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#hikefor – Die etwas andere Tour über die Alpen

#hikefor – Die etwas andere Tour über die Alpen

Im Frühjahr kam Tobias „Pudding“ Burdukat, Geschäftsführer der Between the Lines GmbH aus Grimma, auf uns mit einem vielversprechenden Projekt zu. Er ist sicherlich nicht der Erste, der sich auf den Weg über die Alpen machen möchte und zur Ausrüstungsberatung in den tapir kommt. Spannend an der Geschichte war, dass er mit seinen Mitstreitern mit seiner Tour noch ein weiteres Ziel verfolgt. Im Rahmen der „Kampagne #hikefor – Unser beitrag für eine bessere Welt “ (ein Startnext-Projekt) wollte Tobias ein Modellprojekt vorstellen, welches auf die Schaffung einer ausreichend großen Gegenöffentlichkeit zur Etablierung von nachhaltigen, emanzipatorischen Projekten der Jugendarbeit und der Geflüchtetenarbeit abzielt – und mit seiner Solotour für die Finanzierung des Projektes werben. Somit wird das heute hier ein etwas anderer Tourbericht über einen, der sich auf dem langen Weg über die Alpen gemacht hat. Und der dabei insgesamt 65.499 € an Spenden sammeln konnte. Und der auf Tour sowohl auch körperlich als auch mental an seine Grenzen gekommen ist. In 40 Tagesetappen ging es dann über 740 Kilometer und ca. 47.000 Höhenmeter von Oberstdorf nach Triest.

Einmal im Leben die Alpen zu queren, davon träumen viele, die vom (Fern-)Wandervirus angesteckt worden sind. Man beginnt im stillen Kämmerchen zu träumen, Karten zu wälzen, Tourberichte zu lesen. Und überlegt, wie man seinem Chef klar machen kann, dass man gleich mehrere Wochen einfach mal weg sein möchte. Dabei gibt es genau genommen nicht die Alpenquerung. Es führen mehrere Fernwanderwege von Norden nach Süden (da ist v. a. der Traumpfad München-Venedig bekannt),  oder eben auch von Osten nach Westen (Via Alpina).

Zurückzuführen ist der Mythos, zu Fuß die Alpen zu queren, sicherlich auf Johann Wolfgang von Goethe. Seine mehr als 200 Jahre alte Reisebeschreibung ist ein Klassiker, sein Weg in der Postkutsche führte von Karlsbad über München, den Brenner bis zum Gardasee und von da aus durch ganz Italien bis nach Sizilien. Kutschen gibt es heute nicht mehr, doch es haben sich viele Touranbieter etabliert, die das Queren des Alpenhauptkammes auf verschiedenen Wegen mit oder ohne Gepäcktransport anbieten. Die Wegebeschaffenheit reicht dabei von leichten oder mittelschweren Wegen bis hin zu schwierigen, teils hochalpinen Routen, die dann auch konditionell sehr anspruchsvoll sind. Übernachtet wird dabei, wenn man nicht immer wieder in die Dörfer absteigen möchte, in Berghütten. Und da viele unter uns nicht wie einstmals Goethe einfach ohne Zeitlimit loswandern können, sucht man sich die schönsten Teilabschnitte heraus und stellt sich eigene Touren zusammen.

Tobias hat sich seine Route entlang verschiedener Höhenwege und Fernwanderwege zusammengestellt. Am 18. Juni startete er in Leipzig, mit dem ICE ging es via Nürnberg bis nach Oberstdorf. In den darauffolgenden 40 Tagen ging es für ihn auf mehr als 700 km gute 47.000 Höhenmeter immer wieder rauf und runter. Am Ende kam er geschafft, um ein paar Kilogramm leichter und mit vielen spannenden Geschichten im Gepäck am Mittelmeer an der Bucht von Triest (Muggia) an.

Dass es schwer sein würde, eine solche Tour zusammengefasst im Blog darzustellen, war uns im Vorfeld schon klar. Deshalb haben wir Tobias ein paar Fragen zu seiner Tour gestellt, die euch hofffentlich ein Gefühl vermitteln können, was einen auf so einer längeren Tour alles erwarten kann. Und wie klein das Gepäck trotz der notwendigen alpinen Ausrüstung gehalten werden kann.

Hey Tobias, für viele Bergfreunde ist die Tour von Obersdorf nach Triest eine Traumtour. Grandiose Berge, geniale Aus- und Tiefblicke. Wie war das denn für dich – traumhaft schön oder doch in manchen Situationen eher einem Alptraum nah?

Nun ja, von den genialen Aus- und Tiefblicken hatte ich mir tatsächlich mehr erhofft. Auch wenn es diese gab, waren sie doch recht rar, was sie aber umso besonderer macht. Das Wetter hat mir überwiegend einen Strich durch die Rechnung gemacht. In meinem Kopf sind Schnee- und Eisfelder, Nebel und tagelanger Regen mit Gewitter sehr präsent, wenn ich an die Tour zurückdenke. Es war für mich selbst eine besondere Erfahrung, mit der Einsamkeit umzugehen, die stark an meiner Motivation genagt hat – besonders in den Tagen auf dem Karnischen Höhenweg, als ich eine Woche durch Regen und Nebel gelaufen bin und von den angeblichen Ausblicken auf Großglockner und Venediger in die eine Richtung und Mittelmeer in die andere nichts mitbekommen habe. Das war auch etwa die Mitte der Wanderung und ich bin dort tatsächlich für mich persönlich nah am Aufgeben gewesen. Schlussendlich haben mich die Menschen, die daheim viel Zeit in die Kampagne und die Öffentlichkeitsarbeit gesteckt haben, motiviert weiterzulaufen. Und natürlich der ganze Trouble mit dem Skatepark und die Sache der unabhängigen Sozialarbeit an sich. Das war für mich auch interessant, da mir diese Dinge wesentlich mehr bedeutet haben als die Wanderung selbst. Die Sache und die Menschen dahinter waren mehr oder weniger mein Motivator, um nicht abzubrechen.

Der Schnee in diesem Jahr hat es aber teilweise auch zu einem Alptraum gemacht, da die Schneefelder des Junis dann zu Eisfeldern im Juli wurden und ich konstant bis Tolmin (27.07. – wo die Julischen Alpen enden und langsam das Karst beginnt) mit diesen konfrontiert war.

Wie lang hast du dich auf die Tour vorbereitet und warst du die ganze Zeit komplett allein unterwegs?

Ich habe ca. 7 Monate ein Ausdauertraining, das sich an einem Ultratrail (100 Meilen) orientiert hat, durchgezogen. Nebenbei die Routenplanung, Tourenberichte lesen, GPS-Track basteln und die Kampagne vorbereiten. Ich denke, die sportliche Vorbereitung war gut, in alles andere hätte ich persönlich mehr Energie stecken können und würde dies beim nächsten Mal auch tun. Ich bin froh, dieses Trainingsprogramm gemacht zu haben, denn ich hatte in den Beinen tatsächlich nicht ein einziges Mal Muskelkater und konnte die Wanderung trotz zweier heftiger Stürze – einmal am Anfang und einmal am Ende – trotzdem durchziehen. Meine Knie und meine Muskeln haben mitgespielt. Was man* aber nicht unterschätzen sollte, ist das permanente Gehen mit Stöcken (was sich durch den schweren Rucksack nicht umgehen lässt). Dort habe ich mich zu wenig vorbereitet und meine Arme und Brustmuskulatur hat eigentlich permanent durch die Anstrengung mit den Stöcken geschmerzt. Ich war dann heilfroh, die letzten fünf Tage im Karst endlich ohne Stöcke zu laufen, das war wie eine Befreiung. Beim nächsten Mal wird auf jeden Fall diese Muskelgruppe mehr trainiert!

Ich war überwiegend allein. Die ersten 2 Tage hat mich ein guter Freund begleitet. Dann hatte ich von Vent bis Meran (3 Tage) Begleitung durch meine Freundin, da wir eigentlich über die Hoch Wilde und die Stettiner Hütte nach Meran wollten. Dies mussten wir dann aber Aufgrund der Schneemengen Anfang Juli leider abbrechen. Genaugenommen hatte ich also an 5 von 40 Lauftagen Begleitung. Leider hat sich im Vorfeld nicht mehr ergeben. Falls mal wieder so etwas geplant ist, würde ich auch mehr Zeit in die Organisation von regelmäßiger Begleitung investieren. Nicht permanent, aber doch in regelmäßigen Abständen. Allein war für mich hart, gerade auf den hochalpinen Etappen hätte ich mir schon aus Sicherheitsgründen immer mal jemanden gewünscht und habe viele Gipfel dann auch weggelassen, da eine Besteigung allein einfach zu gefährlich gewesen wäre.

Was war, ohne langes Nachdenken, deine schönste Etappe? Gibt es Ziele, die man bei einer Alpenquerung unbedingt auf dem Plan haben sollte?
Ohne langes Nachdenken war es die Etappe von der Kaunergrathütte über den Cottbuser Höhenweg zur Braunschweiger Hütte, wobei ich die Braunschweiger Hütte nie wieder für eine Übernachtung ansteuern, sondern lieber einen Alternativweg wählen würde. Man* muss hier schon auf Oktoberfeststimmung und einen schlechtgelaunten Hüttenwirt sowie prolliges Publikum stehen, um es dort auszuhalten. Vielleicht hatte ich aber auch nur einen schlechten Tag erwischt. Allerdings kann man* bei 40 Etappen wirklich nur schwer ein Ranking erstellen, da irgendwie alles total unterschiedlich war. Gerade auch die Unterschiede zwischen Allgäu, Zentralalpen, Dolomiten, Karnische und Julische Alpen und dann noch das Karst machen es besonders. Alles sieht anders aus, anderes Gestein, andere Vegetation, gerade in den Julischen Alpen und im Karst hätte ich mir mehr Zeit gewünscht, noch mehr zu erkunden. Und in den Dolomiten hätte ich mir eine*n Kletterpartner*in gewünscht, um diese tollen Gipfel zu erklimmen!

Tja, erstmal ist wichtig: Sprechen wir von einer Alpenquerung Oberstdorf-Meran oder Oberstdorf-Triest? Für viele gilt Ersteres als Alpenüberquerung, auch wenn man* dort nur einen winzig kleinen Ausschnitt der Alpen sieht und erlebt. Ich denke, man* sollte auf jeden Fall den Cottbuser Höhenweg gehen, den Maximimiliansteig in Richtung Tierser Alp. Auf jeden Fall sollte man* in der Bülleleijoch Hütte (Sextner Dolomiten) einen Kaiserschmarrn essen, man sollte seine Wanderung auf dem Karnischen Höhenweg so planen, dass man* in der Filmoor Standschutzhütte übernachtet, man* sollte in der Soča in Tolmin oder in Bovec baden gehen und man* sollte wissen, dass der beste Plan nichts wert ist, wenn das Wetter nicht mitspielt und man* deswegen plötzlich einen anderen Plan machen muss.

Wo hast du übernachtet? In Hütten, Biwakschachteln oder hattest du ein Zelt dabei?
Ich hatte mich aus Gewichts- und Platzgründen gegen ein Zelt entschieden und dank Gabriel hatte ich dann ein super Tarp mit, was stabil und windfest genug war, um mich bei Regen zu schützen. Denn den gab es oft. Ich denke, in den 40 Tagen gab es eine relative Gleichverteilung zwischen Hütten, draußen (mit und ohne Tarp) und ausgewiesenen Biwaks. Meistens war meine Planung aber so, dass ich die Übernachtungen nicht auf Biwakschachteln oder unbewirtschaftete Hütten gelegt hatte. Ich habe auch auf Alte Höhlen der 1.-Weltkrieg-Frontlinie zurückgegriffen, wobei die nicht immer wirklich trocken und angenehm sind. Als Wind- und Gewitterschutz sind sie dennoch gut geeignet.

Ich habe deinen Weg in deinem Blog mitverfolgt. Du hast auf jeden Fall ziemlich interessante Menschen getroffen, mit denen du gefühlt auf einer Wellenlänge liegst. Erzähl doch mal!

Spannend war, dass ich eher weniger auf Fernwander*innen getroffen bin. Das ist auf dem E5 und dann auf dem Alpe-Adria-Trail kurz vorm Ziel passiert. Abseits der Fernwanderwege gab es tatsächlich nur ein einziges Mal eine Begegnung im Mitterkarbiwak (Karnische Alpen) mit einem Fernwanderer, der den violetten Via Alpina Trail von Ost nach West laufen wollte. Häufig war es so, dass ich manchmal tagsüber an einer Hütte gestrandet bin und versucht habe zu warten, bis der Regen weniger wurde. Dabei sind dann mit Hüttenwirt*innen oder Bergsteiger*innen in max. 2 Grüppchen interessante Gespräche entstanden, als ich erzählte, warum ich die Wanderung mache. So habe ich häufig über Flüchtlingspolitik und Jugendarbeit und die Bedürfnisse von Jugendlichen geredet und das gleich am Beispiel der unterschiedlichsten Regionen. Das war schon spannend und irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Menschen, mit denen ich darüber reden konnte, wesentlich offener und empathischer sind als Erwachsene, mit denen sich die Jugendlichen hier in unseren ländlichen Regionen so herumärgern müssen. Beeindruckt war ich davon, dass ich auch auf Hütten eingeladen wurde. Mal haben mir die Gäste Getränke und Essen bezahlt, mal haben mich die Wirt*innen kostenfrei im Lager schlafen lassen.

Besonders hängengeblieben ist mir aber der Abend auf der Filmoor Standschutzhütte. Dort habe ich mich einfach irgendwie wie daheim gefühlt. Sagen wir, es war das ZxRx oder die Gieszer der Hütten, anders kann ich es, glaube ich, nicht beschreiben. Interessant war auch die Begegnung mit einem Neuseeländer am Krn (Slowenien) der mir immer mit „Even put your boulder shoes in your backpack“ im Gedächtnis bleiben wird, denn ja er hat Recht, die Boulder in den Julischen Alpen liegen halt einfach so am Weg rum. Die mit Abstand aber besonderste Begegnung hatte ich in Tolmin: Als ich gerade vom Krn abstieg und mir an einem Parkplatz die Wanderschuhe ausziehen wollte, kamen plötzlich zwei Bekannte aus Grimma/Leipzig um die Ecke. Das war schon ein bisschen krass, nach 5 Wochen allein denkst du da, du siehst Geister! Ich muss sagen, dass ich mit anderen Wander*innen eher wenig Kontakt hatte, da viele in größeren Gruppen unterwegs sind und irgendwie dadurch keine Gespräche zustandegekommen sind. Ich muss sagen, je südlicher und entfernter vom E5 ich kam, desto freundlicher und offener wurden die Menschen. Es tut mir auch leid, dass ich mich so oft negativ über den E5 äußere, aber ich habe einfach auf den Hütten und auch auf den Wegen keine guten Erfahrungen gemacht und das hat mich gerade am Anfang irgendwie verstört. Ich hatte da das Gefühl wie in Hostels, wo sich dann alle irgendwie gegenseitig erzählen, wo und wie toll es überall schon war.

 

Würdest du diesen Weg noch einmal gehen?

Gute Frage. Also, ich möchte auf jeden Fall die Etappen, die ich abbrechen musste – wie die Hoch Wilde oder den Pößnecker Klettersteig – sehr gern noch nachholen. Ich glaube, ich würde bei einem nächsten Mal die Etappen anders aufteilen und die Route etwas anders bauen, denn ich hatte mir selbst schon irgendwie hohe Ziele, gerade was die Gipfel betraf, gesteckt. Die Gipfel werden bei einer solchen Wanderung irgendwann auch egal, sondern es geht vielmehr um den Weg und die Strecke und ich denke, da gibt es Verbesserungsbedarf. Ich würde dort, wo es geht, auch besser recherchieren, wie es sich mit der Markierung verhält. In Norditalien ist die teilweise sehr schlecht und das kann dann an manchen Stellen echt heikel werden. Sagen wir so: Im Allgäu und den Zentralalpen sollte man* vielleicht Routen abseits der Touripfade wählen und in den Dolomiten, Karnischen und Julischen Alpen die Touripfade nehmen, da die die halbwegs sicher und gut markiert sind. Und so viele Menschen sind da zum Glück nicht unterwegs, weshalb es auch nicht wirklich Touristrecken sind. Ich bin am Ende ja ein paar mal auf den Alpe-Adria-Trail gekommen. Wenn der durchweg so gut markiert ist wie auf den letzten 10 Etappen, dann ist das eine echt schöne Fernwanderung und dem E5 in jedem Fall vorzuziehen. Ich würde im Übrigen eine solch lange Strecke nicht noch einmal allein gehen und gern würde ich mehr sehen, aber ich denke, im Groben kann man* die Strecke mit kleinen Veränderungen schon so machen. Schaut es euch einfach mal auf komoot.de/user/hikefor an.

#hikefor steht für die im gesellschaftlichen Kontext auftretenden Hochs und Tiefs der Sozialarbeit im ländlichen Raum. Das manchmal unerwartete Auf und Ab auf der Alpenüberquerung von Obersdorf nach Triest, Wetterkapriolen und unerwartete Begegnungen sind quasi das Gleichnis zur Arbeit in Grimma. Die Version der Initiatoren ist die Gestaltung emanzipatorischer Arbeit mit Jugendlichen und Geflüchteten und diese unabhängig von staatlicher Förderung zu finanzieren. Sie wollen Stellen für zwei Sozialarbeiter*innen schaffen und einen Bauantrag für eine CO2-neutrale Skatehalle erarbeiten.

Dazu wurde auf der Startnext-Plattform ein Spendenaufruf gestartet. In einem ersten Schritt sollten, wenn eine Summe von 40.000 Euro zusammenkommen, ab dem 01.01.2022 für mindestens 1 Jahr zwei 20-h-Stellen für Sozialarbeiter*inen geschaffen werden. In einem zweiten Schritt wird, wenn eine Summe von 61.000 Euro erreicht werden kann, gemeinsam mit einem Architekturbüro ein Bauantrag für die Sanierung einer alten Industriehalle erarbeitet, welche durch ein Solardach und eine effektive Wärmenutzung eine CO2-neutrale Skatehalle für Jugendliche werden soll, die uns dadurch mit Energie versorgt und durch die Möglichkeit der Vermietung eine Einnahmequelle für nachhaltige emanzipatorische Arbeit eröffnet.

Dass das Interesse an dem Projekt sehr hoch ist, zeigt die bis zum 15.08.21 (Kampagenende) erreichte Summe von 65.499 €. Durch weitere Spenden auf das Vereinskonto konnten und können die Stunden der Mitarbeiter aufgestockt und weitere Helfer*innen hinzugezogen werden, um – wie heißt es in der Projektbeschreibung? – „Selbstausbeutung von zivilgesellschaftlich engagierten Menschen einen Riegel vorzuschieben“. Dem ist aus unserer Sicht nichts hinzuzufügen.

Wer mehr zum Projekt erfahren möchte, der kann sich hier zum Thema Dorf der Jugend und zur Tour über die Alpen weiter informieren.

Ich bin ehrlich, ich habe gehofft, dass es mit der Spendenkampagne klappt – aber ich habe nicht daran geglaubt, dass wir tatsächlich die 70.000 EUR zusammenbekommen. Das macht mich unglaublich stolz und ist, glaube ich, gar nicht so sehr meiner Wanderleistung geschuldet, sondern all den Menschen die im Hintergrund vor Ort in Grimma und Leipzig zu verdanken, die die Kampagne unterstützt haben. Wir haben einen Shop aufgebaut und hoffen, dass wir hierrüber zukünftig vielleicht auch mal Outdoorklamotten für unsere Sozialarbeit anbieten können und somit alles weiter auf stabile Füße stellen. Ich bin ein Anhänger von community based und organiced socialwork und das erfolgreiche Fundraising zeigt, dass es eine Community gibt, die so etwas unterstützt. Damit haben wir dem nicht mehr funktionierenden Wohlfahrtsstaat etwas entgegengesetzt. Das lässt hoffen, dass wir unsere Welt und unsere Gesellschaft doch verändern können, wenn wir solidarisch zueinander stehen. Ich freue mich sehr auf die Prozesse, welche wir nun realisieren werden, auch wenn ich diese nur ehrenamtlich begleiten werde, denn für mein Einkommen bin ich nicht gewandert, das muss ich mir weiterhin irgendwie anders organisieren. Ich denke, wir haben mit der Kampagne ausgelotet, was wir können und wer was gut kann und ich glaube, das haben wir auch gebraucht, um uns im ländlichen Raum für die Zukunft gut aufzustellen. Ich bin auch so unglaublich dankbar für all die Unterstützung, die wir bekommen haben: von euch und von all den anderen Partner*innen und natürlich von all den Menschen, die uns mit einer Spende supportet haben. Danke! Ich habe Lust darauf, die Ergebnisse und die Mittelverwendung wieder mit einer Wanderung zu präsentieren. Ist doch irgendwie auch eine schöne Form der Öffentlichkeitsarbeit, zumindest habe ich dies so empfunden!

Papierkarten oder online und hattest du ein GPS-Gerät dabei?

Alles, was du aufzählst 😉 Die Vorbereitung lief über Papierkarten, Tourenberichte zum Gelben Weg der Via Alpina und viel Internetrecherche zu Teilstrecken und Hütten und Klettersteigen. Ich habe dann via Komoot eine grobe Strecke erstellt, die ich dann nach meinen Bedürfnissen angepasst habe. Da ich ursprünglich ja viele Gipfel überschreiten wollte, habe ich danach auch die Strecke etwas blauäugig geplant. Dann habe ich das alles in mein Garmin-Naviprogramm exportiert und die Wegstrecke immer in Teilstrecken von ca. 5 Tagen geplant und mögliche Übernachtungen und Alternativen als Wegpunkte markiert. Mit diesem Track in meiner Uhr (mit GPS/Navi und Kartenfunktion) habe ich dann tatsächlich die Wanderung bestritten. Umplanungen, die ich oft hatte, habe ich dann auf dem Handy nachträglich eingearbeitet, wobei ich dafür dann Komoot genommen habe, da das Naviprogramm von Garmin auf dem Handy echt schrecklich zu bedienen ist. Das habe ich dann wieder mit dem Navi in der Uhr gesynct und bin damit gelaufen. Das hat wirklich alles sehr gut geklappt und das Navi hat mir an manchen Stellen echt das Leben gerettet.

Im Zeitalter des nachhaltigen Reisens schauen auch wir verstärkt auf spannende Touren, die uns nicht gleich ans Ende der Welt führen. Wer mehr zu den Europäischen Fernwanderwegen wissen möchte, kann sich hier informieren.

Finanzen auf Tour: Alles Bargeld auf den Hütten oder konnte man auch mit Karte bezahlen?

Auf einigen Hütten ging EC, aber das kann man schlecht voraussehen, wo und wo nicht. Ich hatte von Anfang an alles auf Bargeld kalkuliert, da ich mir ein ca. 30-Euro-Tageslimit gesetzt hatte, weil ich incl. An- und Abreise und Off-Day-Übernachtungen nicht mehr als 1500 € für die gesamte Aktion zur Verfügung hatte. Also habe ich alles auf Bargeld ausgelegt und habe mir Geld mit meinem Versorgungspaket mitgeschickt oder bei der Bank geholt.

Hüttenübernachtung: coronabedingt mit Schlafsack und Unterlage. Aber das hattest du ja bestimmt sowieso einstecken, da du ja auch mal in Biwakschachteln übernachtet hast?

Ja das war schnuppe, da ich alles dabei hatte und ehrlich gesagt: Auf vielen Hütten war es durch das echt komische Wetter in diesem Jahr so kalt, dass du gar nicht hättest nur mit Hüttenschlafsack schlafen wollen!

Wie war es mit dem Essen tagsüber und der Wasserversorgung?

Tagsüber habe ich so auf 3-4 Müsliriegel orientiert. Früh Porridge und Abends Nudeln mit Pesto. Das war mein Standardprogramm. Frühstück an Hütten lohnt sich meist mehr als Abendbrot. Ich habe darauf oft verzichtet, weil ich festgestellt habe, dass es für mich zu wenig war und da war mir dann mein Geld zu schade. Habe dann lieber immer ’nen Kaiserschmarn oder Apfelstrudel gegessen und mir selbst Abendbrot gemacht. Wenn ich in einem Dorf war, habe ich mir dann auch mal ein paar Äpfel mitgenommen und auch Nüsse. Wasserversorgung war bei manchen Teilabschnitten echt schwierig. Die letzten Tage hatte ich, wenn ich die Gelegenheit zum Wassernachfüllen hatte, immer für 1,5 Tage (also ca. 6 Liter) aufgefüllt und musste da auch tatsächlich immer mal im MiniMarkt Wasser kaufen, da die Julischen Alpen nicht gerade mit viel Oberflächenwasser in den Bergen gesegnet sind. Also immer ausreichend auf Tasche haben 😉 Zum Glück gab es nur einmal die Situation (gleich am 1. Tag), dass wir Schnee schmelzen mussten und einmal musste ich tatsächlich eine Pfütze mit der Filterflasche leerzutschen.

Ich hätte allerdings mehr Essen sollen, denn ich habe knapp 16 kg abgenommen während der 6 Wochen und bei jemanden, der auf 196 cm 87 kg bei Abreise gewogen hat, ist das echt viel!

Kannst du einen kurzen Überblick über deine Ausrüstung geben? Was hattest du dabei?

Steigeisen, Stöcke, Pickel, Klettersteigset, Klettergurt, auf den alpinen Etappen auch Seil, Helm, Tarp, Kocher, einen wasserdichten 40+5-Liter-Rucksack, Daunenschlafsack, aufblasbare Isomatratze, Solarpanel, Powerbank, Stirnlampe, Wasserfilterflasche – und ich habe all mein Equipment tatsächlich auch gebraucht und habe es nicht einfach so dabei gehabt!

Dazu kommt, je nach Jahreszeit, auch noch die entsprechende Kleidung, wobei auch im Sommer ein Wärmebackup nie im Rucksack fehlen sollte!

Je nachdem, welchen Wegen man bei einer Alpenquerung folgen mag, spielt die Schneesituation bei der zeitlichen Planung eine große Rolle. In den vergangenen Jahren war es (zu)trocken im Gebirge, in diesem Jahr gab es noch lange bis in den Frühsommer hinein Restschneefelder in den höheren Lagen. So beginnt die Saison im späten Frühjahr und endet, je nach Höhenlage, Mitte oder Ende September. Dann schließen auch die Berghütten wieder und es zieht Ruhe ein im Gebirge.

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