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Kletterschuhe: Wann neu besohlen?

Wer regelmäßig klettern oder bouldern geht, der kennt das schon: Zuerst sind es kleine Risse an der Fußspitze,  dann verabschiedet sich langsam der Rest der Sohle. Was nun? Neuer Kletterschuh oder lohnt es vielleicht doch, den Tretern eine neue Sohle zu verpassen? Bei steigenden Preisen von neuen Kletterschuhen greifen immer mehr zur Alternative der Neubesohlung.

Kletterschuhe neu zu besohlen ist sicherlich die ressourcenschonendste Variante – sowohl, was euren Geldbeutel angeht als auch bezüglich der Nachhaltigkeit. Auch eure Füße werden sich freuen, haben viele von euch doch genau dann, wenn die ersten Löcher entstehen, den oft schmerzhaften Prozess des Einkletterns von Kletterschuhen gerade hinter sich gebracht. Jeder muss das für sich abwägen, denn klar ist auch: Trotz aller Bemühungen verändert sich nach der Neubesohlung das Trittgefühl, wird eine Präzision wie sie von einem neuen Schuh zu erwarten ist, nicht wieder erreicht. Seid ihr ambitionierter am Fels unterwegs, kommen die neubesohlten Schuhe dann eher beim Einklettern, Bouldern in leichten Routen oder in der Halle zum Einsatz.

Die Sohle trägt entscheidend zur Charakteristik eines Kletterschuhs bei. Die Herstellung stark haftender Gummimischungen ist quasi reine Alchemie, damit sichergestellt wird, dass ihr bei guter Trittechnik auch dann nicht abrutscht, wenn ihr auf Reibung auf blankpoliertem Kalkstein steht oder wenn weicher Sandstein unter euren Fußspitzen bröckelt.

Die Gummimischung ist eine echte Glaubensfrage und kann auch eigentlich nicht losgelöst vom Kletterschuh und seiner Passform beantwortet werden. Die Performance am Fels, in der Halle oder beim Bouldern ist halt von vielen Komponenten abhängig. Probieren geht auch hier über Studieren, doch für die Newbies unter uns haben wir eine kurze Zusammenfassung zu den Sohlen, die euch beim Nachbesohlen in Weinböhla zur Verfügung stehen.

Vibram Grip: Solider Gummi, der vergleichsweise gute Abriebsfestigkeit aufweist, ansonsten aber durch keinerlei besonderen Materialeigenschaften heraussticht. Sein einziger Vorteil: preiswert.

Vibram XS Grip: Guter Gummi, der etwas griffiger als der normale Vibram Grip ist. Auch hier ist ein gutes Verhältnis von Reibung und Abrieb gegeben.

Vibram XS Grip 2: Ist eine Weiterentwicklung des Vibram XS Grip und zeichnet sich durch nochmals verbesserte Reibungseigenschaften, Abrieb und Kantenstabilität aus. Besonders empfehlenswert für Kletterer, denen Reibung das Wichtigste ist. Ist sensibler, nutzt sich aber auch schneller ab.

Vibram XS Edge: Ist hinsichtlich des Abriebs und der Haltbarkeit wesentlich besser als der XS Grip 2, dafür aber bei den Reibungseigenschaften schlechter. Besonders zu empfehlen, wenn das Anstehen auf kleinen Tritten besonders wichtig ist und wenn es um die Haltbarkeit geht.

Vibram Flash Indoor: Gelber Gummi, welcher keine Spuren an der Wand hinterlässt. Vorwiegend für drinnen konzipiert, gute Reibungswerte an Kunstwänden. Gummi nur in 5 mm Stärke (normal 4 mm) daher längere Zeit bis zur nächsten Neubesohlung, aber auch etwas weniger Gefühl beim Antreten.

Vibram No-Edge: Besondere Verarbeitung des Gummis, vom Material her eine 3,5 mm dünne XS-Grip2-Sohle. Keine Kante, dafür eine Sohle, die vom Unterfuss bis über die Zehen hochgezogen ist. Eine stabile Kante für das Antreten an kleinen Leisten und Mikrotritten fehlt, dafür erzeugt diese Form der Schuhspitze nach etwas Eingewöhnung aber eine große Sensibilität und Nähe von Fuß und Fels.

Boreal FS Quattro: solider Gummi, gut für Reibungskletterei, dafür trotzdem hohe Kantenstabilität und sehr gut für Klettertouren mit Mikroleisten und kleinen Löchern. Allerdings ist der Abrieb etwas höher als bei vergleichbaren Vibram-Gummis.

Boreal Zenith: Ist wesentlich weicher als FS Quattro. Durch verbesserte Reibungseigenschaften ist er für Reibungstritte und kleine Kanten top, bei extrem kleinen Mikroleisten ist der FS Quattro jedoch vorzuziehen und auch der Abrieb ist etwas höher als bei vergleichbaren Vibram-Gummis.

Grippin Sticky: Ihre Stärken spielt die eher weiche Sohle vor allem bei Reibungstritten aus, genauso wie sie mit ihrer Kantenstabilität überzeugt.

 

Einige von euch werden jetzt hier die FiveTen-Sohlen vermissen. Der Stealth C4 ist ein sehr weicher Gummi mit einer guten Haftung auf Reibungstritten bei ebenfalls sehr guter Kantenstabilität. Man könnte sie mit der Vibram XS Grip 2 vergleichen. Im Gegensatz dazu ist die Onyxx-Sohle der etwas härtere Gummi und damit perfekt geeignet für ein präzises Antreten bei hoher Kantenstabilität. Im Vergleich mit Vibram kommt die XS Edge der FiveTen-Sohle am nächsten. Der Kletterschuhdoktor kommt aktuell nicht an diese Gummis, hat aber, da die Modelle auch immer stärker vertreten sind, dafür die Ocun-Sohlen in sein Programm aufgenommen.

Die Reibung des Gummis der Sohlen von Kletterschulen steht immer wieder im Mittelpunkt der Diskussionen. Doch nur im Neuzustand „kleben“ Kletterschuhe – je mehr Dreck oder Staub mit dem Gummi in Berühung kommt, desto mehr setzen sie dem Gummi zu. Die Sohle wird glatter, einige sprechen gar von Schmierigkeit. Spuren mechanischer Beanspruchung werden immer deutlicher, je älter die Schuhe sind.

Dem Prozess entgegenwirken kann man, wenn man die Schuhe, v. a. die Sohlen, mit warmem Wasser abspült, den Dreck qausi rausdrückt aus der Sohle. Außerdem hilft es, die Schuhe gut zu lüften nach dem Klettern (nicht in einer Plastiktüte verstecken, sondern lieber in einem Netzbeutel lagern). Kletterschuhe sind auch keine „Hausschlappen“: Unabhängig von der Abnutzung, über die wir eingangs schon gesprochen haben, lässt auch schnell die Spannung des Schuhs nach, wenn wir ihn lange am Fuß tragen oder gar den Schuh im Fersenbereich „runter treten“, wenn wir in den Pausen in der Halle die Schuhe nicht ausziehen. Die Lebensdauer verlängern kann man auch, wenn man Sonne und UV-Strahlung vermeidet. Beides greift nicht nur das Obermaterial an, sondern auch den Sohlengummi. Doch nicht nur die unmittelbare Sonneneinstrahlung kann den Schuh schneller altern lassen. Die Schuhe sollten auch nicht unbedingt in südlichen Gefilden in der Mittagssonne im Auto liegen bleiben, wenn im Innenraum Temperaturen jenseits der 50 °C entstehen können. Und last but not least: Eine saubere Tritttechnik und Körperspannung können weiterhelfen. Antreten, Fuß belasten und weiter klettern. Einfach – oder? Und wenn dann doch die Risse und Schuppen im Zehenbereich nicht mehr wegzurubbeln sind, dann hilft eben doch nur noch die Neubesohlung. Es sollte nicht immer bis zum Loch im Schuh weitergeklettert werden.

In der Regel schicken wir die Schuhe von euch nach Weinböhla zu Thomas Weigel (Kletterschuhdoktor). Dort werden für die Neubesohlung die gängigen Gummisorten von Vibram, Ocùn und Boreal eingesetzt. In mehr als 20 Jahren haben sich die Werkstätten in Dresden und Weinböhla einen guten Ruf erarbeitet. Wollt ihr eure Schuhe besonders schnell wieder nutzen, können wir euch auch weiterhelfen: Die Schuhe gehen dann nach Castrop-Rauxel zum Schuhmacher/ Kletterschuhmeister, der seit diesem Jahr „Climbing Authorized Cobbler “ von Vibram ist. Bei ihm dauert es eine Woche (zur Zeit auch hier etwas länger) und es gibt nur die Möglichkeit einer Vibram-Besohlung.

Natürlich könnt ihr bei uns auch ein neues Zweitpaar (oder Drittpaar) zum Klettern oder Bouldern bekommen 🙂 , doch darum sollte es in diesem Beitrag nicht gehen. Wir sehen uns an der Wand!

Aktuell warten mehr als 50 Paar Kletterschuhe darauf, ihren Besitzern wieder zugeführt zu werden. Auch wenn es morgen noch nicht gleich losgehen wird: Vielleicht wollt ihr ja eure Schuhe trotzdem schon eher zurückholen? So lange wir noch geschlossen haben, könnt ihr euch dazu telefonisch (10-18 Uhr) oder per E-Mail mit unserem Service in Verbindung setzen und dann kommen unsere Rad-Kuriere Micha und Laura auch bei euch in Leipzig vorbeigefahren und bringen euch die Schuhe zurück.

Nachtrag 20.4.: Nun hat der tapir auch von Montag bis Freitag zwischen 12:00 und 18:00 Uhr geöffnet. Wir freuen uns, euch eure neubesohlten Kletterschuhe auch im Laden wieder übergeben zu können!

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