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Zu Besuch beim Kletterschuhdoktor

Zu Besuch beim Kletterschuhdoktor

Während unserer tapir-Testtour 2022 machten wir auf dem Weg ins Osterzgebirge Station in Weinböhla. Wir waren neugierig, denn der Ruf von Thomas Weigel und seinem Team lässt sich schon jetzt mit „legendär“ beschreiben. Trotz 35 °C+ wollten wir einen langen Blick in die kleine Werkstatt am Ortsrand von Weinböhla werfen, in der euren euch liebgewonnen, gut eingetragenen Kletterschuhen wieder Leben eingehaucht wird. Mehr als beeindruckt verließen wir die Räume wieder und nehmen euch daher heute gern mit auf einen Rundgang beim Kletterschuhdoktor.

Aus dem gemeinsamen Leben von Füßen und Kletterschuhen:

Das erste Aufeinandertreffen ist in der Regel ziemlich schmerzhaft. Zehen und Ferse schicken Signale nach oben, ob man es ernst meinen würde, dass der Fuß jetzt sich in diesen Schuh reinquetschen muss. Wirklich jetzt, das passt nie und nimmer?! Gut, dass es die Anziehschlaufen gibt, freiwillig rutscht der Fuß selten in den Schuh.

Das erste Mal an der Wand? Aua … und es wird eine Zeit dauern, bis Füße und Schuh sich einig, quasi eins miteinander geworden sind. Nur das Wissen, dass es mit jedem Mal klettern besser werden wird, lässt einen durchhalten. Und plötzlich ist alles schick. Der Schuh unterstützt nach der mehr oder weniger langen Eintragezeit die Performance in der Wand. Cool. Möge die Beziehung ein Leben lang halten. Seufz!

Doch mit jedem Antreten an der Wand wird der Gummi dünner, schleift sich die Sohle ab. Unausweichlich kommt der Moment, wo man sich mit sich selbst auseinandersetzen muss. Beginne ich heute wieder mit dem sicher erneut schmerzhaftem Prozess des Kennenlernens neuer Schuhe oder lasse ich die Schuhe beim Kletterschuhdoktor verarzten? Großes Dilemma und manchmal dauert der Entscheidungsprozess so lange, bis zudem auch noch ein Loch im Schuh geflickt werden muss. Tja, und spätestens jetzt muss eine Entscheidung fallen: Neu besohlen oder sich verabschieden (und das schmerzvolle Eingewöhnen beginnt von vorn)?

Es werden immer mehr, die sich zumindest beim ersten Loch noch für eine Neubesohlung entscheiden. Im Jahr 2021, unter Coronabedingungen mit geschlossenen Hallen und eingeschränktem Klettervergnügen, haben wir 308 Paar Kletterschuhe allein nach Weinböhla geschickt. Jetzt, Mitte August 2022, haben wir diese Zahl schon längst überschritten. Es gibt viele gute Gründe, Schuhe neubesohlen zu lassen. Wie das funktioniert und warum bei dem einen Schuhmacher gerade bei den Performance-Schuhen bessere Ergebnisse herauskommen, das wollten wir uns mal von Nahem anschauen. Wir tapire haben das Glück, dass Weinböhla für uns nicht ganz aus der Welt ist, schließlich wollten wir mit dem Gros des Teams vorbeischauen.

Seit mehr als 25 Jahren gibt das Team um Melanie und Thomas Weigel alles, damit eure Kletter- oder Boulderschuhe eine lange Lebensdauer haben. Egal, ob die Sohle nur durchgeklettert oder der Schuh gleich noch mit Löchern in den Schuhspitzen eingeschickt wird, das Team nimmt sich der Herausforderungen an. Sie überzeugen mit technischer Perfektion und Liebe zum Detail, was auf den ersten Blick um so erstaunlicher erscheinen mag, weil beide Chefs keine Kletterer sind – und laut eigener Aussage auch nie waren oder es mal sein wollen. Doch Thomas ist eben Schuhmacher und ein Handwerker mit Leib und Seele. Da ist es ihm vollkommen egal, welcher Schuh den Weg zu ihm findet.

Heute sind es v. a. Kletter- und Boulderschuhe, die darauf warten, repariert bzw. neubesohlt zu werden, neben anderen Schuhen, die aber deutlich in der Minderheit sind.

Thomas und Melanie versuchen, die Reparaturen mit Originalprodukten namhafter Hersteller auf höchstem handwerklichem Niveau auszuführen. Dank ihrer jahrelangen Erfahrung werden alle Schuhe, egal ob mit oder ohne Vorspannung, ob No-Edge –Besohlung oder Vibram oder oder oder … wieder fit gemacht. Wir haben vor den Regalen mit den Sohlen, vor den langen Regalreihen mit den vielen unterschiedlichen Leisten gestanden: echt beeindruckend und spannend, auch mal alles in der Hand zu haben.

Mit seiner Fachkompetenz beim Neubesohlen hat das Team auch La Sportiva überzeugt: Der Kletterschuhdoktor ist autorisierter Resoler der Norditaliener. Heißt: Alle Kletter- und Boulderschuhe von La Sportiva werden mit Originalmaterialien unter Einhaltung vorgegebener Qualitätsmerkmale – wozu auch neben dem Handwerk auch eine spezielle Maschine gehört – neubesohlt. Und habt ihr es geschafft, dass Laschen ausgerissen oder Schuhbänder, Patches u. ä. sich verabschiedet haben, werden auch sie original ersetzt.

Bevor ihr jetzt gleich alle eure Lieblingsschuhe von La Sportiva zu uns bringt: Bitte beachtet, dass eine Originalbesohlung nur möglich ist, wenn
– die Schuhe nicht über das normale Maß verschlissen ist und
– die Schuhe noch nicht anderweitig besohlt worden sind.

 

Neben der „Standard-Kletterschuhbesohlung“ wird der Randgummi, wenn er schon sehr dünn ist (oder ein Loch hat), automatisch mit ersetzt. Eine reine Neubesohlung macht sonst keinen Sinn. Geht das Loch im Randgummi tiefer, muss vielleicht auch ein Stück Leder (Riester) oder ähnliches eingesetzt werden, da das reine „Zusammennähen“ oder Kleben sonst nicht funktionieren würde. Ob eure Schuhe noch weitere (Schönheits-)Reparaturen bekommen sollen, könnt ihr selbst entscheiden. Da geht es zumeinst um losere Klettbänder und Ähnliches.

Neu für uns war, dass bei Weigel nicht nur Wanderschuhe neu besohlt werden, sondern auch Schuhe (etwas) geweitet werden können. Die Maschine habe ich mir mit meinen kurzen Quadratfüßen sehr genau angesehen.

Wenn man sieht, wie viele Paar Schuhe täglich beim Kletterschuhdoktor ankommen, dann hätten wir uns das Team viel größer vorgestellt. Neben den beiden „Urgesteinen“ Thomas und Melanie gibt es noch zwei Mitarbeiter – es könnten, so sagen sie selbst, durchaus auch mehr sein. Aber das kennen wir alle: Gute Leute zu finden, ist immer nicht so einfach.

Der ganze Prozess vom Schuheingang bis zur Rücksendung erscheint bei Thomas und Melanie perfekt eingespielt, auch wenn gerade Melanie, die für die ganze interne Logistik verantwortlich ist, noch an der ein oder anderen Stellschraube drehen will. Thomas weiß, was er kann, und erweitert seine Werkstatt bei aller Handarbeit auch um neue Geräte. Letztere allein machen die Arbeit vielleicht an der ein oder anderen Stelle etwas einfacher und schneller, aber die Handarbeit bleibt, der fertig besohlte Schuh braucht den erfahrenen Handwerker für den letzten Schliff.

Wenn ihr eure Schuhe neubesohlen müsst, könnt ihr euch auf den Seiten des Kletterschuhdoktors gut über die Sohlenarten und die Materialeigenschaften vorinformieren. Oder ihr fragt dann einfach uns, wenn ihr bei uns im Service eure Schuhe abgebt.

Wir sehen uns – im tapir oder an der Wand.

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