Draußen im Winter
Kleidung sinnvoll kombinieren
Der Winter in der Stadt zeigt sich oft von seiner wechselhaften Seite: kalte Morgen, feuchte Luft, Wind, Schnee, Schneematsch oder Regen – und zwischendurch vielleicht sogar etwas Sonne. Wenn Du draußen unterwegs bist, Dich bewegst, stehenbleibst oder wartest, wird schnell klar: Eine einzelne dicke Jacke reicht oft nicht aus. Genau hier kommt das Zwiebelprinzip ins Spiel.
Auch bei niedrigen Temperaturen entsteht beim Gehen, Radfahren oder Treppensteigen Feuchtigkeit. Funktionswäsche übernimmt dabei eine zentrale Rolle: Sie leitet den Schweiß von Deiner Haut nach außen, sodass er dort – abhängig von den äußeren Bedingungen – kontrolliert verdunsten kann. Bleibt die Feuchtigkeit auf der Haut, kühlst Du vor allem beim Stehenbleiben oder in längeren Pausen schnell aus.
Mehrere, sinnvoll aufeinander abgestimmte Kleidungsschichten helfen Dir, Wärme und Feuchtigkeit besser zu regulieren. Du kannst flexibel reagieren, wenn Du Dich bewegst oder zur Ruhe kommst – egal ob Du durch verschneite Straßen läufst, im Wind an der Haltestelle stehst oder Dich zwischen draußen und drinnen bewegst. Gerade im Winter sorgt dieses Schichtsystem für mehr Komfort und ein angenehmes Körperklima.
Klassisch unterscheidet man beim Zwiebelprinzip drei Schichten:
Das Baselayer liegt direkt auf der Haut und reguliert Feuchtigkeit, das Midlayer sorgt für Wärme und Isolation, und die äußere Schicht schützt Dich vor Wind, Nässe und Kälte.
Die erste Lage: Unterwäsche
Funktionswäsche bildet als erste Lage Deiner Bekleidung den Unterbau – also die Basis beim Anziehen. Gerade im Winter entscheidet sie darüber, ob Du Dich draußen wohlfühlst oder schnell auskühlst. Doch was ist eigentlich die richtige Unterwäsche für Dich?
Unabhängig vom Material gilt: Weil die erste Lage meist direkt und eng auf der Haut liegt, sollte sie sich angenehm weich anfühlen und keine Nähte drücken oder scheuern. Flachnähte tragen dabei wesentlich zu einem hohen Tragekomfort bei.
Funktionswäsche wird in der Regel direkt auf der Haut getragen, damit der Schweiß, der auch bei kühlen Temperaturen durch Bewegung entsteht, schnell und zuverlässig vom Körper wegtransportiert wird. Geschieht das nicht, bleibt die Unterwäsche feucht auf der Haut – und vor allem in Pausen kühlst Du deutlich schneller aus.
Damit stellt sich immer wieder die Frage:
Welche Unterwäsche ist ideal, wenn Du im Winter draußen unterwegs bist?
Und aus welchem Material sollte Dein Baselayer bestehen – Wolle, Kunstfaser oder Mischgewebe?
Unabhängig von der jahreszeitlich unterschiedlichen Materialstärke gilt bei der Auswahl von Funktionsunterwäsche vor allem eines:
Sie darf sich nicht wie ein Schwamm vollsaugen.
Doch was genau erwartest Du eigentlich von Unterwäsche, wenn Du draußen aktiv bist – gerade im Winter?
Mal kühlen, mal wärmen – und möglichst nicht riechen.
Diesen Anforderungen muss sich Funktionswäsche immer wieder stellen.
Kühlen
Pulstreibende Bewegungen lassen Dich auch bei niedrigen Temperaturen schwitzen. Damit Dein Körper effektiv gekühlt wird, sollte der Schweiß in Hautnähe verdunsten können. Dafür muss die Bekleidung die Feuchtigkeit aufnehmen und großflächig verteilen. So fühlt sich Deine Haut weniger feucht an, während der Schweiß seine kühlende Wirkung behält.
Findet diese sogenannte Verdunstungskühlung nicht statt und wird der Schweiß zu schnell abtransportiert, reagiert Dein Körper mit noch stärkerer Schweißproduktion. Bei längerer Belastung kann das dazu führen, dass Du zu viel Flüssigkeit und Mineralstoffe verlierst – und im ungünstigen Fall sogar überhitzt.
Trocknen und Wärmen
Ist der Schweiß verdunstet, sollte die Feuchtigkeit rasch nach außen abgeleitet werden. Nasse Kleidung fühlt sich nicht nur unangenehm an, sie verstärkt auch die Verdunstungskälte. Das kann Dich deutlich schneller auskühlen lassen und Deine Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
Besonders kritisch wird das in Ruhephasen bei kalten Temperaturen – etwa beim Stehen, Warten oder bei kurzen Pausen im Freien –, wenn Dein Körper keine Wärme mehr durch Bewegung erzeugt. Deshalb brauchst Du Unterwäsche, die schnell trocknet und gleichzeitig gut isoliert.
Nicht riechen
Ein frischer Frühlingsduft ist bei Unterwäsche vielleicht zu viel verlangt –
aber meilenweit gegen den Wind muffeln solltest Du eben auch nicht ?
Die zweite Lage: Midlayer
Als mittlere Schicht sorgt der Midlayer dafür, dass Dein Körper warm bleibt und überschüssige Wärme sinnvoll reguliert wird. Gerade im Winter übernimmt sie eine wichtige Rolle, wenn Du Dich draußen bewegst und zwischendurch stehst oder zur Ruhe kommst. Während es bei Unterwäsche eine relativ klar umrissene Produktpalette gibt, ist die Auswahl an Midlayern deutlich breiter – angepasst an unterschiedliche Bedingungen und Einsatzbereiche.
Wie viel Isolation Du benötigst und wie dick die Zwischenschicht sein sollte, hängt stark von den Außentemperaturen und der Intensität Deiner Bewegung ab. Kurz gesagt: Hier hast Du die Qual der Wahl. Die Bandbreite reicht vom leichten Longsleeve über unterschiedlich dicke Fleecejacken bis hin zu wärmeren Isolationsjacken.
Auch Westen kommen als Midlayer häufig zum Einsatz. Sie schützen vor allem Deinen Oberkörper vor dem Auskühlen, ohne Deine Bewegungsfreiheit einzuschränken.
Manche setzen über dem Baselayer sogar auf zwei oder drei dünne Schichten, um sich im Tagesverlauf besser an wechselnde Temperaturen anzupassen. Und wie schon bei der ersten Lage gilt auch beim Midlayer: Atmungsaktivität und Feuchtigkeitsmanagement sind entscheidend. Ziel ist es, die für Dich passende Materialkombination zu finden, die Dich beim Gehen warm hält und beim Stehen nicht auskühlen lässt.
die dritte Lage: Schutz vor Wind & Wetter
Als äußere Schicht sorgt sie dafür, dass Wind, Nässe und Kälte draußen bleiben und Dein Körper vor dem Auskühlen geschützt ist – besonders dann, wenn Du Dich wenig bewegst oder für Pausen stehenbleibst.
Welche Jacke zum Einsatz kommt, hängt ganz von der Situation ab:
Ob Softshelljacke, Windjacke, Regenjacke, Winterjacke oder eine stadttaugliche Allroundjacke – die dritte Lage kann neben dem reinen Wetterschutz auch zusätzliche Wärme liefern, wenn die äußeren Bedingungen es erfordern. Heißt, je nach Temperatur und Einsatz kann die äußere Schicht im Winter auch einen Teil der Isolationsfunktion übernehmen – etwa in Form einer gefütterten Jacke oder eines wärmenden Materials, dann in der mittleren Lage. So bleibt das Schichtsystem übersichtlich, ohne auf zusätzlichen Kälteschutz verzichten zu müssen.
Weht Dir lediglich ein kalter oder frischer Wind um die Ohren, ist eine Softshelljacke oft die bessere Wahl als eine klassische Hardshell. Sie bietet in der Regel eine höhere Atmungsaktivität als Jacken mit Laminat oder Membran und sorgt so für ein angenehmes Körperklima bei Bewegung.
Kommen zum Wind jedoch Nässe, Schneeregen oder Regen hinzu, brauchst Du eine Jacke, die Dich dank Membran zuverlässig vor Wind und Feuchtigkeit schützt. Je nach Temperatur und Aktivität kann die äußere Schicht dabei auch einen Teil der Isolationsfunktion übernehmen.
Fazit
Wie viele Lagen brauchst Du?
Das Zwiebelprinzip wirkt auf den ersten Blick einfach – und dank seines Vorbilds aus der Natur ist es auch gut nachvollziehbar: Eine Schicht liegt über der anderen. Doch Vorsicht: Die Lagen müssen zueinander passen. Nur wenn Du die Funktionsweise der einzelnen Schichten verstehst, funktioniert das System als Ganzes.
Neben dem Wissen um Materialien und deren Eigenschaften ist auch eine gute Planung entscheidend – vor allem bei längeren Touren, bei denen Du nicht jede Nacht eine feste Unterkunft erreichst. Deine Bekleidungsauswahl sollte sich immer nach Wetterbedingungen und dem Anstrengungsgrad der Tour richten und im Idealfall auch ein kleines Wärme-Backup beinhalten.
Hinzu kommt: Temperaturempfinden ist individuell. Deshalb muss jeder sein persönliches Lagensystem für sich finden. Ein allgemeingültiges Patentrezept für das perfekte Zwiebelschichtsystem kann es an dieser Stelle also nicht geben.
Ein paar Tipps geben wir Dir noch mit auf den Weg:
- Ziel ist es, weder zu frieren noch zu stark zu schwitzen. Das kann bedeuten, beim Gehen lieber eine Lage weniger zu tragen. Ist Dir beim Start zu kalt, laufe los und halte nach etwa 15 Minuten kurz an – sobald Du Deine Betriebstemperatur erreicht hast – und ziehe eine Lage aus, bevor Du weitergehst.
- Zu viele enge Schichten übereinander können Deine Bewegungsfreiheit einschränken.
- Das Baselayer ist der Ausgangspunkt jedes Zwiebelschichtsystems – der erste Baustein für ein funktionierendes Bekleidungskonzept.
- Für schweißtreibende Zustiege an warmen Tagen ist Unterwäsche aus kühlender Kunstfaser ideal. Das gilt auch an kühleren Tagen, wenn Du generell viel schwitzt.
- An kalten Tagen und bei moderater Belastung sorgt Unterwäsche aus Wolle oder Woll-Mischgeweben für einen hohen Wohlfühlfaktor. Auch Deine Tourenpartner profitieren von der geringeren Geruchsbildung.
- Vergiss jedoch nicht ein Ersatzshirt: Ist Merinounterwäsche erst einmal richtig nass, trocknet sie im Vergleich zu Kunstfaser deutlich langsamer.
Mit einem gut abgestimmten Zwiebelschichtsystem fühlst Du Dich auf Tour länger wohl und kommst entspannter durch kalte Tage.