus einem 68D Polyester-Material gefertigt.

Telos TR2

Telos TR2

579.95€

Telos TR2 Plus

Telos TR2 Plus

619.95€

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