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Deutschland: Segeln im Wattenmeer

Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist für Überraschungen gut und wird häufig als Abenteuer-Reiseziel unterschätzt. Wer in Nord-Deutschland lebt, weiß wie schön die nordfriesischen Inseln und Halligen sind. Doch wer aus dem „Süden“ kommt, so wie ich, ist mit dem Naturspektakel des Watts meist nicht vertraut und hat die Möglichkeit, Deutschland noch einmal von einer ganz neuen Seite zu erleben. Am besten lässt sich das Wattenmeer zu Wasser erkunden – zum Beispiel an Bord der Ronja oder der Labor Sanitas.

Man soll ja immer offen für Neues sein und zugegeben, der Segeltrip in die Nordsee war nicht meine erste Wahl als es darum ging, für welche Uni-Exkursion ich mich anmelde. Doch diese Woche auf See möchte ich um keinen Preis der Welt missen und ich würde jederzeit wieder an Bord gehen. Die Skipper*innen Jon und Katja und der Nationalpark-Ranger Ali zeigten uns eine Welt zwischen Entspannungsidylle und der Not für den Umweltschutz, die man gesehen haben sollte. Die beiden Schiffe Ronja und Labor Sanitas bieten Platz für etwa 25 Leute. Skipper Jon hat die Ronja übrigens selbst gebaut! Als Besatzung müssen alle mit anpacken beim Segel richten, Schwerter stecken und Wenden fahren. Auch das Steuer kann kurzzeitig übernommen werden. Einmal Kapitän eines Segelbootes sein…

Ein Blick auf den Gezeiten-Kalender
In Wyk auf Föhr starten wir unsere einwöchige Reise entlang der Inseln, Halligen und Priele – immer im Einklang mit den Gezeiten. Schon bei der Abfahrt merken wir, dass neben der normalen Uhrzeit ab sofort noch eine weitere Uhr mit läuft. Ebbe und Flut sind unsere ständigen Begleiter, sie entscheiden darüber, wann wir aufstehen müssen, wann wir ein- oder auslaufen. An diesem ersten Nachmittag kommt die Ebbe erst am frühen Abend und so verlassen wir noch bei Hochwasser den Hafen von Föhr. Der Wind weht kräftig und wir machen sofort Strecke. Kurz vor Sonnenuntergang werfen wir Anker zwischen Amrum und Langeneß und vertauen die beiden Segler miteinander. Bald darauf lassen wir uns trockenfallen (wenn das Boot tidenbedingt auf den Meeresboden sinkt) und sind überrascht, wie schnell das Wasser bei Ebbe abläuft. Das Abendlicht ist ein Naturschauspiel, das seines Gleichen sucht. Die Wolken ziehen langsam davon, uns steht eine sternenklare Nacht bevor.

Da wir uns mitten im Wattenmeer befinden, müssen Zweierteams in Schichten Nachtwachen halten. Zwar ist es kalt, doch beim Blick nach oben ist jedes Kältegefühl schnell vergessen. Sternschnuppen, Sternbilder und die Milchstraße zeichnen sich am Himmel ab. Der Rest der Nacht ist holprig, denn kurze Zeit nach Ende meiner Wachschicht läuft das Wasser wieder an – die Flut kommt. Die Schiffe werden vom Wattboden angehoben und drehen sich nun um die eigene Ankerachse. Am Morgen, als die Flut den Zenit erreicht hat, lassen wir die Leinen los und segeln bei lauem Wind Richtung Pellworm.

Kölsche Klänge auf Pellworm
Nach einem Ausflug auf die Hallig Hooge legen wir auf Pellworm an. Eine kleine urige Bar steht dort mit einem Schild über der Tür: „Helgas Hafenbüdchen“. Büdchen sind bekanntlich Kölner Kioske, bei denen man sich das abendliche Wegpils besorgt. Aber dieses Büdchen wird doch wohl kaum etwas mit obergärigem Bier zu tun haben…oder doch?! Tatsache! Helga ist Kölnerin und schenkt hier auf Pellworm auch Kölsch aus. Abends laufen die Karnevals-Hits der letzten 20 Jahre über Helgas Musikanlage und alle stonn zoom Effzeh Kölle. Wer hätte das gedacht!

Auf Süderoog lernen wir tags darauf die Bewohner der kleinsten bewohnten Hallig der Nordsee kennen. Nele und Holger leben seit 2013 hier und haben einiges aus dieser Zeit zu berichten. Sie zeigen uns Gegenstände, die über die Jahre angespült wurden und teilweise tausende Kilometer weit gereist sind, und lassen uns für einen Tag an ihrem Leben in der vollkommenen Abgeschiedenheit teilhaben. Sie nehmen uns sogar mit zum Krabbenfischen. Dabei ziehen wir große, schwere Netze durchs Wasser über den Wattboden. Der Beifang wird aussortiert und lebend zurück ins Wasser geworfen, die ausgewachsenen Krabben landen im Kochtopf zurück an Bord.

Eine Wattwanderung ist Pflicht
Unser nächstes Ziel heißt Oland, eine Hallig weiter nördlich. Leider herrscht kaum Wind, sodass wir die Segel zwischenzeitlich einholen müssen und den Motor anschmeißen, damit wir überhaupt vorankommen. Zwar war es allen in der Gruppe schon vorher klar, doch nun wird noch einmal deutlich was es heißt, vom Wetter abhängig zu sein. Von Oland starten wir eine Wattwanderung nach Langeneß. Mit dem Nationalpark-Ranger Ali buddeln wir nach Wattwürmern, erfahren den Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Krabben und lernen, uns im Watt zu orientieren.

Den letzten Tag verbringen wir auf Amrum, wo wir durch die Dünen die Kniepsand-Strände erreichen. Vor der Küste Amrums liegt die offene Nordsee, das Wattenmeer ist an dieser Stelle zu Ende. Und auch unsere Segel-Exkursion neigt sich dem Ende zu. Das letzte Mal Segel hissen, die letzte Wende und wir sind wieder im Hafen von Föhr. Zwar hat keiner in dieser Woche das Segeln von Grund auf gelernt, aber ein Gefühl für bestimmte Manöver, für die richtigen Abläufe und den Wind hat zweifellos jeder bekommen.

Sprache
Nordfriesisch ist tatsächlich ein eigener Dialekt, der für das ungeübte Ohr gar nicht so leicht zu verstehen ist. Angeblich sprechen die Friesen ja recht wenig. Meine Erfahrung: Sehr redselige und extrem sympathische Menschen mit durchaus interessanter Sprache.

Beste Jahreszeit
Sommer und Frühherbst eignen sich zum Segeln natürlich besonders, im Wattenmeer sowieso. Es ist nicht zu kalt und normalerweise trotzdem windig genug. Im Winter friert das Watt meist zu, sodass keine Boote von Insel zu Insel oder von Hallig zu Hallig fahren können. Und auch die Wintermonate ohne Frost sind typische Sturmflut-Monate, in denen Segeln keine gute Idee ist.

Anreise
Die Fähre von Dagebüll Mole fährt mehrmals täglich nach Wyk auf Föhr und braucht etwa eine Stunde. Die Anreise nach Dagebüll ist sowohl mit dem PKW als auch mit der Bahn möglich. Allerdings sind die Parkplätze direkt am Anleger recht teuer, sodass es sich lohnen kann, das Auto entlang der Bahnstrecke zu parken und die letzten Stationen mit der Bahn zu machen.

Übernachtung an Bord eines Segelschiffes
Die Kojen sind meist eng, bieten aber allen Komfort, den man an Bord eines Segelbootes erwarten kann. Weiche Matratzen und ein Bullauge zum herausschauen sind üblich, manchmal sogar Waschbecken. Eine Bordküche ist ebenfalls wichtig, sodass man auch große Gruppen mehrere Tage verköstigen kann. Eine Toilette gibt es selbstverständlich auch, Duschen dagegen eher selten.

pfahlewer und laborsanitas
Der Verein Ronja e.V. kümmert sich ehrenamtlich um die beiden Schiffe Labor Sanitas und Ronja. Sie organisieren auch Segelreisen im Wattenmeer für einen oder mehrere Tage. Sogar große Gruppenreisen und spezielle Veranstaltungen werden regelmäßig durchgeführt.

nationalpark-wattenmeer
Auf der Internetseite des Nationalparks findet man sämtliche Infos gebündelt und kann von hier aus, die weitere Reiseplanung beginnen.

schapers
Wer wirklich Segeln lernen möchte, ist bei Schapers gut aufgehoben. Das Team ist sehr erfahren und lehrt auf sämtlichen Bootstypen.

  • Wasserdichte Ausrüstung: Ob Packsäcke, Rucksäcke oder Taschen – eines sollte man in einer wasserdichten Ausführung dabei haben. Man ist auf dem Meer unterwegs, da kann es schon mal nass werden.
  • Wattschuhe: Zwischen den nordfriesischen Inseln kann man zwar auch barfuß im Watt wandern gehen, doch auch dort kann man in scharfkantige Muscheln treten. Wer auf Nummer sicher gehen will, besorgt sich leichte Schuhe fürs Watt. Im besten Fall kann man sie ebenfalls an Deck anziehen, denn auch dort empfehlen sich rutschfeste Schuhe.
  • Badesachen: Nichts ist schöner als bei Flaute vom langsam segelnden Boot zu springen und nebenher zu schwimmen.

Die Publikationen des Nationalparks zu den verschiedensten Themen im Wattenmeer sind hervorragende Einstiegswerke in die Welt des Watts. Ob Infobroschüren zur Vogelbeobachtung oder interessante Einblicke in die Mühen um nachhaltigen Tourismus – genug Lesematerial gibt es definitiv.

Zwar ist Hemingway echt abgedroschen, aber dennoch bot sich auf diesem Trip für mich die tolle Gelegenheit, endlich mal „Der alte Mann und das Meer“ zu lesen. Zwar spielt es in der Karibik und handelt vom Angeln, doch das Feeling ließ sich gut übertragen.

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