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Teaserbild: Testbericht: Therm-a-Rest Hyperion 32F/0C – warmes Schlafsack-Fliegengewicht für Grammjäger

Testbericht: Therm-a-Rest Hyperion 32F/0C – warmes Schlafsack-Fliegengewicht für Grammjäger

Durch meine in den letzten vier Jahren entwickelte Begeisterung für Bikepacking-Touren und den damit notwendig einhergehenden Anschaffungen gewichts- und packmaßoptimierter Ausrüstung war ich sehr gespannt auf den neuen und superleichten Daunenschlafsack Hyperion 32F/0C von Therm-a-Rest. Vor allem der angepriesene untere Komfortbereich von 0 °C bei einem Gesamtgewicht von nur 460 Gramm (!) in der Größe Regular ließ mich aufhorchen. Schließlich nenne ich seit 10 Jahren einen Summerlite von Western Mountaineering mein Eigen – dieser besitzt bei diesem Komfortbereich ein Eigengewicht von 525 Gramm. Der neue Schlafsack sollte also noch leichter sein als mein geliebter Summerlite und genau so viel können? Natürlich reizte es mich, den neuen Hyperion 32F in freier Wildbahn einem genauen Test zu unterziehen.

Der Hyperion 32F/0C ist ein Daunenschlafsack aus der Fast&Light-Serie von Therm-a-Rest, die in diesem Jahr komplett neu aufgestellt wurde. Wie der Name schon vermuten lässt, richtet sich das Equipment, das unter diesem Label erscheint, vor allem an die Ultraleicht-Fraktion, also an alle, die draußen gern mit minimalem Gepäck so leicht und schnell wie möglich unterwegs sein wollen. Und mit seinen vom Hersteller angegebenen 460 Gramm für einen unteren Komfortbereich von 0 °C ist der Hyperion definitiv einer der leichtesten vollwertigen Schlafsäcke (lässt sich mit Reißverschluss schließen und hat eine Kapuze ) in diesem Temperaturbereich! Die obere Komfortgrenze für die schneller frierenden SchläferInnen wird mit 5 °C angegeben. Das ultraleichte Gewicht wird zum einen erreicht durch ein gerade mal 10 Denier starkes Nylon-Ripstop-Gewebe für den Außen- und Innenstoff. Zum anderen verwendet Therm-a-Rest für die Füllung eine Gänsedaune mit 900cuin Bauschkraft. Das entspricht der hochwertigsten auf dem Markt überhaupt erhältlichen Daunenqualität und senkt natürlich auch das Gewicht nochmals. Die daunengefüllten Kammern sind boxförmig (bei vielen UL-Schlafsäcken oder Quilts sind die Kammern durchgesteppt) für besseren Loft und um Wärmebrücken zu vermeiden. Der sich nur über 1/3 der Länge des Schlafsacks erstreckende Reißverschluss mit den dünnen Zähnen ist ebenfalls Ausdruck des bei der Konstruktion angesetzten Rotstifts zur Gewichtsreduktion. Komplett geschlossen ist die Passform des Hyperion, wie bei vielen Mumienschlafsäcken, nicht allzu geräumig. Im Schulterbereich misst der Umfang 145 cm, um die Hüfte sind es 126 cm und zur Fußbox verjüngt er sich auf 109 cm.  Für passionierte Bauch- oder Seitenschläfer mit etwas mehr Körperfülle ist der Therm-a-Rest-Schlafsack daher nicht empfehlenswert.

Wie bei hochwertigen Daunenschlafsäcken üblich kommt der Hyperion unkomprimiert in einem geräumigen Aufbwewahrungssack aus Baumwolle, damit die Bauschkraft während der Lagerung nicht leidet. Für den Transport liegt ein Kompressionspacksack aus dünnem Nylon bei, mit dem sich der Hyperion schön klein verstauen lässt. Wasserdicht ist der Packsack allerdings nicht.

Wie bereits oben erwähnt, besteht die Füllung des Hyperion aus Gänsedaune mit 900 cuin Bauschkraft. Das Füllgewicht gibt Therm-a-Rest mit 260 Gramm für die Größe Regular an. Das sind 35 Gramm weniger als im WM Summerlite, der mit einer Daune mit 850+ cuin Bauschkraft auf denselben Temperaturbereich kommt. Besonders gefreut hat mich, dass die für den Schlafsack verwendeten Daunen das RDS-Zertifikat tragen. RDS steht für Responsible Down Standard und ist ein die gesamte Wertschöpfungskette umfassendes Zertifikat für die Daunenindustrie. Die im Hyperion verarbeiteten Daunen stammen also garantiert nicht von zwangsernährtem oder lebend gerupftem Federvieh, sondern von Betrieben, in denen die Vögel nach Tierschutzstandards gehalten werden – und dies auch regelmäßig  kontrolliert wird! Eine weitere Besonderheit der Daunenfüllung ist die Imprägnierung mit Nikwax. Das Ergebnis dieser Behandlung nennt sich Nikwax Hydrophobic Down und verspricht eine deutlich feuchtigkeitsunempfindlichere Daune, die schneller trocknet und ihre Bauschkraft länger behält. Die Imprägnierung ist zudem umweltfreundlich, da sie auf Wasserbasis hergestellt ist und keine schädlichen Fluorkarbone enthält. Mein Gedanke dazu: „Perfekt für das Übernachten unterm Tarp oder ganz ohne Zelt und Plane!“

Nun wollte ich aber wissen, ob der Schlafsack sein versprochenes Superlativ-Gewicht auch wirklich bringen würde. Also her mit meinem Test-Schlafsack in Größe Regular und ab auf die Waage! Komprimiert im mitgelieferten Packsack zeigte die Küchenwaage 521 Gramm. Der Packsack allein bringt es auf 47 Gramm. Macht am Ende 474 Gramm für den Hyperion alleine. Ein Unterschied von 14 Gramm oder knapp 3 % mehr zum von Therm-a-Rest angegebenen Gewicht (460 g). Keine allzu große Abweichung nach oben und immer noch deutlich unterhalb der 500-Gramm-Marke.

Draußen getestet habe ich den Hyperion bisher auf drei unterschiedlichen Touren. Zuerst bei einer 4-tägigen Wanderung mit Freiübernachtung in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz Mitte April, dann bei der tapir-Testtour Ende Mai auf der Mecklenburgischen Seenplatte und am Schluss bei einem Overnighter mit dem Gravelbike zu Himmelfahrt.

Wirklich detailliert werde ich hier nur auf die ersten drei Testnächte in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz eingehen, da diese von den nächtlichen Temperaturen fast genau den angegebenen Grenzen des Komfortbereichs entsprachen und somit für mich die beste Einschätzung zur Performance des Hyperion 32F/0C lieferten. In der Woche vor Ostern ging es nun also zum Wandern und Boofen (Freiübernachten unter Felsvorsprüngen) in die Sandsteinfelsen. Der Wetterbericht versprach tagsüber warmes und sonniges Wetter und klare, kalte Nächte um die 3 bis 1 °C. Da es für eine erholsame Nacht im Schlafsack natürlich zwingend auch der geeigneten Unterlage bedarf und ich so leicht wie möglich unterwegs sein wollte, konnte ich die neue NeoAir® UberLite (250 Gramm!) ebenfalls zum Testen heranziehen. Dass diese eine rein luftgefüllte Isomatte ist und für die zu erwartenden Temperaturen von unter 5 °C nicht genügend Isolation bieten würde, nahm ich zugunsten des leichten Gewichts wohlwissend in Kauf. Der Testbericht zur UberLite folgt in Kürze! (Update: Hier ist er!)

Mit Schlafsack und Isomatte kam ich insgesamt auf ein Gewicht von 799 Gramm für mein Schlaf-Setup. Wieso das Mehrgewicht? Ich hatte den Packsack vom Hersteller noch gegen meinen 75 Gramm schweren, wasserdichten Kompressionssack von Sea to Summit getauscht. Der Hyperion ließ sich bestens komprimieren, wurde aber nicht wirklich kleiner als mein Summerlite.

Die erste Nacht wartete mit klarem Sternenhimmel und 2 °C Lufttemperatur auf. Um die ungenügende Isolation von unten wissend, lag ich im Schlafsack in einem Seideninlett und trug ein Longsleeve plus lange Unterhose.

Der Einstieg in den Hyperion ist aufgrund des Drittelreißverschlusses etwas umkomfortabler als bei Modellen mit längerem, aber daran gewöhnt man sich. Das Schließen desselben beim Liegen im Schlafsack war dann aber leider ein wenig nervig. Ich musste feststellen, dass sich der Reißverschluss nur dann zuziehen ließ, wenn ich wirklich gerade auf dem Rücken im Schlafsack lag. Mit nur ein wenig aufrechterer Position gelang es mir durch die Spannung nicht, den Verschluss bis nach oben zuzuziehen. Ein Ärgernis, das wohl dem dünnen, gewichtsoptimierten Reißverschluss-Design anzulasten ist. Mit meinen 177 cm Körpergröße fühlte ich mich im Schlafsack bezüglich der Länge gut aufgehoben, jedoch ohne noch viel Spielraum nach oben. Ich denke daher, dass die für die Größe Regular angegebenen maximalen 183 cm Körpergröße ein klein wenig zu großzügig sind. Wer wirklich 183 cm groß ist, sollte zur Schlafsackgröße Large greifen. Bis 180 cm ist Regular meiner Meinung nach passend.

Obwohl ich phasenweise ein relativ unruhiger Schläfer bin, gern auch seitlich schlafe und die Position im Schlaf häufiger wechsele, war mir die Mumienform des  Hyperion in der Nacht nicht hinderlich. Auf der Seite zu liegen war bequem möglich und auch ein Abrutschen von der Matte passierte mir nicht. Sicherlich auch Dank der SynergyLink-Verbinder: Das sind zwei teilelastische Bänder an der Unterseite des Schlafsacks, mit denen ich diesen mit der Isomatte gekoppelt hatte. So bleibt der Schlafsack an Ort und Stelle und erlaubt es einem, sich im Sack zu drehen, ohne diesen komplett mitzubewegen. Ein für mich extrem nützliches Detail! (Wenn man die Verbinder nicht benötigt, kann man sie ganz schnell lösen und einfach zu Hause lassen!)

Die Kapuze hatte ich zu Anfang etwa zur Hälfte zugezogen, im Laufe der Nacht und den damit einhergehenden sinkenden Außenttemperatur zog ich sie dann soweit zu, das nur noch meine Nase hervorschaute. Einen Wärmekragen hat der Hyperion 32F/0C nicht, dafür gibt es aber an der Kapuze mit Daunen gefüllte „Wülste“, die sich beim Zusammenziehen eng um das Gesicht legen, nach außen vorstehen und so effektiv einen Wärmeverlust verhindern. Ein weiteres Konstruktionsmerkmal, das mich in der Praxis überzeugen konnte. Im Inneren hatte ich es behaglich warm. Nach 2/3 der Nacht wurde mir dann allerdings doch langsam kalt. Allerdings nicht von oben oder der Seite, sondern von unten. Jetzt machte sich, trotz zusätzlich untergelegter Bekleidung, die fehlende Isolation der NeoAir® UberLite bemerkbar. Um dieser entgegenzuwirken, zog ich meinen vorsorglich eingepackten Biwaksack über Matte und Schlafsack und konnte so bis zum Morgen weiterschlafen. Obwohl sich bis dahin natürlich ordentlich Kondensfeuchtigkeit im Biwaksack gebildet hatte, war der Loft des Hyperion davon unbeeindruckt geblieben und auch im Inneren war zu keinem Zeitpunkt ein klammes Gefühl entstanden. Einzelne Kondenstropfen perlten auf dem Obermaterial ab und verliefen sich. Die folgenden zwei Nächte warteten mit nur wenig wärmeren Temperaturen auf und verliefen ganz ähnlich wie die erste.

Bei der Nutzung des Hyperion mit der UberLite-Matte beim Bike Overnighter Ende Mai und einer Nachttemperatur von 7 °C gab es  dann überhaupt keine Probleme mit Kälte von unten.

Der Hyperion 32F/0C hat mich als Leichtgewichtsschlafsack mit Wärmereserven bis nah an den Gefrierpunkt überzeugt und kann sich mit meinem altgedienten WM Summerlite auf Augenhöhe messen. Mit seinem Gewicht ist der Hyperion eine wirkliche Alternative zum sonst von vielen UL-Hikern genutzten Quilt. Die Verarbeitung des Therm-a-Rest-Schlafsacks ist tadellos und durchdacht. Der vom Hersteller angegebene untere Temperaturbereich von 0 °C ist realistisch für Personen, die nicht allzu schnell frieren und außerdem eine ausreichend isolierende Matte (meine Wahl der  NeoAir® UberLite mit einer Komforttemperatur von 5 °C war nicht unbedingt ideal) sowie ein Inlett – beispielsweise aus Seide – verwenden. Der Einsatz des Hyperion bis 5 °C ist meiner Meinung nach entspannt möglich.

+ ultraleicht

+ kleines Packmaß

+ gut sitzende und isolierende Kapuze

+ RDS-zertifizierte und imprägnierte Daune

+ mit Isomatte koppelbar

– sehr feiner Reißverschluss, der schon bei geringer Spannung nicht schließbar ist
– hoher Anschaffungspreis

Therm-a-Rest Hyperion 32F/0C

Therm-a-Rest Hyperion 32F/0C

Ultraleichter, minimalistischer Daunenschlafsack.

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