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Norwegen: Eine Woche in der Finnmark mit Langlaufskiern und ohne Auto

Einmal im Jahr zieht es mich nach Norwegen, meistens an einen Ort nördlich des Polarkreises. Für die Osterferien 2018 hatten mich Freunde aus Tromsö eingeladen, auf eine Fjell-Skitour zu gehen. Unser Plan war es, das größte Hochplateau Norwegens zu überqueren, die Finnmarksvidda. Das Plateau liegt maximal 500 m über Meereshöhe und ist von November bis Mai schneebedeckt. Es gibt mehrere Hütten auf dem Weg, manche sind in den Wintermonaten bewirtschaftet und bieten sogar eine Sauna zum Aufwärmen. Wer auf ausgedehnte Touren geht, sollte ein Zelt dabei haben.

Das ist ungefähr so, wie einen Schokoladenliebhaber zu fragen, warum er Schokolade mag. Ein Grund: Viel Platz für wenige Menschen.

Extremer Winter
Ich schlage die Augen auf. Draußen vorm Fenster fegt eine Elster das Geländer der Veranda entlang und scheint sich am Schneegestöber zu erfreuen, das sie auslöst. Wie ein Kind, das mit voller Wucht in eine Pfütze springt. Es ist Ostersonntag in Alta. Vor fünf Tagen bin ich hier angekommen. An meinem ersten Morgen war mein Blick gleich auf mein Handy gerichtet. Die Nachrichten glichen einer Absage an sämtliche Reisepläne: meine Freunde aus Tromsö saßen irgendwo auf der Küstenstraße Richtung Nordkap fest. Der Grund: Lawinen blockierten die Straße… für Stunden, Tage, eine ganze Woche? Das war unklar… Der Winter 2018 war außergewöhnlich lawinenintensiv, grundsätzlich sollte man sich der Gefahr immer bewusst sein und vorab die Lage checken.

Tipp für gutes Wetter
Bei schönem Wetter in Alta lohnt sich ein Aufstieg zur Haldetoppen, oder „Sukkertoppen“, mit dem im Jahr 1900 erbauten Observatorium zur Beobachtung des Polarlichts.

Was mache ich allein in Alta?
Nachdem meine Freunde kapituliert haben und umgekehrt sind, sitze ich in Alta, ohne Skier, ohne Schlafsack, ohne Auto. Über Ostern sind fast alle Unterkünfte ausgebucht, auch die Skihütten auf dem Hochplateau. Ich quartiere mich bei einer Universitätsprofessorin und ihrem Huskymischling namens Demma ein und gehe erstmal ins Bett. Da bleibe ich für ein paar Tage. Wenn ich nicht gerade schlafe, mache ich kleinere Skitouren in der städtischen Umgebung mit neuen Langlaufskiern, die ich im Winterschlussverkauf in Alta für knapp 300 Euro gekauft habe. Auf meiner ersten Loipentour treffe ich Kjersti, Fotografin und Journalistin aus Oslo. Ich werde mit ihr noch ein paar weitere Ausflüge machen. Auf einem erzählt sie mir, was sie am Norden so liebt: Er lehrt dich Geduld und Demut.

Auf geht es von Alta nach Karasjok
Ostermontag! Die Lawinengefahr wurde herunterstuft und es gibt wieder freie Betten auf den Hütten im Fjell. Meine Gastgeberin setzt mich bei guten Witterungsbedingungen am Rande der Piste ab, die von Alta nach Karasjok führt. Ohne Skier versinke ich bis zur Hüfte im Schnee. Mit klassischen Langlaufskiern ist die Tour etwas mühsam, denn eine Loipe gibt es nicht und die Spur ist von Schneemobilen zerfahren. Holzstangen markieren den Scooter-Highway. Ohne diese Markierungen kann man schnell die Orientierung verlieren. Bei Schneefall dauert es manchmal nur 20 Minuten bis zum Whiteout, dann kann man Himmel und Erde kaum noch voneinander unterscheiden.

Tipp für die Tour
Wer Off Country Skier der breiten Sorte besitzt und per GPS oder mit Karte und Kompass navigieren kann, der fährt am besten querfeldein – das macht mehr Spaß und ist weniger anstrengend.

Ich erreiche Jotka.
Auf dem Weg nach Jotka Fjellstue begegnen mir 2 Hundeschlitten, 4 Skifahrer und gut zwei Dutzend Schneemobile. Im Sommer reiht sich hier ein See an den nächsten, jetzt liegen die Eisflächen unter einer Schneedecke verborgen. Alles implodiert im Weiß. Jedes Geräusch gerät zum Ereignis. Ab und zu passiert man eine halb schneeverwehte Hütte. Die Müsliriegel in meiner Jackentasche sind durchgefroren. Nach 4 Stunden bin ich froh, dass ich eine Thermoskanne mit Haferbrei dabei habe. Das letzte Stück der Strecke führt an Hängen vorbei, wo man Richtung Osten noch die Lawinenabgänge der letzten Tage erkennen kann. Mit der Abendsonne im Rücken erreiche ich Jotka. Hier gibt es Zimmer für 2 bis 4 Personen mit eigener Kochgelegenheit oder kleine Hütten für große Gruppen.
Wer keinen Proviant mitschleppen möchte, bekommt eine warme Mahlzeit und Frühstück in den bewirtschafteten Hütten. Abendessen sollte man vorbestellen. Der Preis für eine Person liegt bei etwa 30 – 40 Euro.

Und wieder Planänderung
Am darauffolgenden Tag hat sich das Wetter um 180 Grad gedreht. Schneefall und starker Wind aus der falschen Richtung kosten auf der nächsten Etappe nach Mollisjok Kraft. Nach einer Stunde breche ich die Tour ab und fahre bis zur nächsten Straße, wo ich Glück habe und von einem Van aufgesammelt werde. Plan B führt gen Westen, nach Langfjordbotn. Dort hat Giacomo De Stefano sein Lavvu Arctic Camp errichtet – ein Sozialexperiment, wie er es nennt. Man schläft in Zelten traditionell nach Sami-Art auf Reisig und Rentierfellen. In jedem Zelt gibt es einen Nachttopf und einen Ofen, der mit Birkenholz angeheizt wird. Zum Frühstück kommen selbst gebackenes Brot, Lachs und Eier auf den Tisch. Jeder Gast zahlt so viel, wie er möchte und kann. Post-kapitalistische Utopie trifft auf nostalgische Selbstversorgermentalität – eine Alternative zum touristischen Konformismus.

Eine Hundeschlitten-Tour zum Schluss
Am letzten Tag probiere ich noch eine typische Touristenattraktion der aktiven Art aus: Hundeschlitten fahren. Wir sind drei Teilnehmer und bekommen von Marianne, die mal Weltmeisterin war, eine kurze Einführung: Bremsen, Gas geben, Parken! Dann legen wir den Huskys ihr Geschirr an und ab geht die Post, durch 40 cm Neuschnee bergauf und bergab und in die Kurven. Kindheitserinnerungen werden wach, gehörten doch „Ruf der Wildnis“ und „Wolfsblut“ von Jack London zu meinen Lieblingsbüchern. Reisen in arktische Gefilde haben immer einen Beigeschmack von Freiheitsdrang, romantischer Naturverklärung und Alphamännergemeinschaft, an der heutzutage auch Frauen teilhaben dürfen.
Was aber viel wichtiger ist: Die Zeit wird zum allmächtigen Reisebegleiter. Wenn du nicht bereit bist, die Kontrolle darüber abzugeben, an Lawinen und Wetter zum Beispiel, dann ist die Enttäuschung quasi vorprogrammiert. Das mit der Demut kommt dann von ganz allein.

Anreise und Einreise:
Mit Norwegian Airline bezahlt man pro Strecke 40 Euro für den Skitransport. Das kann mit Umsteigen 160 Euro extra bedeuten. Alternativ kann man Skier vor Ort kaufen und wieder verkaufen, oder leihen, was für eine Woche ebenfalls etwa 160 Euro kostet.
Ich bin mit Norwegian von Berlin über Oslo nach Alta geflogen. Alternativ gibt es einen Service mit SAS, da sind die Tickets teurer, aber dafür das Sondergepäck wie Skier günstiger. Zur Einreise genügt ein Personalausweis.

Geld:
In Norwegen zahlt man mit NOR Kronen.

Beste Reisezeit:
Theoretisch von Dezember bis Mai. Wer mit hoher Sicherheit Schnee will, der reist Februar und März an. Viele Norweger kommen sogar erst im April, weil dann der Schnee oft gut rutscht.
Wer an Feiertagen wie Ostern unterwegs ist, trifft auf logistische Barrieren: Karfreitag und Ostersonntag sind alle Geschäfte, viele Restaurants und Servicebereiche geschlossen. Busse fahren nicht und Taxis und Shuttles sind sehr teuer. Selbst Tourenveranstalter machen mal Pause.

Trampen und Sprache:
Funktioniert im Winter gut. Wenn man nicht Ausrüstung für eine volle Expedition dabei hat, wird man schnell mitgenommen. Die meisten Norweger sprechen gut bis beeindruckend gut Englisch

Das Lavvu Artic Camp:
bewater
Giacomos Nummer: +39 340 3568561

Sicherheit in den Bergen:
the-norwegian-mountain

Lawinenwarnungen hier nachzulesen:
avalanche-bulletins und xgeo

Verkehrslage für die Straßen:
vegvesen

Wichtigste Bestandteile der Ausrüstung waren für mich persönlich: Socken, Handschuhe, Kopfbedeckung!

  • Socken aus Wolle und solche, die schnell trocknen.
  • Für die Hände geht nichts über Wollfäustlinge! Vergesst Fingerhandschuhe!
  • Auf dem Kopf gilt das Zwiebelprinzip: dünne Kapuze, dünne Mütze, dicke Mütze, winddichte Kapuze…
  • Auch gut: Gamaschen für Tiefschnee.

Reiseführer und Karten habe ich nicht benutzt, aber hilfreich bei der Orientierung sind ein GPS und die Internetseiten des nationalen Wandervereins, dnt.no und ut.no. Hier findet man Tourenvorschläge und ein Hüttenverzeichnis.

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