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Teaserbild: Vorbereitung auf zweijährige Radweltreise

Vorbereitung auf zweijährige Radweltreise

Unsere Radreise soll durch Zentralasien, China und Osttibet führen, eventuell überwintern wir dann in Australien oder reisen durch Südostasien. Anschließend fliegen wir nach Kalifornien, um von dort aus durch die USA, Kanada und Alaska zu radeln. Mit dem Flugzeug geht es weiter nach Südamerika, vermutlich über Santiago de Chile Richtung Feuerland. Dann nehmen wir den günstigsten Flug zurück nach Europa und fahren nach Hause. Insgesamt planen wir 2-2,5 Jahre unterwegs zu sein.

„Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung“, wusste schon Wilhelm Busch. Und trotzdem elektrisierte mich das Gefühl, das da gerade meinen Körper befiel. Ausgerechnet in der lässigsten Chill-Out-Zone Laos‘, im Hängematten-Paradies der 4000 Islands. Ich lag mit Piccolo-Fläschchen auf einem großen Tubing-Reifen und plätscherte den Mekong entlang. Die Sonne hätschelte mein Gesicht, doch mein Puls rebellierte und ich zwang mich dazu, entspannt zu wirken. Innerlich hämmerte es: Das will ich auch! Unbedingt will ich das! Der Neid fing an zu piesacken, als wir Julia und Roger trafen. Ein Schweizer Paar, das auf dem Rad die Welt erkundete. Auch Daniel und ich bereisten ein ganzes Jahr die Kontinente, allerdings in muffigen Bussen und staubigen Zügen. Die niemals stoppten, wenn uns danach war. Noch nie zuvor bewunderte, beneidete ich Menschen mehr als die beiden Radler. Das Gefühl provozierte, befahl mir, es ihnen gleich zu tun. „Jetzt machen wir erst einmal diese Reise“, ermahnte mich Daniel, die Rad-Schwärmerei endlich zu lassen. Doch bald stimmte auch er dem Vorhaben zu.

Routenplanung
Zurück zu Hause fegen wir die Reste der Wiedersehens-Party zusammen – und brainstormen für die nächste Weltreise, dieses Mal auf dem Rad. Welche Länder und Gebiete möchten wir unbedingt erleben? Zentralasien, Alaska, Patagonien, mein Herz schlägt Purzelbaum. Dann recherchieren wir die jeweils besten Reisezeiten. Wer will schon festsitzen im verschneiten Pamir oder dahinsiechen in der Hitze der Gobi? Schritt für Schritt puzzeln wir uns eine Route: Zentralasien, China, Osttibet, vielleicht überwintern in Australien, dann in die USA, Kanada, Alaska, schließlich nach Südamerika fliegen und nach Feuerland radeln. Zwei, zweieinhalb Jahre wird es wohl insgesamt brauchen. 

Budget
Ein recht gutes Gespür für die alltäglichen Kosten entwickelten wir während der ersten Langzeitreise 2013/14 durch 12 Länder dieser Erde und peilen Ausgaben im Gegenwert eines Kleinwagens an. Groben Berechnungen zufolge glauben wir etwa zwei Jahre sparen zu müssen, bis das Geld für den nächsten Trip beisammen ist. Daniel verkneift sich die Dreiviertel-Stelle, schafft weiter Vollzeit. Ich arbeite auch an Wochenenden und springe für jeden kranken Kollegen ein. Auf’s Mensen verzichte ich, wir beide auf exotische Urlaube. Unsere Familien beschweren sich über die ständig gleichen Wünsche zum Geburtstag und Weihnachten: Gutscheine, Gutscheine, Gutscheine…

Know-How
Wir essen Reiseführer zum Frühstück und verschlingen Forenbeiträge zum Abendbrot. Mit Carsten vom tapir feilen wir stundenlang an der Ausrüstung; eigentlich hätten wir gleich im Laden biwakieren können? Daniel nutzt die freien Nachmittage zwischen Nachtdiensten für Crashkurse im Radladen um die Ecke. Zudem besuchen wir gezielt Reisevorträge und stürzen uns mit Fragen auf die Referenten.

Die Fahrräder
Wir fahren auf robusten Reiserädern der Marke Patria (Modell: Terra). Die Stahlrahmen sind extrem stabil und lassen sich – im Gegensatz zu Aluminium – in jeder Ecke der Welt im Notfall schweißen. Gepäckträger und Lowrider von Tubus tragen Radtaschen von Ortlieb. Im Hinterrad sitzt eine Nabenschaltung von Rohloff mit Kettenantrieb. Wir haben uns nach langer Überlegung gegen Felgenbremsen und für hydraulische Scheibenbremsen entschieden – und bislang nicht bereut. Ich würde unbedingt die gehärteten Bremsbeläge empfehlen, die sind zwar teurer, halten aber um Welten länger als die üblichen Pads. Sehr empfehlenswert sind „unplattbare“ Reifen von Schwalbe (Marathon Mondial), die halten tatsächlich tausende Kilometer ohne Plattfuß. Wichtig sind Ersatz- (ein paar Speichen, Bremsscheibe, Kettenschloss, Schrauben, Flicken) und Verschleißteile (Bremsbeläge, ein paar Schläuche) in ausreichender Menge. Man muss sicher kein promovierter Radmechaniker sein, sollte aber grundlegende Reparaturen selbst durchführen können.

Navigation
Wir navigieren mit Hilfe eines einfachen Smartphones und der Android-App OsmAnd. Die bietet weltweite Offline-Karten, die üblichen Papierkarten haushoch überlegen sind. Damit ist es kinderleicht, mit dem Fahrrad sicher und schnell selbst in entlegenen Gebieten oder durch die Megastädte dieser Welt zu radeln. Das Handy wird dabei mittels Nabendynamo und Trafo (e-Werk von B&M) geladen. Besser ist sicher ein richtiges Navigationsgerät, aber das bringt zusätzliche Ausgaben und Gewicht mit sich.

Ausrüstung
Qualität hat oberste Priorität, schließlich soll das Equipment auch jahrelangem Dauereinsatz trotzen. Wir vertrauen auf ein sturmsicheres Zweipersonen-Zelt von Hilleberg (Nallo 2 GT) und kuschelige Winterschlafsäcke von Yeti sowie Kleidung aus Merinowolle. Extrem praktisch sind 10-Liter-Wassersäcke von Ortlieb, die nützen nicht nur zum Wassertransport, sondern ermöglichen mittels kleinem Aufsatz auch die abendliche Dusche. Ebenso genial: Mini-Wasserfilter von Sawyer. Die lassen sich sowohl auf Ortlieb-Säcke als auch die meisten PET-Flaschen schrauben und halten ewig. Das spart nicht nur viel Geld, sondern auch Müll. Auch top: der Multifuel-Kocher von Trangia, eine absolut rußfreie Angelegenheit. Gas- oder Spirituskocher würden wir nicht empfehlen, da die Rohstoffbeschaffung nicht immer sicher ist. Wichtig ist uns ein Ebook-Reader, wann haben wir schon einmal so viel Zeit zum Lesen? Ein halbes Jahr vor Reisebeginn testen wir die Räder und das gesamte Equipment auf einer ausgiebigen Alpentour.

Visa
Da wir nach Iran fliegen und von dort aus unsere Reise durch Zentralasien starten, beantragen wir den Großteil der Visa vorab in Deutschland. Die Unterlagen für das heikle Turkmenistan-Visum reiche ich persönlich an der Botschaft in Berlin ein – glücklicherweise! Denn die Turkmenen listen nicht alle notwendigen Dokumente auf ihrer Homepage auf … Zudem fordern wir einen Zweitpass im Leipziger Einwohnermeldeamt an. Wir wissen bereits, dass wir das China-Visum in keinem zentralasiatischen Land beantragen dürfen – eine Agentur wird also die Zweitpässe mit den entsprechenden Unterlagen zu gegebener Zeit an die chinesische Botschaft in Berlin senden und uns dann die Pässe mitsamt China-Visum nach Kirgistan schicken.

Bürokratie
Wir werden zu Marathonis in einem Bürokratie-Dauerlauf. Die Wohnung, Handy- und Internetverträge kündigen wir. Daniel auch die Krankenversicherung im Inland – die Krankenkassen sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihn bis zu 14 Tagen nach der Rückkehr aufzunehmen. Lasst euch keine teure Anwartschaft aufschwatzen! Da ich weiterhin immatrikuliert bleibe, muss ich im Inland krankenversichert sein. Wir schließen Reiseversicherungen ab, beantragen Nachsendeaufträge bei der Deutschen Post, melden den Wohnsitz um. Unseren Eltern erteilen wir General- und Kontovollmachten, fertigen ihnen Kopien der Reisedokumente an, schreiben Telefonlisten mit den wichtigsten Kontaktdaten. Übersichtlich notieren wir Kontodaten und Passwörter, sortieren sämtliche Aktenordner und briefen unsere Eltern. Schließlich müssen sie nahezu alle Anfragen der Behörden für uns klären. Wie wichtig und unerlässlich diese „Homebase“ ist, erfuhren wir bereits während der ersten Weltreise. Wir übergeben ihnen unsere Patientenverfügungen, im Ernstfall ein Anker für sie und die Ärzte. Es gibt sicher entspanntere Themen. Schon in dieser Phase sind wir unseren Eltern unendlich dankbar für ihre Unterstützung.

Kurz vor der Reise
Wir zählen Schmerztabletten ab, hinterfragen jedes einzelne Paar Socken, entscheiden uns für nur zwei Paar Schuhe. 1,5 Kilo sparen wir alleine durch die Entfernung der Radinnentaschen. Oma Else näht sich die Finger wund, verkleinert das Beautycase, fertigt eine extra leichte und stabile Stativ- und Kameratasche an. Müsli, Salz, Gewürze und eine Kakaomischung packe ich ein; letzteres auch ein Tipp der Oma, um wässriges Müsli aufzupeppen. Die ganze Familie ist inzwischen eingespannt, das Haus gleicht dem tapir-Laden, wenn auch deutlich chaotischer. Wir verstauen Ersatzteile in einer Kiste, womöglich müssen sie uns Eltern unterwegs zusenden. Nun noch Probepacken und alles auf die Waage legen: Daniels Ausrüstung wiegt mit insgesamt 10 Kilo (!) Foto-Equipment knapp 30, meine 20 Kilo. Das passt! Eine Gepäckliste reichen wir dem Reisegepäckversicherer ein. Auf die Benzinflasche für den Kocher kleben wir Sticker, damit sie am Flughafen getarnt als Trinkflasche durchgeht. Noch ein letztes Mal erkundige ich mich bei der Airline: Sind die Räder auch wirklich mitgebucht? Der Ebook-Reader wird mit Romanen und wissenschaftlichen Papers bestückt, damit der Kopf nicht völlig rostet. Nach und nach verabschieden wir Bekannte, unsere besten Freunde, unsere Familien, meine neugeborene Nichte. Mal tapfer, mal tränenreich. Ich bin so nervös, dass ich nun allabendlich ein Glas Wein zum Einschlafen hinunterzische. Schließlich stehen wir alleine mit riesigen Kartons am Frankfurter Flughafen. Hunderte Gedanken jagen einander. Bis mich der Check-In in die Gegenwart zurückholt. Die Räder werden abgenommen, das Gepäck vom Fördertunnel verschluckt. Was für ein Glück und Privileg, hier zu sein. Ich fühle mich angekommen, obwohl wir gerade erst starten.

Reisezeit
Im Grunde sind viele Länder der Erde zu (fast) jeder Jahreszeit mit dem Fahrrad bereisbar, letztlich alles eine Frage der persönlichen Leidensfähigkeit. Wir bemühen uns, stets zu klimatisch günstigen Zeitpunkten zu fahren, um extreme Temperaturen, hohe Niederschläge oder gesperrte Pässe zu vermeiden.

Anreise
Fahrräder lassen sich in vielen Bussen oder Zügen weltweit transportieren, auch die meisten Airlines bieten diesen Service gegen einen Aufpreis an. Die Räder sollten hierfür unbedingt gut verpackt und der Reifendruck reduziert werden. Am besten den Lenker quer montieren und alle empfindlichen Teile (Scheinwerfer, Schalt- und Bremshebel) lockern. Optimal ist der Transport in einem großen Karton oder einer Fahrradbox. Manche Airlines haben eigene Anforderungen, daher unbedingt alle Modalitäten im Voraus recherchieren und abklären. Wir fliegen von Frankfurt über Kiew nach Teheran. Der Transport der Räder kostet mit je 25 € erstaunlich wenig und verläuft schließlich problemlos.

Einreise
Je nach Land gelten andere Visa-Bestimmungen. Vorsicht: teilweise listen die Botschaften auf ihren Homepages nicht alle notwendigen Dokumente zur Visa-Beantragung auf und manche Länder tolerieren nicht ohne Weiteres Einreisestempel anderer Staaten im Pass, wie etwa die USA nicht den Iran, der Iran nicht Israel. Sehr hilfreich sind Zweit- oder gar Drittpässe, die zu Hause gelagert und im Bedarfsfall verschickt werden können.

Sprache
In den meisten Ländern der Welt wird man mit englisch gut vorankommen. In vielen Staaten Zentralasiens ist jedoch russisch weit verbreitet und englisch kaum gesprochen; in Südamerika wiederum spanisch, in weiten Teilen Afrikas französisch. Wer diese Gebiete intensiv bereisen möchte, ist mit einem Anfängersprachkurs gut beraten. Sehr hilfreich sind auch die kleinen Kauderwelsch-Sprachführer oder offline-Apps wie Google Translate oder Duolingo.

Geld
Vor Abreise informieren, ob es in den jeweiligen Zielländern überhaupt Geldautomaten gibt, die Kredit- oder EC-Karten akzeptieren. Wir müssen mehrere tausend Dollar und Euro (druckfrische Scheine!) in bar mitnehmen. Etwas riskant, aber nicht anders lösbar. Am besten mindestens zwei verschiedene Kreditkarten mitführen, falls eine verloren geht oder nicht funktioniert.

radreise-wiki und wikitravel
Die Fundgrube für alle (Rad)reisende.

meteoblue
Eine meteorologische Schatzkiste mit archivierten Klimadaten für unzählige Orte weltweit.

warmshowers
Das Couchsurfing für Radreisende.

Hermann, Helmut & Thomas Schröder, Reise Know-How, Fahrrad-Weltführer, 2016.
Von Radreisenden für Radreisende geschrieben. Mit spannenden Storys und kompakten Informationen zum Radeln in nahezu allen Ländern dieser Welt.

Zeuner, Jeannette, Books on Demand, Abenteuer Weltreise: Erfüll dir deinen Traum!, 2012.
Vor allem die strukturierte To-Do-Liste im Buch hilft enorm, den Überblick zu bewahren und zum richtigen Zeitpunkt das Wichtigste zu regeln.

Kussagk, Susann & Sönke Bemmann, Klecks-Verlag,157 Plattfüße: 52.000 km im Fahrradsattel, 2012.
Sympathisch geschriebener Erlebnisbericht und tolle Einstimmung auf die bevorstehende Tour

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